Sie bringt Trommeln aus Iran

Morgen beginnt in Weinfelden das dreitägige «International Drums & Percussion Camp». Profimusiker aus aller Welt zeigen an zwei öffentlichen Konzertabenden ihr Können und geben ihr Wissen in Kursen an den Nachwuchs weiter.

Mario Testa
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Asal Malekzadeh zeigt ihre Lieblingsinstrument – die Daf.

Asal Malekzadeh zeigt ihre Lieblingsinstrument – die Daf.

WEINFELDEN. Sieben Grössen der internationalen Schlagzeug- und Perkussion-Szene treffen heute in Weinfelden ein. Sie reisen aus der ganzen Welt ans zweite «International Drums & Percussion Camp» – beispielsweise Hakim Ludin aus Afghanistan, Russ Miller aus den USA oder Wim de Vries aus Holland.

Schon gestern eingetroffen ist Asal Malekzadeh aus Iran. «Ich bin erst zum zweiten Mal in der Schweiz, nachdem ich vor vier Jahren mit der Band Jack is dead am Jazzfestival in Montreux, in Lausanne und Genf mitspielen durfte», sagt die 27jährige Perkussionistin mit den langen blonden Haaren, die sie keck unter dem Schleier hervorlugen lässt. «Mir gefällt es sehr gut in der Schweiz», sagt sie.

Ein Instrument auch für Frauen

Malekzadehs Instrument ist die Daf. Eine Rahmentrommel, ähnlich eines Tambourins, nur ist sie deutlich grösser und hat anstelle des Schellenkranzes im Rahmen eine Vielzahl Ringe, die hinter der Membrane baumeln. «Als zehnjähriges Mädchen habe ich an einem Fest einen Mann die Daf spielen hören, da hab ich mich in das Instrument verliebt. Danach bestürmte ich meine Mutter, das Instrument spielen lernen zu dürfen», sagt Malekzadeh. «Die Männer haben zwar alle gesagt, das sei kein Instrument für eine Frau, aber mich hat das nicht gestört, und ich konnte mich durchsetzen.»

Heute ist sie eine der besten Daf-Spielerinnen der Welt und tritt als Solistin oder Mitglied diverser Bands auf der ganzen Welt auf. «Wir Frauen können auch in Iran machen, was wir möchten. Das Bild der unterdrückten Frauen ist falsch, ich lebe in einem freien Land. Ganz so einfach wie die Männer haben wir Frauen es aber schon nicht», sagt Malekzadeh. «Die Stimmung in der Bevölkerung ist derzeit besonders gut, nun da die westlichen Mächte einen Teil der Sanktionen fallen lassen.»

Asal Malekzadeh unterrichtet als Haupterwerb Musikschüler in Teheran. Ab morgen sind es während dreier Tage die Teilnehmer der Masterklassen-Kurse in Weinfelden. «Ich freue mich sehr, dass ich anderen Menschen etwas mitgeben kann, und natürlich reizt mich auch der Austausch mit den anderen Dozenten», sagt sie. Dann hilft ihr Samuel Forster beim Gepäcktragen. Ein halbes Dutzend Dafs hat die Musikerin aus Iran mitgebracht, damit ihre Schüler in Weinfelden in den kommenden Tagen auf echt orientalischen Instrumenten spielen können.

130 Teilnehmer in Weinfelden

Über mangelndes Interesse der Schüler an den Kursen muss sich Samuel Forster keine Sorgen machen. Auch gestern noch haben sich weitere für das Camp angemeldet. «Es sind nun alles in allem über 130 Teilnehmer, das sind dreimal so viele wie im letzten Jahr. Ich bin sehr zufrieden», sagt der Organisator des «International Drums & Percussion Camps» in Weinfelden.

Aufgeteilt in die Masterklassen und die Klasse Jugend und Fun, werden die Teilnehmer im Pestalozzischulhaus und in der Musikschule am Samstag und Sonntag diverse Kurse besuchen und musizieren.

Organisator Samuel Forster bringt die Perkussionistin Asal Malekzadeh zum Hotel Thurgauerhof. Im Gepäck hat die Iranerin diverse Trommeln. (Bilder: Mario Testa)

Organisator Samuel Forster bringt die Perkussionistin Asal Malekzadeh zum Hotel Thurgauerhof. Im Gepäck hat die Iranerin diverse Trommeln. (Bilder: Mario Testa)