Sie gedenken der Brücke aus Eis

ALTNAU. Die vier Gemeinden Altnau, Münsterlingen, Hagnau und Immenstaad feiern gemeinsam das 50-Jahr-Jubiläum der Seegfrörni. Die Erinnerung an das Naturereignis soll den seequerenden Zusammenhalt nachhaltig fördern.

Martina Eggenberger Lenz
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Ziehen am gleichen Strick: der Hagnauer Bürgermeister Simon Blümcke, der Altnauer Gemeindeammann Beat Pretali, der Münsterlinger Gemeindeammann René Walther und Jürgen Beisswenger, Bürgermeister von Immenstaad. (Bild: Donato Caspari)

Ziehen am gleichen Strick: der Hagnauer Bürgermeister Simon Blümcke, der Altnauer Gemeindeammann Beat Pretali, der Münsterlinger Gemeindeammann René Walther und Jürgen Beisswenger, Bürgermeister von Immenstaad. (Bild: Donato Caspari)

ALTNAU. Beim Restaurant Krone kamen sie an, die rund 50 Eisläufer, die am 6. Februar 1963 von Hagnau aus über den zugefrorenen See nach Altnau wanderten. Mutige junge Leute waren diese Erstüberquerer. Und sie traten eine Lawine los.

Über 20 000 Menschen pilgerten vor fünfzig Jahren auf dem Eis zwischen Altnau und Hagnau hin und her. «Die Strecke war einer der meistbegangenen Übergänge während der Seegfrörni», sagt Beat Pretali. Zusammen mit seinen Amtskollegen aus Münsterlingen, Hagnau und Immenstaad informierte der Altnauer Gemeindeammann gestern in der «Krone» über die Aktivitäten der Gemeinden zum 50-Jahr-Jubiläum der Seegfrörni.

Ein Zeichen des Herrgotts

Der Hagnauer Bürgermeister Simon Blümcke betonte das Verbindende, das die Seegfrörni bewirkte: «Damals haben wir gelernt, dass wir zusammengehören.» Das Eis habe die Funktion einer Brücke gehabt, «eine, die uns der Herrgott – oder sonst eben die Natur – gegeben hat».

René Walther, Gemeindeammann von Münsterlingen, bezeichnete das Jubiläum als grosse Chance, diese Brücke wieder aufleben zu lassen. In Immenstaad seien die Kirchen, Schulen und Vereine motiviert, sich am Jubiläum zu beteiligen, sagte Bürgermeister Jürgen Beisswenger.

Lust auf Begegnung

Als Symbol ihrer Zusammengehörigkeit haben die vier Gemeinden je zwei farbige Holzskulpturen an ihrem Seeufer aufgestellt. Diese stehen für die Lust an der Begegnung.

Während es in den zwei Schweizer Gemeinden keine Vereine gibt, die sich mit der lokalen Geschichte befassen, engagiert sich auf deutscher Seeseite ein Heimat- und Geschichtsverein. Dieser hat geholfen, Material und Anekdoten zusammenzutragen, um eine Ausstellung im Hagnauer Museum zu organisieren. «Über eisige Grenzen» ist dort vom 16. Februar bis zum 25. Oktober zu sehen.

Auch in Altnau wird es eine Ausstellung zum Thema geben. Beat Pretali und René Walther waren aber viel mehr auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Die Einwohner hätten diverse alte Zeitungsartikel, Zeichnungen und Schüleraufsätze eingereicht, sagt der Altnauer Gemeindeammann. Das Material wird nun verarbeitet und dann ab 9. Februar im Restaurant Krone und ab April im Kreuzlinger Seemuseum gezeigt. Auch Schulen sollen am Thema arbeiten.

Der Wein zum Jubiläum

Mit im Boot sind auch die Winzer. Die Rutishauser Barossa und die Hagnauer Winzer lancieren zum Jubiläum einen Weiss- und einen Rotwein. Rutishauser soll schon 1963 eine Flasche übers Eis gebracht haben, als Zeichen der seequerenden Freundschaft.