Sie haben Angst um ihre Gärten

Die Idylle in den Kleingärten im Töbeli trügt. Die Pächter sind aufgeschreckt, da sie Pläne der Stadt Kreuzlingen, die Fussballplätze ins Gebiet zu verlegen, erst jetzt richtig wahrgenommen haben.

Nicole D'orazio
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Sprechen über die Pläne mit dem Töbeli: Die Kleingärtner Ratco Vasic, Christa Neuhauser, Sara Semeraro und Oskar Schuster. (Bild: Donato Caspari)

Sprechen über die Pläne mit dem Töbeli: Die Kleingärtner Ratco Vasic, Christa Neuhauser, Sara Semeraro und Oskar Schuster. (Bild: Donato Caspari)

KREUZLINGEN. Der Garten ist ihr Rückzugsgebiet. Nun fürchten Sara Semeraro, Christa Neuhauser, Ratco Vasic und Oskar Schuster um ihr Kleinod im Kreuzlinger Töbeli. Sie sind nicht die einzigen. «Seit drei Wochen ist hier in den Schrebergärten Feuer im Dach», sagt Semeraro. «Ein Brief machte die Runde, in dem die Kleingärtner gewarnt werden, man solle nichts mehr investieren, weil die Gärten bald weg kommen sollen.» Das habe alle aufgeschreckt und alle hätten Angst, dass sie ihre Gärten verlieren.

Grund: Die Stadt Kreuzlingen möchte ihre Fussballplätze im Töbeli vereinen (unsere Zeitung berichtete). Die heutigen Plätze auf Klein Venedig sollen zu den zwei bestehenden der AS Calcio im Töbeli verlegt und die schöne Lage direkt am See anders genutzt werden. Die Pläne sind zwar nicht neu, wurden von den Kleingärtnern aber erst jetzt richtig wahrgenommen.

Ärger über die Stadt

«Von der Stadt Kreuzlingen hat bisher noch niemand mit uns gesprochen. Und in einem Interview hat sich Stadtrat Ernst Zülle uns gegenüber von oben herab geäussert», findet Schuster. «Das hat mich gestört.» Auch fand er es schlecht, dass beim Ortstermin, den die Konstanzer CDU vor kurzem einberufen hatte, kein Kreuzlinger Vertreter dabei war. «Die Kreuzlinger kamen dabei nicht gut weg.» Es sei auch so, dass es böses Blut zwischen Schweizer und deutschen Kleingärtnern geben könnte, wobei die Schweizer massiv in der Unterzahl seien. «Es heisst dann, was bei uns Schweizern los sei. Wir werden mit den Politikern in einen Topf geworfen», beklagt sich Neuhauser.

Die Kleingärtner können nicht verstehen, warum das Naherholungsgebiet verloren gehen soll. «So oft nutzen die Fussballer die Plätze auch nicht.» Nur ein kleiner Teil würde vom Ausbau profitieren. «Auch verkehrstechnisch macht es keinen Sinn, die Fussballplätze hierhin zu verlegen», sagt Semeraro. «Schon heute gibt es samstags kein Durchkommen. Es würde nur noch schlimmer werden.»

Wunsch nach Information

Die vier Gärtner wünschen sich, dass sie und ihre Anliegen erst genommen und informiert werden. «Viele Gärtner hier sind Ausländer uns sprechen schlecht Deutsch. Sie bekommen vieles gar nicht mit. Sie wissen nicht, was auf politischer Ebene läuft», sagt Semeraro. Die vier gehören keinem der ansässigen Vereine an, sondern pachten ihre Parzellen direkt bei der Spitalstiftung Konstanz. Denn das Töbeli liegt zwar auf Schweizer Boden, ist aber in Besitz der Stiftung. Vasic hat den Garten bereits seit 68 Jahren. «Für mich wäre es schlimm, wenn ich ihn nicht mehr hätte», sagt der 75jährige Konstanzer. «Es gibt hier sehr viele langjährige Pächter, die sehr traurig wären.»