Seilziehen um Naturschutzgebiet

BOMMEN. Zum besseren Schutz der Bommer Weiher schlägt der Kanton eine Pufferzone und ein Klärbecken vor. Der Gemeinde Kemmental geht das zu weit. Pro Natura hingegen findet die Massnahmen zu lasch.

Martina Eggenberger Lenz
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Herbststimmung am oberen Weiher: Dem Schwan gefällt's im Flachmoor. Dieses ist ein Schutzgebiet von nationaler Bedeutung. (Bild: Donato Caspari)

Herbststimmung am oberen Weiher: Dem Schwan gefällt's im Flachmoor. Dieses ist ein Schutzgebiet von nationaler Bedeutung. (Bild: Donato Caspari)

Verschlafen liegen die Weiher in der Nebellandschaft. Es ist ruhig in Bommen. Ab und zu ruft ein Vogel. In der Ferne ist ein Spaziergänger auszumachen. Doch die Idylle trügt. Um das Naturschutzgebiet ist ein veritabler Streit entbrannt. Der Kanton verschärft den Schutz der Weiher. Und die Gemeinde Kemmental wehrt sich dagegen mit einer Einsprache. Für sie gehen die vorgeschlagenen Massnahmen zu weit.

Der Weiher scheint grün

«Die Weiher sind eine wichtige Attraktion für unsere Gemeinde», sagt Gemeindeammann Walter Marty. Dass die Nährstoffbilanz im Wasser nicht stimmt, finde man auch nicht gut, aber man wolle das Problem lieber anders angehen, als der Kanton dies beabsichtigt. Unbestritten ist, dass die Weiher zu nährstoffreich sind. Hinweis dafür ist das rauhe Hornblatt, eine Wasserpflanze, die in den Weihern gedeiht und diesen manchmal wie einen grünen Teppich erscheinen lässt.

Während der Kanton eine beschränkt nutzbare Pufferzone rund um die Weiher und ein Schönungsbecken zur Vorreinigung des Zuflusses vorschlägt, würde die Gemeinde eine Absenkung des Wasserspiegels oder allenfalls eine Ausbaggerung bevorzugen, «um den Durchfluss zu erhöhen», wie Marty sagt.

Er weist darauf hin, dass die Wasserfläche der Weiher mit der Sanierung Anfang der 80er-Jahre massiv vergrössert wurde. «Die Landwirte verloren damals schon viel Land. Mit einer Pufferzone würden sie nochmals eingeschränkt.»

Nachteile für die Bauern

Für die Bauern werde es immer schwieriger, um die Bommer Weiher zu wirtschaften, sagt der Gemeindeammann. Sie würden mit Vorschriften geplagt, die schärfer seien, als es das Landwirtschaftsgesetz verlange. Zudem mache ihnen der Biber das Leben schwer. In der Gemeinde Kemmental macht man sich Sorgen, dass die aktuellen Massnahmen nur der Anfang sind. «Wer garantiert uns, dass die Schutzmassnahmen nicht noch mehr ausgeweitet werden? Was dürfen wir dann noch in fünfzig Jahren?» Walter Marty findet es gut, dass die Weiher als Naherholungsgebiet genutzt werden. Es gibt eine Grillstelle, einen Badeplatz. Das soll seiner Meinung nach so bleiben. Er verweist darauf, dass die Weiher vor über 500 Jahren künstlich angelegt und periodisch entleert wurden.

Auch Pro Natura wehrt sich

Ebenfalls nicht einverstanden mit den angeordneten Schutzmassnahmen ist Pro Natura, Mitbesitzerin der Weiher – allerdings aus ganz anderen Gründen. Die Massnahmen gehen dem Verband zu wenig weit. Erstens sei die Pufferzone mit fünf Metern zu schmal, sagt Präsident Toni Kappeler. Kappeler spricht von einer «krassen Abweichung» zum Pufferzonenschlüssel des Bundes. Zweitens habe man immer von zwei Schönungsbecken gesprochen. Nun sei nur noch eines im Gespräch. «Und das ist zu klein und nicht rechtsverbindlich festgelegt», bemängelt der Pro-Natura-Präsident.