Sie fängt bei Null an

ALTNAU. Martina Ruff ist 24 Jahre alt, gelernte Hochbauzeichnerin und Theologiestudentin. Sie soll der Jugendarbeit in der Evangelischen Kirchgemeinde Altnau zu Auftrieb verhelfen – zum Beispiel mit der Gründung einer Jungschar.

Hana Mauder Wick
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Martina Ruff auf der Treppe der evangelischen Kirche Altnau. (Bild: Hana Mauder Wick)

Martina Ruff auf der Treppe der evangelischen Kirche Altnau. (Bild: Hana Mauder Wick)

Die Frau strahlt Gelassenheit aus, das ist offensichtlich. «Mein Glaube stärkt meine innere Ruhe», sagt Martina Ruff schmunzelnd. Entsprechend geht sie mit Bedacht an ihre neuen Aufgaben als Jugendarbeiterin der evangelischen Kirchgemeinde Altnau heran. Noch steht alles am Anfang. Ihr «Büro» besteht aus einem Laptop auf einem Tisch im evangelischen Pfarrsaal. Schritt für Schritt und Gespräch für Gespräch will sie sich in den örtlichen Gegebenheiten verwurzeln, ein Gespür für die Notwendigkeiten vor Ort aneignen. «Der Aufbau der Jugendarbeit kann nicht von heute auf morgen geschehen», ist sie überzeugt. «Das muss wachsen.»

Kinder dürfen einfach nur sein

Als erstes Projekt hat sich die 24-Jährige die Realisierung einer Jungschar ins Pflichtenheft notiert. Junge Menschen ab dem Primarschulalter sollen auf diese Weise abgeholt werden. Die Konfession spielt keine tragende Rolle. Bedeutung hat, Kindern und Jugendlichen Nischen anzubieten, die fernab von Leistungsdruck funktionieren. Gemeinsames Bräteln im Wald, Ausflüge, Spass haben. «Einfach nur sein. Keine Forderungen. Zeit für Freundschaften und Raum für Gedanken schaffen», erklärt Martina Ruff. Der Glaube findet darin auf unverkrampfte Weise seinen Platz: Mit Geschichten, Anregungen, aber ohne erhobenen Zeigefinger.

Aufgewachsen ist Martina Ruff gemeinsam mit zwei Geschwistern in Sulgen. Ihre Spiritualität hat die junge Thurgauerin schon früh wahr- und ernst genommen. Der Gedanke an ein Theologiestudium habe sie bereits während der Schulzeit begleitet. Dennoch lernte sie zuerst Bauzeichnerin und übte diesen Beruf einige Jahre lang aus. Ein halbes Jahr verbrachte die junge Frau im Ausland. «Ich hatte keine Wohnung, keinen Job mehr. Aber viel Zeit, um über das nachzudenken, was in meinem Leben wirklich zählt», sagt sie.

Es war das passende Puzzleteil

Wieder zurück in der Schweiz, begann sie ihr Theologie-Studium am IGW Institut für Gemeindebau und Weltmission. Aktuell befindet sie sich im letzten Studienjahr. Während des gesamten Studiums ist ein kirchliches Engagement Pflicht. Die neu geschaffene Stelle als Jugendarbeiterin im 40- bis 50-Prozent-Pensum in Altnau fügte sich da wie ein passendes Puzzleteil in ihr Lebensmuster ein.

Für Jugendliche und Schulkinder aus dem Kreis Altnau will die Jugendarbeiterin ein nach bestehenden Bedürfnissen ausgerichtetes Netzwerk schaffen. Den Start bildet die Idee einer Jungschar. Was sich darüber hinaus noch alles entwickeln kann, dafür ist Martina Ruff offen. «Gott ist mein Fundament. Aber der Glaube ist nicht von äusseren Handlungen abhängig», ist sie überzeugt. Zu missionieren sei nicht Sinn des Angebotes. Sondern die Chance, Gemeinsamkeiten den Weg zu ebnen. Ein bereits gesetztes Ziel ist die Durchführung einer Waldweihnacht vom 20. Dezember. «Familien und auch Kinder ohne Begleitung im schulpflichtigen Alter sind dazu eingeladen», berichtet die Jugendarbeiterin. Punsch und Imbiss am offenen Feuer, Geschichten, Fackeln – eine stimmige Ouverture für die kommenden Festtage.

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