Sek hält an Auszeit-Angebot fest

Der Kanton muss sparen und zahlt nichts mehr an die drei Time-out-Schulen im Thurgau. Auf diejenige in Romanshorn hat der Entscheid keine Konsequenzen. «Wir haben eine soziale Verantwortung», sagt Schulleiter Markus Villiger.

Markus Schoch
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Sie betreuen im Moment vier Schüler im Romanshorner Time-out: Barbara Dörig, Nicole Müller und Andreas Rutishauser. (Bild: Nana do Carmo)

Sie betreuen im Moment vier Schüler im Romanshorner Time-out: Barbara Dörig, Nicole Müller und Andreas Rutishauser. (Bild: Nana do Carmo)

ROMANSHORN. «Das Bedürfnis ist da. Wir haben mit unserer Arbeit Erfolg. Also machen wir weiter.» Für Sek-Schulleiter Markus Villiger ist klar, dass die Time-out-Schule in den Räumlichkeiten der Firma Hydrel nicht geschlossen wird, auch wenn der Kanton seine Beiträge streicht. Bis jetzt beteiligte er sich mit 160 Franken pro Tag an den Kosten für die Betreuung der schwierigen Jugendlichen, die eine Auszeit brauchen. 100 Franken übernahm die einweisende Schulgemeinde, die künftig für den ganzen Betrag aufkommen muss.

«Es wäre nicht billiger, wenn wir aufhören würden», sagt Villiger. Für die betroffenen Schüler müsste eine andere Lösung gefunden werden, die den Steuerzahler auch etwas kosten würde. «Drei Schüler von uns wären im letzten Schuljahr sogar auf der Strasse gelandet, wenn es uns nicht gegeben hätte», sagt Teamleiterin Nicole Müller. Nicht ausgeschlossen, dass das Trio am Schluss bei der Sozialhilfe gelandet wäre. «Das kann es nicht sein», sagt Villiger.

Geht um die Gesundheit

Die Time-out-Schule zu schliessen, komme auch wegen der Lehrer in den Regelklassen nicht in Frage. «Sie müssen entlastet werden, wenn es die Situation erfordert und es nicht mehr geht. Die Gesundheit aller Beteiligten muss es uns wert sein», sagt Villiger. Die Störefriede einfach für vier Wochen zur Arbeit zu schicken, löse das Problem nicht, weiss Teamleiterin Müller aus Erfahrung. «Es wird meist nur noch grösser, weil sie zusätzlich auch noch schulisch ins Hintertreffen gelangen.» Und eine Tagesklinik sei unter Umständen auch keine Lösung, wenn es brenne. «Dort muss man unter Umständen ein halbes Jahr warten», sagt Müller. Die Time-out-Schule sei «schnell, effizient und unbürokratisch». Wenn nötig, würden sie einen Schüler innerhalb von zwei Tagen übernehmen.

Für Villiger ist es auch eine Frage der Glaubwürdigkeit, an der Time-out-Schule festzuhalten. «Sie ist ausdrücklich Teil unseres Förderkonzeptes.» Und in vielen anderen Schulgemeinden im Thurgau sei es gleich. «Die Finanzierung ist jeweils Teil des Konzepts», sagt Villiger.

Haben soziale Verantwortung

Die Schulen hätten auch eine soziale Verantwortung, sagt Villiger. «Nicht jeder Lebensweg verläuft geradlinig, junge Menschen müssen Chancen bekommen.» Wenn Geld für die Talentförderung vorhanden sei, müsse es auch für Jugendliche mit temporären Schwierigkeiten bereitgestellt werden. «Wir haben den Auftrag, für alle zu schauen», sagt Villiger.

Dieser Meinung ist auch Sekundarschulpräsident Walo Bohl, der die Time-out-Schule im letzten Jahresbericht ein «unverzichtbares pädagogisches Zusatzangebot» nannte, das auch in der Nachbarschaft geschätzt werde. Je nach Auslastung decken die Beiträge allerdings nicht immer alle Kosten, so dass die Sekundarschulgemeinde Romanshorn für die Differenz aufkommen muss.

Es sei ein Geben und Nehmen in der Region, findet Villiger. Romanshorn profitiere im Gegenzug von den Intensiv-Deutschkursen, die in Arbon und Amriswil angeboten würden. Und von den Sportschulen.

Gute Bilanz

«Wir bringen nicht immer alle Schüler auf den richtigen Weg, aber die meisten», sagt Müller nicht ohne Stolz. Die Bilanz könne sich sehen lassen. «Wir haben sehr gute Rückmeldungen.» Zu verdanken sei das einer intensiven Betreuung der Schüler, unter engem Einbezug der Eltern. «Es gibt regelmässige Treffen», sagt Müller. «Das funktioniert sehr gut und bringt allen Beteiligten in der Regel viel.»

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