Sechs Generationen Brüllmann

In der Gaststube (6): Urs Brüllmann führt das Werk seiner Ahnen fort. Er wirtet zusammen mit seiner Frau Andrea in der «Sonne» Lengwil. Das Paar hat das 200jährige Haus gerade frisch renoviert.

Martina Eggenberger Lenz
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Aus der Bauernbeiz ist ein richtiges Speiserestaurant geworden: Andrea und Urs Brüllmann mit Töchterchen Lea in der «Sonne». (Bild: Donato Caspari)

Aus der Bauernbeiz ist ein richtiges Speiserestaurant geworden: Andrea und Urs Brüllmann mit Töchterchen Lea in der «Sonne». (Bild: Donato Caspari)

LENGWIL. Wer die «Sonne» von früher kennt, der reibt sich jetzt die Augen, wenn er das Restaurant betritt. Hell und modern sieht die Gaststube aus. Das alte Mobiliar wurde aussortiert, ein neuer Boden verlegt, viele dunkle Oberflächen weiss gestrichen. Dennoch verraten freigelegte Holzbalken, dass man sich in einem alten Haus befindet. Die Gemütlichkeit ist nicht verloren gegangen.

Die neue Optik soll den Stil von Urs und Andrea Brüllmann betonen. Die beiden wollen weg vom Image der Bauernbeiz, hin zum anerkannten Speiserestaurant.

Der Tradition verpflichtet

Im Januar vor einem Jahr ist die «Sonne» offiziell in den Besitz von Urs Brüllmann übergegangen. Zuvor war er schon einige Zeit Pächter. Das Restaurant gehörte aber immer noch den Eltern, Lilian und Walter Brüllmann. Es ist die sechste Brüllmann-Generation, die mit Urs den Betrieb übernommen hat. Er ist mit der «Sonne» gross geworden, hat schon als Bub in der Gaststube gejasst.

Bald war für ihn klar, dass er Koch werden wollte. Nach der Lehre und ein paar Saisonstellen kehrte er als 24-Jähriger wieder an den heimischen Herd zurück. «Ich habe es immer als eine Art Pflicht angesehen, das weiterzuführen, was meine Familie aufgebaut hat», sagt er.

Die Tradition bedeutet Brüllmann viel. So hält er an der Metzgete oder an den Wildspezialitäten fest und lädt zum Rösti-Plausch. Gleichzeitig achtet er darauf, dass seine Speisekarte eine eigene Note erhält. Die Salatsauce ist selbstverständlich selbst gemacht. In der Küche wird möglichst das verwendet, was lokal produziert wird und Saison hat. «Ich bereite zu und richte an, was der Gast zu Hause nicht macht», sagt Brüllmann. Er ist überzeugt, dass das richtige Preis-Leistungs-Verhältnis ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Vielleicht deshalb kommen Menschen aller Art gerne in die «Sonne», Büezer ebenso wie Krawattenträger, die örtlichen Vereine wie die Jasser.

Geschichten von früher

Dass ein Gasthaus so lange von der gleichen Familie geführt wird, ist alles ausser gewöhnlich. «Es kehren immer wieder ältere Leute ein, die uns erzählen, früher habe hier ein Brüllmann gewirtet. Denen sagen wir dann stolz, dass das immer noch so ist», so Urs Brüllmann. Er bekomme auch immer wieder Geschichten zu hören, von früher, als seine Eltern oder Grosseltern noch am Ruder waren. Auch wenn die Gäste heute weniger Sitzleder haben, kann es passieren, dass eine gemütliche Runde bis in den frühen Morgen «verhockt». «Zum Beispiel die Turner nach ihrer letzten Generalversammlung», erzählt Andrea Brüllmann. Das seien aber Ausnahmen. Als typische Wirtsleute sehen sich Urs und Andrea übrigens nicht. Er agiert gerne in der Küche, im Hintergrund. Sie ist verantwortlich für den Service, macht auch mal einen Witz und plaudert mit den Gästen – aber immer mit einer gewissen Zurückhaltung. «Wir sind halt so, wie wir sind.» Kennen- und lieben gelernt hat sich das Paar übrigens vor Ort. Andrea war Serviertochter in der «Sonne»; er, der Junior-Chef, Koch. Die nächste Generation Brüllmann wächst ebenfalls bereits heran. Ob allerdings Töchterchen Lea das Wirten einst für sich entdeckt, steht in den Sternen. «Ich werde sicher keinen Druck ausüben», sagt Vater Urs.

Bild: MARTINA EGGENBERGER LENZ

Bild: MARTINA EGGENBERGER LENZ