Sie blickt nicht zurück

Frau Gemeindeammann von Uttwil, Brigitte Kaufmann, tritt auf Ende Woche ab. 25 Jahre in der Behörde seien genug, sagt sie. Die Amtszeit behält Kaufmann trotz umstrittenen Neubaus der Mehrzweckhalle in guter Erinnerung.

Tanja von Arx
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Die abtretende Brigitte Kaufmann im Gemeindehaus Uttwil. (Bild: Nana do Carmo)

Die abtretende Brigitte Kaufmann im Gemeindehaus Uttwil. (Bild: Nana do Carmo)

Frau Kaufmann, unter Ihrer 14jährigen Ägide konnte die Gemeinde den Steuerfuss sechsmal senken. Macht Sie das stolz?

Brigitte Kaufmann: Nein, das macht mich nicht stolz. Stolz bin ich, dass ich jeden Tag mit Freude und Lust aufgestanden bin, um arbeiten zu gehen.

Warum gehen Sie denn nach so langer Zeit?

Kaufmann: Ich bin schon so lange im Dorf – ich brauche etwas, woraus ich neue Kraft schöpfen kann. Bevor ich Gemeindeammann wurde, war ich schon in der evangelischen Kirchenbehörde und im Gemeinderat. Für mich geht nach diesen 25 Jahren in der Behörde eine Epoche zu Ende. Die Zeit war wunderbar, aber jetzt habe ich es gesehen.

Sie hätten bald das 1200jährige Bestehen Uttwils erlebt und die Feier organisieren können. Bereuen Sie diesen Schritt nicht?

Kaufmann:Für mich war klar: Ich will die Amtsdauer fertig machen, und die endet dieses Jahr. Eine weitere Legislatur von vier Jahren hätte ich nicht gemocht. Da hätte mich auch eine solche Feier nicht dazu bewegt.

Weniger feierlich gestaltet sich die Diskussion um den Neubau der Mehrzweckhalle. Dieser ist umstritten, Ende Jahr wurde dem Volg, der darin Platz finden soll, gekündigt.

Kaufmann: In der Gemeinde gab es immer Diskussionen um Projekte, so um den Steg, um Strassensanierungen. Das braucht eine Auseinandersetzung, und es ist die Aufgabe von Gemeinderat und Gemeindeammann, Projekte aufzulegen.

Dann haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Sie Ihrem Nachfolger in solch turbulenten Zeiten das Amt überlassen?

Kaufmann: Das sind keine turbulenten Zeiten. Diskussionen gibt es vor allem an Gemeindeversammlungen wirklich immer, sie sorgen für das Funktionieren im Dorf. In dem Sinne nein. Ich könnte ja sonst nie gehen.

Bereuen Sie einen anderen Schritt in Ihrer Amtszeit?

Kaufmann: Ich blicke nicht zurück, das habe ich noch nie gemacht. Vielleicht ist das auch eine Charaktersache. Manchmal habe ich vielleicht die Leute etwas vor den Kopf gestossen, aber ich bin einfach taff im Verhandeln.

Nehmen Sie weiterhin an Gemeindeversammlungen teil?

Kaufmann:Das ist eine heikle Frage. Einerseits: ja klar, natürlich. Andererseits muss man schauen: Was geht? Für den Nachfolger ist es belastend, wenn alle ehemaligen Gemeindeammänner im Saal sitzen. Deshalb warte ich ein wenig.

Dann ziehen Sie sich ganz aus der Politik zurück?

Kaufmann: Aufgaben in der Behörde werde ich keine mehr übernehmen. Aber Politik ist mein Leben, das kann ich nie loslassen, da werde ich immer aktiv sein. Ich bin auch nicht pensioniert und arbeite auf diesem Gebiet weiter.

In welcher Funktion?

Kaufmann: Im Thurgauer Gewerbeverband bin ich für den Bereich Politik zuständig. Darüber freue ich mich. Dann habe ich mich in meiner Kommunikationsagentur auf Politik spezialisiert.

Gleichwohl haben Sie künftig mehr Zeit. Wie nutzen Sie diese?

Kaufmann: Vor allem gehe ich meinem Hobby nach. Ich rudere wirklich gern.

Morgen Donnerstag verabschiedet Uttwil Brigitte Kaufmann in der Mehrzweckhalle. Wer Abschied nehmen will, ist von der Gemeinde um 18.30 Uhr zur Feier eingeladen.