Sicherheit hat höchste Priorität

SULGEN. Der Bahnhof Sulgen ist derzeit eine Baustelle. Keine grosse, aber eine spezielle: Bei vollständiger Aufrechterhaltung des Betriebs ersetzen Bauarbeiter die Treppe von der Unterführung Hauptstrasse zum Mittelperron durch eine Rampe.

Georg Stelzner
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Auf der Baustelle: Ruth Strässle gibt den Weg über das Bahngleis frei; Polier Christoph Hausammann erläutert Gesamtprojektleiter Andreas Bögre den Stand der Arbeiten. (Bilder: Donato Caspari)

Auf der Baustelle: Ruth Strässle gibt den Weg über das Bahngleis frei; Polier Christoph Hausammann erläutert Gesamtprojektleiter Andreas Bögre den Stand der Arbeiten. (Bilder: Donato Caspari)

Seit Ende Februar laufen die Arbeiten für den behindertengerechten Umbau des Sulger Bahnhofs. Die SBB investieren rund 1 Mio. Franken in dieses Projekt. «Die grösste Herausforderung besteht darin, dass der Zugsverkehr von den Bauarbeiten nicht beeinträchtigt werden darf und die Sicherheit jederzeit gewährleistet sein muss», sagt Gesamtprojektleiter Andreas Bögre.

Erschwerend komme hinzu, dass es sich um eine sogenannte «Inselbaustelle» zwischen zwei Bahngleisen handle, die den Einsatz grösserer Geräte und Maschinen verunmögliche. «Deshalb können die Arbeiten hier auch nicht so schnell ausgeführt werden wie auf einem gewöhnlichen Bauplatz», erklärt Bögre.

Geringe Verzögerung

Das Ziel, die Rampe im Juli in Betrieb zu nehmen, werde man verfehlen, räumt Bögre ein. Der momentane Rückstand auf den ursprünglichen Terminplan betrage vier Wochen. Man habe das Bauprogramm angepasst. Seither verliefen die Arbeiten planmässig. Auch habe sich bisher kein Unfall ereignet. Bögre ist zuversichtlich, dass das so bleiben wird.

Für die Verzögerung verantwortlich sind verschiedene Faktoren. So stiessen die Bauarbeiter auf Erdreich, das durch Dieselöl kontaminiert war. Dieses unerwartete Ereignis erforderte zunächst Abklärungen und danach eine fachgerechte Entsorgung des belasteten Materials (rund 10 Kubikmeter). Die Wände des Aufgangs zum Mittelperron waren mit Beton hinterfüllt, dessen Entfernung sich als mühsames Unterfangen erwies. Dann mussten Stahlplatten montiert werden, um ein Wegrutschen des Schotters aus dem Schienenbett zu verhindern. Zudem waren die Stufen aus massivem Beton fast doppelt so gross als angenommen.

Die herrschende Kälte zu Beginn, als das Thermometer häufig Temperaturen deutlich unter null Grad anzeigte, erschwerte das Arbeiten auf der Baustelle zusätzlich. So kam es immer wieder vor, dass Wasserleitungen nachts einfroren. «Das Team unter Polier Christoph Hausammann hat sich dadurch aber nicht beirren lassen; das sind ausnahmslos harte Männer», spart Bögre nicht mit Lob.

Frau mit weissem Helm

Bevor sie ihre Tätigkeit aufgenommen haben, wurden die fünf Arbeiter ausführlich über Sicherheitsfragen instruiert. «Unter Bedingungen wie hier ist eine erhöhte Disziplin nötig», betont Bögre. Schon bei der Ausschreibung des Auftrags spiele dieser Aspekt eine Rolle. Man achte darauf, dass nach Möglichkeit Leute zum Einsatz kommen, die bereits Erfahrungen mit Baustellen dieser Art haben. Spezielle Anforderungen würden an den Polier gestellt.

Eine wichtige Rolle hat nach den Worten des Gesamtprojektleiters Ruth Strässle inne. Sie fungiert auf der Baustelle als Sicherheitswärterin, ist also dafür verantwortlich, dass im Bereich der Baustelle niemand zu Schaden kommt. Ohne ihr Einverständnis darf zum Beispiel kein Arbeiter die Gleise überqueren. Ruth Strässle trägt als einzige auf der Baustelle einen weissen Helm. Damit ist sie schon von weitem gut erkennbar. Ist die Sicherheitswärterin vor Ort, kann der Lokführer davon ausgehen, dass die neuralgische Stelle gesichert ist und sein Zug gefahrlos passieren kann. Die Kommunikation erfolgt mittels Handzeichen und Lichtsignal.

Arbeiten in der Nacht

Wegen des Einsatzes einer Bohrmaschine musste im März und in der ersten Aprilwoche auch nachts gearbeitet werden. Das gleiche wird im August, wenn ein Gleisbagger gebraucht wird, in sieben weiteren Nächten nötig sein. Aufgrund der engen Platzverhältnisse müssen die Gleise 2 und 3 für den Zugsverkehr wieder gesperrt werden; etwas, das aus betrieblichen Gründen nur in den Nachtstunden möglich ist.

Den SBB sei es ein Anliegen, die Anwohner im Umkreis von rund 200 m schriftlich über die zu erwartende Störung der Nachtruhe zu informieren, führt Bögre aus. Diese Massnahme bewähre sich auch in Sulgen. «Beschwerden hat es bis jetzt noch keine gegeben. Die Leute haben Verständnis.»

Sulgen TG , 26.06.2013 / Am Peron 2 - 3 wird eine neue Unterführung mit behindertengerechtem Auf und Abgang gebaut . Polier Christoph Hausammann und Projektleiter Andreas Boegre . (Bild: Donato Caspari (Donato Caspari))

Sulgen TG , 26.06.2013 / Am Peron 2 - 3 wird eine neue Unterführung mit behindertengerechtem Auf und Abgang gebaut . Polier Christoph Hausammann und Projektleiter Andreas Boegre . (Bild: Donato Caspari (Donato Caspari))