Seine Witze kennen keine Grenzen

AMRISWIL. Mit dem Programm «Made in Hellwitzia» stand der Kabarettist Marco Rima im Pentorama auf der Bühne. Mit viel Witz und Gesang, aber auch ernsthaften Sprüchen zur gegenwärtigen politischen Situation begeisterte er die 800 Zuschauer.

Sara Carracedo
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Marco Rima ist lustig, selbst dann wenn er sich auf der Bühne mit kritischen Themen auseinandersetzt. (Bild: pd)

Marco Rima ist lustig, selbst dann wenn er sich auf der Bühne mit kritischen Themen auseinandersetzt. (Bild: pd)

«Do chunt keine ine!», mimt Marco Rima mit hochgezogenen Schultern und einem gehässigen Altmännerblick die Urschweizer, wie sein Grossvater es war, zu Beginn seiner Show nach. So weiss er auch, warum keine zweite Gotthardröhre gebaut werden kann, da «sowieso en Schwizer devorstoh wür und segä wür: <Do chunt keine ine!» und somit den Bau verhindern würde.

Bekannte Vorurteile

Es ist für Rima nicht schwierig gewesen, aus den Vorurteilen der Schweizer ein ganzes Programm zu schreiben. Seine charmanten Witze über die Vorurteile der Schweizer Bevölkerung sorgen auch in Deutschland für Lacher: «Die Deutschen kennen die Schweiz sehr gut, da sie unser Land auch oft bereisen. Sie kennen uns mit unserer Art und haben Freude an uns», sagt Rima. Der Deutsche freue sich, wenn er sich über seine Landesgenossen lustig mache, aber auch, wenn er die Deutschen bei seinen Witzen ins Visier nehme.

Auch im Pentorama kommt die Show hervorragend an, so freuen sich Olivia und Rocco Suppa aus Bürglen über die musikalischen Einschübe und seine Spontaneität: «Uns gefällt die Energie auf der Bühne und seine Power», doch was sie nicht wissen: Marco Rima leidet an einer Magen-Darm-Grippe und lässt sich daher von der Autogrammstunde entschuldigen. «Das hat man ihm überhaupt nicht angemerkt! Marco Rima hatte eine unglaubliche Bühnenpräsenz», staunt eine Besucherin.

Ernste Themen ansprechen

Mit seinen Sprüchen spricht Marco Rima ernsthafte Themen, wie die politische Situation in bezug auf Ausländer und Religion, an. Er eckt dabei nicht an, im Gegenteil – er sorgt für Verständnis. So bezieht er sich in einem Sketch auf die ehemaligen Hilfsarbeiter: «Ohne die Italiener und Portugiesen hätten wir keinen Gotthardtunnel und könnten nicht mit verschränkten Armen davor stehen: Do chunt keine ine!» Rima hat eine Erklärung, warum sich die Schweizer so abgrenzen: «Seit der Mensch denken kann, ist die Welt im Auf- und Umbruch gewesen, doch dank der medialen Situation wird uns jeder Furz ins Wohnzimmer gebracht.» Er mache sich auf der Bühne zwar lustig über unsere Schwächen und unsere Unzulänglichkeit, aber genau das sei die heutige Realität, erklärt Rima. Es gäbe sehr extreme Strömungen, aber auch viel Hoffnung: «Ich muss die Hoffnung auch haben, denn ich habe Kinder und ich will, dass auch sie eine spannende Welt entdecken können.»

Realität mit Witz widerspiegeln

Rima war vor seiner Karriere als Kabarettist Lehrer und sieht daher vieles noch aus der pädagogischen Sicht: «Bei uns gibt es das berühmte Herz-Kopf-Hand- Prinzip.» Dabei sei das Herz etwas ganz Wichtiges, denn damit befasse sich der Mensch mit Situationen, die ihn berührten. Der Kopf bilde die Konstrukte und die Hand führe aus.

«Ich wünsche mir in der heutigen Zeit mehr Toleranz. Mittlerweile wird sehr kontrovers, aber auch sehr radikal diskutiert, was ich sehr schade finde. Die Konzernpolitik, welche die Schweiz vor vielen Jahren auszeichnete, diese ist wünschenswert, diese vermisse ich.»

Seit März 2015 ist Marco Rima mit seinem Bühnenprogramm «Hellwitzia» auf Tour und ab Februar 2016 wieder in der Ostschweiz unterwegs.