Selbst das alte Rathaus lügt

Am zweiten Volksfilmtag in Weinfelden hat Martin Sax ein Referat mit dem Thema «Bilder lügen nicht?» gehalten. Er präsentierte manipulierte Fotos und falsche Postkarten aus dem Dorf.

Basil Höneisen
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Der ehemalige Gemeindeschreiber Martin Sax zeigt eine Filmszene der Weinfelder Fasnacht von 1931. (Bild: Basil Höneisen)

Der ehemalige Gemeindeschreiber Martin Sax zeigt eine Filmszene der Weinfelder Fasnacht von 1931. (Bild: Basil Höneisen)

WEINFELDEN. «Bilder lügen nicht. Sondern der Macher.» Mit dieser Aussage beginnt Martin Sax, ehemaliger Gemeindeschreiber von Weinfelden, sein Referat mit dem Titel «Bilder lügen nicht?»

Gemalte Postkarten

Sein Vortrag ist ein Programmpunkt des zweiten Schweizer Volksfilmtages (siehe Box), der am Samstag im Liberty Cinema in Weinfelden stattgefunden hat. Während gut anderthalb Stunden zeigt Sax im grössten Saal des Kinos verschiedenste Bilder von Weinfelden: gemalte Postkarten und Fotografien. Jedes einzelne Bild aber lügt. «Das Retuschieren unschöner Details ist keine Neuheit», sagt der Pensionär, «schon die Grossväter unserer Grossväter verhalfen mit Retuschen Bildern zu ihrer Perfektion.»

Dazu zeigt Martin Sax ein Foto, auf dem die Kirche von Weinfelden abgebildet ist. Gut erkennbar auch heute noch, dass der Fotograf versucht hat, das Gerüst um die Kirche auszuradieren. Zu jener Zeit, als das Foto gemacht wurde, stand sie nämlich noch im Bau.

Ein weiteres Beispiel: eine Postkarte, gemalt Mitte 19. Jahrhundert, auf der das alte Rathaus zu sehen ist. «Wir Weinfelder glauben anhand solcher Bilder zu wissen, wie das alte Rathaus ausgesehen hat», sagt Sax, «doch der Maler dieser Karte erstellte das Bild 55 Jahre nach Abbruch des Gebäudes. Er konnte also selbst gar nicht wissen, wie es ausgesehen hatte.»

Stück Heimat für die Weinfelder

Mit pointierten Aussagen weiss der Referent sein Publikum auf den bequemen Kinosesseln immer wieder zum Schmunzeln zu bringen. Der Vortrag passt gut zum gestellten Thema des Volksfilmtages: «Heimat». Das Thema steht mit jeden einzelnen Filmbeitrag im Zentrum. Auch in den Filmausschnitten am Ende des Tages geht es wieder um das Dorf.

Filmszenen aus den 30er-Jahren

Zuletzt zeigt Sax also originale Filmausschnitte aus den 30er-Jahren. Die Zuschauer geniessen dabei Szenen der Weinfelder Fasnacht oder der Einweihung des Thomas-Bornhauser-Brunnens – unterlegt mit dem Kommentar der Wochenschau.

Martin Sax hat einmal mehr bewiesen, dass «Fundstücke von damals» Historie erzählen können – aber auch zu lügen vermögen.