Sie berauschen sich an den Klängen

ARBON. Am Samstag wurde auf und im ZikZakZuk-Areal das Klang-Skulpturen-Festival Arbonale in Anwesenheit aller beteiligter Künstler eröffnet. Das Publikum zeigte sich experimentierfreudig gestimmt. Manch ein Besucher schlug für ihn fremde Töne an.

Christof Lampart
Merken
Drucken
Teilen
Martin Spühler zeigt, wie sein Flügel funktioniert, Oliver Lüttin einen riesigen Mammutbaum und die Schülerinnen der Tanzwerkstatt Arbon zeigen eine Performance. (Bilder: Christof Lampart)

Martin Spühler zeigt, wie sein Flügel funktioniert, Oliver Lüttin einen riesigen Mammutbaum und die Schülerinnen der Tanzwerkstatt Arbon zeigen eine Performance. (Bilder: Christof Lampart)

Das Motto des noch bis zum 27. September zu sehenden, zu hörenden und auch zu spürenden Kunstereignisses lautet «Intermezzo». Genauso «zwischenspielmässig» nimmt der Besucher die verschiedenen Ausstellungsgegenstände wahr, die darauf warten, geschlagen und gespielt zu werden.

Gespielt werden darf später

Obwohl – an der Vernissage vom Samstagabend war dies fast nicht möglich, denn die Kombination von über 100 Gästen mit einer Vielzahl von Instrumenten, denen allesamt ein grosser Aufforderungscharakter innewohnt, hätte bei freiem Spiel wohl dazu geführt, dass der Lärm unerträglich geworden und die Besucher nach kurzer Zeit vom Areal geflüchtet wären. Dessen eingedenk hiess die Losung des Abends: «Nur der Künstler spielt». Was kein Nachteil war, denn so bekamen alle, die des Klanges wegen gekommen waren, mit, wie die Instrumente richtig gespielt werden. Wer in den kommenden Tagen die Ausstellung besucht, kann selbst herumexperimentieren.

Künstlerisch wurde die Vernissage von der Literatin Ruth Erat eröffnet, welche mit einem ebenso tiefsinnigen wie spannenden Text den Charakter der Ausstellung trefflich umschrieb und damit das Publikum neugierig auf das machte, was sie hinter den Türen wohl erwartete. Doch noch durfte die Halle nicht betreten werden, denn die Schülerinnen der Tanzwerkstatt Arbon hatten unter der Leitung von Zuzana Vanecek eine Performance einstudiert, bei der sie sich zu den Klängen der im Parkdeck aufgestellten Skulpturen von Martin Spühler und Stefan Philippi bewegten. Den krönenden Abschluss der Einstimmung besorgte Hans Tschiritsch, der ein paar «Takte» Staubsaugermusik zum Besten gab. Doch für den Initiator der Ausstellung hatte letztere mitnichten eine lächerliche Komponente. «Es gibt keinen schlimmen Klang», erklärte Stefan Philippi.

Vorsichtiges Ausprobieren

Die Ausstellung, welche die Werke von Hans Tschiritsch, Oliver Lüttin, Wolfgang Deinert, Beat Weyeneth, Martin Spühler und Stefan Philippi sowie Stücke der Stiftung Roth-Haus zeigt, nimmt ein neugieriges Publikum schon auf den Weg dorthin gefangen. Einige Klangskulpturen auf dem Parkdeck laden die Besucher zum vorsichtigen Ausprobieren ein, so dass man richtig gestimmt die Halle der klingenden Skulpturen, Instrumente und Experimente betritt. Riesengrosse Trommeln, ein monströser Flügel, Instrumente, Kugelbahnen, aber auch meditative Klangbecken und tropfende Decken aus Stein, Holz und Metall erweitern durch einen gewissen Grad an Skurrilität den Begriff dessen, was wir als Klang und Nicht-Klang auffassen. Hier weist einem der Klang den Weg – und so sieht man das Publikum nicht einen Raum nach dem anderen durchschreiten, sondern munter hin und her eilen. Jeweils dorthin, woher der Klang gerade kam. Der Arbonale-Initiator freut sich: «Mit den Klängen, aber auch mit den Pausen machen wir den Leuten die Anwesenheit von Raum erst richtig bewusst», sagt Stefan Philippi.