Sicherheit durch Wespen-Look

Ein halbes Jahr dauerte die Aktion Leuchtwesten der Verkehrssicherheit Thurgau. Ein Künstler hat die Westen nach Vorbild der Tierwelt designt. Den Schülern gefiel das. Trotzdem wurden die Westen nicht überall getragen. In Kreuzlingen waren sie daher Pflicht.

Cathrin Michael
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Sie tragen die neuen Wespen-Westen: Zwei Thurgauer Schüler auf dem Schulweg. (Bild: pd/Kantonspolizei Thurgau)

Sie tragen die neuen Wespen-Westen: Zwei Thurgauer Schüler auf dem Schulweg. (Bild: pd/Kantonspolizei Thurgau)

kreuzlingen. Von Oktober bis März gingen Thurgauer Schüler im Wespen-Look zur Schule. Ihre Kleidung bestand aus einer leuchtend gelben Weste mit schwarzen reflektierenden Streifen auf der Rückseite. Hintergrund ist die Aktion Leuchtwesten für Schülerinnen und Schüler von der Verkehrssicherheit Thurgau.

Seit 2008 können Primar- und Sekundarschulen im Kanton kostenlos Leuchtwesten beziehen. Damit will man Kinder in der dunklen Jahreszeit, von Oktober bis März, auf dem Schulweg schützen.

Künstler gestaltet Westen

Für die jüngste Aktion wurden erstmals spezielle Westen gestaltet: Der Uesslinger Künstler Max Bottini liess sich dabei von Warnfarben und -mustern aus der Tierwelt inspirieren. Für das kommende Jahr plant er Westen im Gelbbauchunken-Design.

«Die Aktion war ein grosser Erfolg», sagt Ruedi Böckli von der Kantonspolizei Thurgau. Konkrete Zahlen gebe es nicht, da die Schulen keine genauen Angaben machen könnten, wie viele Schüler die Westen tatsächlich anziehen. Ein Anhaltspunkt sei jedoch der Wettbewerb: 50 iPods wurden verlost. Der Talon lag den Westen bei. Wenn ein Kind einen Polizisten auf dem Schulweg sah, durfte es den Zettel abgeben. 1500 ausgefüllte Wettbewerbskarten seien zurückgekommen, sagt Böckli. «Das sind rund 300 mehr als im Vorjahr». Und: Zwei Drittel der eingesandten Karten stammten von Kindern, welche die neuen Westen getragen haben. Böckli freut sich über diese Steigerung. Er glaubt: «Die Unter- und Mittelstufenschüler haben den Plausch an diesen Tier-Westen.»

Nicht alle machen mit

Böckli betont, dass man in Sekundarschulen andere Erfahrungen gemacht habe: Dort würden die Westen nur angezogen, wenn dies mit gewissen Auflagen verbunden sei. Sehr wichtig sei dabei die Unterstützung der Eltern. Denn: Die Aktion ist freiwillig. Jede Schulgemeinde im Kanton entscheidet selber, ob sie mitmachen will oder nicht. Dabei sticht Kreuzlingen heraus. Dort hat die Primarschulgemeinde das Tragen von Leuchtwesten für obligatorisch erklärt.

Nach Testphase obligatorisch

«Früher mussten die Schüler die Westen nur bei Schulaktivitäten tragen, doch wir sind noch einen Schritt weitergegangen», erklärt der Kreuzlinger Schulleiter vom Bernegg-Schulhaus Ralph Huber. Seit zwei Jahren müssten die Schüler der Primarschule Kreuzlingen die gelben Westen auch auf dem Schulweg tragen. «Nach einer Testphase hat die Schulbehörde dem Obligatorium zugestimmt.» Seine Erfahrungen sind durchwegs positiv: «Im ersten Jahr mussten wir die Schüler noch oft an das Tragen erinnern, aber bereits im zweiten Jahr hat sich das völlig automatisiert.»

Verkehrsunterricht zur Strafe

Vergessen die Schüler, die Westen anzuziehen, drohen kleine Strafarbeiten: «Die Kinder müssen eine Zeichnung zum Thema Sicherheit durch Sichtbarkeit machen», erzählt Huber. Beim dritten Mal Vergessen, rufe der Verkehrsunterricht. Letztes Jahr habe man zwei solcher Kurse durchführen müssen, dieses Jahr hätten sich nur fünf Schüler angemeldet.

Huber freut sich über die Selbstverständlichkeit, mit der die Schüler die Westen tragen. Auch sagt er: «Auf kein anderes Thema werde ich so oft und direkt von den Eltern angesprochen». Sie alle seien begeistert von der Aktion.

Es bleibt abzuwarten, ob das Beispiel Kreuzlingen Schule macht und sich im kommenden Herbst alle Schüler Gelbbauchunken-Westen überstreifen.