«Seien wir mutig»

In zwei Wochen fällt die Entscheidung über den Bau des neuen Stadthauses. Am Mittwoch trafen sich Befürworter und Gegner zum Showdown auf dem Abstimmungspodium.

Urs Brüschweiler
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Christian Lohr und Jürg Kocherhans vom Pro-Komitee, Moderator Markus Thalmann, die Contra-Seite mit Beat Rüedi und Paul Stähli. Stadtpräsident Andreas Netzle beantwortete Fragen. (Bild: Urs Brüschweiler)

Christian Lohr und Jürg Kocherhans vom Pro-Komitee, Moderator Markus Thalmann, die Contra-Seite mit Beat Rüedi und Paul Stähli. Stadtpräsident Andreas Netzle beantwortete Fragen. (Bild: Urs Brüschweiler)

«Zack, zack! Das muss jetzt laufen.» Markus Thalmann drückte aufs Tempo. Wenn sich die Argumente wiederholten, ging der Tägerwiler Gemeindepräsident gnadenlos dazwischen. Die vier Kreuzlinger Quartiervereine hatten ihn als Moderator für die Podiumsdiskussion zur Stadthaus-Abstimmung engagiert. Das Gebot der Neutralität zwischen dem Pro- und dem Contra-Lager hielt er zwar nicht immer strikt ein. Doch er sorgte dafür, dass die rund 250 Besucher im Dreispitz-Saal keiner zähen und langatmigen Veranstaltung beiwohnen mussten.

Doch der Reihe nach: Stadtpräsident Andreas Netzle und Vizestadtpräsidentin Dorena Raggenbass erhielten zu Beginn Zeit für die Projektpräsentation. Sie hatten sich gut vorbereitet, unterlegten ihre Ausführungen mit einer starken Symbolik. Netzle versuchte bereits bekannte Kritikpunkte anzusprechen und zu entkräften. «Es ist klar, dass man nicht allen alles recht machen kann. Aber man muss das Ganze sehen, die Idee dahinter.» Man werde in einigen Jahren keinen besseren Konsens finden. «Seien wir mutig.»

Der Zeitpunkt ist perfekt

Anschliessend kam die Zeit der Podiumsteilnehmer. Christian Lohr und Jürg Kocherhans vertraten das Pro-Komitee. Der Nationalrat warb dafür, die Voraussetzungen für eine kompetente, kundenfreundliche und effiziente Verwaltung zu schaffen. Der Unternehmer berichtete, dass der von ihm präsidierte Arbeitgeberverband Kreuzlingen und Umgebung hinter dem Projekt stehe. Er könne kein Flickwerk akzeptieren. Der Zeitpunkt für Investitionen sei perfekt und das Stadthaus bringe den Handwerkern Aufträge.

Architekt Paul Stähli sowie Gemeinderat und Rechtsanwalt Beat Rüedi argumentierten für ein Nein am 27. November. Paul Stähli hätte «über 30 Argumente» gegen dieses Projekt anführen können. Die drei, die ihm Markus Thalmann zu äussern zugestand, waren die zu hohen Platzreserven im neuen Stadthaus, das Erscheinungsbild und das ungeklärte Verkehrsregime. Rüedi kritisierte die Prämisse, dass alle Abteilungen der Verwaltung unter einem Dach zusammengefasst werden müssen. «Es gibt keine Notwendigkeit für ein zentrales Gebäude.»

Stadtpräsident Andreas Netzle durfte ebenfalls auf der Bühne bleiben. «Das ist doch überhaupt der Sinn der Übung, dass die Abteilungen enger zusammenarbeiten können», entgegnete er Rüedi. «Wir unterliegen nicht seit 30 Jahren einem Irrtum».

In die Diskussion streute Markus Thalmann vorgängig per E-Mail eingereichte Fragen sowie Voten aus dem Saal. Das führte dazu, dass sich manche Aspekte wiederholten und die Struktur in der Debatte etwas verloren ging. Dennoch spitzte sich die Diskussion an manchen Stellen auf die wesentlichen Fragen zu und es kam zum direkten Schlagabtausch. Beat Rüedi ging auf den Finanzplan der Stadt Kreuzlingen ein und erwähnte die Anhäufung der langfristigen Schulden, wenn alle anstehenden Grossprojekte verwirklicht würden. Jürg Kocherhans erwiderte, dass man nicht blauäugig sein dürfe. Es sei nicht alles realisierbar, was noch geplant werde. Er spielte dabei auf das neue Schwimmhallen-Projekt an. Andreas Netzle wiederum konterte Rüedi. Er hielt ihm vor Augen, dass er sich für Steuersenkungen einsetze, was der Stadt logischerweise Ressourcen entziehe. Und Netzle versicherte, dass der Finanzplan der Stadt absolut «verhebet». Markus Thalmann bezog in dieser Frage ebenfalls Stellung und sagte: «Unser grosser Bruder aus Kreuzlingen kann sich locker Stadthaus und Schwimmhalle leisten.» Was Beat Rüedi wiederum zur Frage verleitete, ob er denn als Moderator nicht neutral zu sein habe.

Die Frage nach den Parkplätzen

David Betschart hatte in einem halbseitigen Inserat in unserer Zeitung für ein Nein geworben. Die Tiefgarage sei schlicht zu klein. Der Modegeschäfts-Inhaber äusserte sich auch am Podium: «80 freie Plätze sind nichts. Wenn die voll sind, gehen unsere Kunden woanders hin.» Betschart sparte auch nicht mit Kritik. «Die Behörden haben kein Musikgehör für die Anliegen des Gewerbes.»

Stadtpräsident Netzle rechnete ihm vor, dass heute schon genug Parkplätze zur Verfügung stünden und es nachher sogar ein paar mehr sein werden. Im gesamten Stadtzentrum stünden etwa 900 zur Verfügung. Immer wieder kam die Standortfrage aufs Tapet. Die Idee, ein neues Verwaltungszentrum an der Marktstrasse zu realisieren, ist nach wie vor in vielen Köpfen drin. «Klar, man kann dort etwas bauen», sagt Andreas Netzle. «Aber Sie erwarten doch nicht, dass wir Ihnen die schlechtere Lösung vorschlagen.» Er relativierte auch den belebenden Effekt eines Stadthauses auf den Boulevard.

Alt Stadtrat Gerhart Lehmann – wie auch einige andere Votanten – wünschten sich, dass mit «dem Widerkäuen uralter Argumente» nun endlich Schluss sei. Kreuzlingen solle nun endlich, nach so langer Zeit der ergebnislosen Planung, den Mut finden, Ja zu sagen.

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