Sie haben das Internet in der Tasche

Digitale Medien gehören zum Alltag der Kinder. Nachdem in Salenstein Schüler «nicht altersgerechte Bilder» aus dem Internet im Klassenzimmer angeschaut haben, stellt sich die Frage nach den Regeln für elektronische Geräte – und nach der elterlichen Verantwortung.

Perrine Woodtli
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Zuerst einmal ein Selfie. 80 Prozent der 12- bis 19-Jährigen besitzen ein eigenes Smartphone. (Bild: Leo Thal/Keystone)

Zuerst einmal ein Selfie. 80 Prozent der 12- bis 19-Jährigen besitzen ein eigenes Smartphone. (Bild: Leo Thal/Keystone)

Eine unangenehme Situation: Die Familie sitzt am Tisch, beim Mittagessen – und ständig wandert der Blick des Sprösslings schräg unter die Tischplatte. Kein Wunder, denn dort hält er das Smartphone und unterhält sich mit seinen Freunden, er chattet. Neue Medien sind aus dem Kinderalltag nicht mehr wegzudenken. Einerseits bieten sie Wissen und Unterhaltung. Andererseits stellen sie Eltern und Lehrkräfte vor neue Probleme: Kinder konsumieren diese Dienste unbeschwert und grenzenlos. Egal ob zu Hause, in der Freizeit oder in der Schule. Wann jedoch ist es zu viel?

Gefahren erkennen

Heute besitzen fast alle 13-Jährigen ein Smartphone und haben das Internet in der Hosentasche. Auch Kinder im Vorschulalter kommen immer früher in Kontakt mit digitalen Medien. Dort lauern auch Gefahren. Internet kann süchtig machen, Kinder und Jugendliche können in Sozialen Netzwerken gemobbt werden, ihre persönlichen Daten können missbraucht werden. Anders als Erwachsene sind sich Kinder im Internet keiner Gefahren bewusst.

«Wie kann ich mein Kind vor solchen Gefahren schützen?» Solche Fragen stellen sich Eltern und Betreuungspersonen. Ein Team der Medienpsychologie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat einige goldene Regeln für den Umgang mit Kindern und Medien erstellt (siehe Kasten). Eine Regel beinhaltet, dass die Eltern als Begleitpersonen fungieren. Dies könnte einige Eltern auf eine Probe stellen, da die Eltern meist weniger vertraut im Umgang mit neuen Medien sind, als die Kinder selber. Kinder und Jugendliche bewegen sich selbstverständlich im Netz. Den rasanten Entwicklungen neuer Technologien stehen sie offen gegenüber. Kinder abzuschirmen ist weder möglich noch sinnvoll. Wichtig ist deshalb, dass Jugendliche Inhalte kritisch beurteilen lernen, mögliche Gefahren erkennen und wissen, wie sie sich schützen können. Dafür benötigen sie laut Gebi Matthey, Schulleiter der Schulanlagen Kurzdorf und Ergaten, nicht nur die Unterstützung ihrer Eltern. «Kinder brauchen nebst ihren Eltern auch die Lehrpersonen, die sie begleiten und ihre Fragen beantworten.»

Verantwortung liegt bei Eltern

Die Pädagogen sind sich einig: Es liegt in der Verantwortung der Eltern, den Kindern Medienkompetenz beizubringen. Aber auch die Schulen sind dabei gefordert. «Elternhaus und Schule sind gemeinsam gefordert, die Kinder auf eine sinnvolle Nutzung von Medien und Kommunikationsmitteln vorzubereiten», betont Matthey, Neue Medien bieten Kindern und Jugendlichen auch tolle Möglichkeiten – freien Zugang zu Informationen und den Austausch mit Gleichaltrigen, um nur einige zu nennen. Allen Gefahren zum Trotz.

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