Senioren im Schulzimmer

weinfelden. Der Versuch mit Senioren als freiwillige Lernhilfen im Weinfelder Martin-Haffter-Schulhaus hat sich bewährt und soll ausgebaut werden. Die Lernhilfen ermöglichen es, die Kinder individueller zu fördern.

Martin Knoepfel
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Monika Keller kann als freiwillige Lernhilfe den Kindern quasi Einzelunterricht erteilen. (Bild: Nana do Carmo)

Monika Keller kann als freiwillige Lernhilfe den Kindern quasi Einzelunterricht erteilen. (Bild: Nana do Carmo)

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die zweite Klasse von Nicole Müller im Martin-Haffter-Schulzentrum nicht von zahllosen anderen Schulklassen im Thurgau – ausser dass an diesem Morgen nur eine Halbklasse unterrichtet wird. Die Kinder sitzen an Tischen und arbeiten. Von Zeit zu Zeit zeigt eines der Lehrerin seine Arbeit. Nichts Besonderes ist zu vermelden – sässe nicht an einem der niedrigen Pulte eine ältere Dame und erklärte einem Mädchen etwas. Später kommen andere Kinder zu ihr, stellen Fragen, bringen Aufgaben. Die Weinfelderin Monika Keller, eine frühere Kindergärtnerin, ist mittwochs als freiwillige und unbezahlte Lernhilfe in der Klasse tätig. Zu Beginn des laufenden Schuljahres startete das Martin-Haffter-Schulzentrum einen Versuch mit Senioren als freiwilligen Lernhilfen.

Drei Senioren im Einsatz

Drei Personen – zwei Frauen und ein Mann – sind in zwei zweiten und einer vierten Klasse tätig. Da sich der Einsatz von Lernhilfen bisher gut bewährt hat, soll das Projekt im neuen Schuljahr auf vier weitere Klassen und eine Kindergartenklasse ausgeweitet werden. Interessenten können sich bis zum 6.Juni bei Schulleiter Kurt Alder melden. Vor den Sommerferien ist ein Informationsanlass geplant. Im Rahmen eines Schulbesuchs können die Interessenten die Lehrerinnen und Lehrer kennen lernen, mit denen sie später zusammenarbeiten.

Die Chemie muss stimmen

Der Besuch basiert allseits auf Freiwilligkeit. Lehrkräfte müssen keine Lernhilfen beiziehen, wenn sie das nicht wollen. Zudem muss die Chemie zwischen den beiden Personen stimmen. Bei Monika Keller und Nicole Müller – die beiden Frauen duzen einander – ist das der Fall, wie das Gespräch nach Ende der Schulstunde im Büro von Kurt Alder zeigt. Bevor sie ihre Tätigkeit als Lernhilfe aufnahm, hat Monika Keller Nicole Müller nicht gekannt. Die Lernhilfen müssen gemäss Alder rüstig sein. Ein pädagogischer Beruf ist keine Bedingung. «Es braucht ein Gespür für Kinder», sagt Nicole Müller. Zu zweit werde man den Kindern einfach besser gerecht. Wenn ein Kind Schwierigkeiten habe, könne sich Monika Keller zu ihm setzen und helfen, während sie sich den anderen widme. Man spüre, dass die Kinder die Präsenz von Monika Keller genössen. Monika Keller stellte fest, dass die Kinder immer zutraulicher wurden. Für einige ist sie wie eine Grossmutter. «Für Kinder ist es wichtig, sofort eine Bestätigung zu haben, wenn sie eine Arbeit beenden. Das verhindert, dass langsamere Kinder sich abgehängt fühlen.» Beide Frauen bereuen nicht, dass sie sich auf die Zusammenarbeit einliessen.

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