Schwimmer dürfen hoffen

Die privaten Initianten eines Winter-Hallenbads in Romanshorn sind ihrem Traum einen grossen Schritt näher gekommen. Die Hafenstadt beteiligt sich unter gewissen Bedingungen finanziell am Projekt.

Markus Schoch
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David H. Bon Stadtpräsident von Romanshorn (Bild: Reto Martin)

David H. Bon Stadtpräsident von Romanshorn (Bild: Reto Martin)

ROMANSHORN. An dieses Bild könnte sich der Stadtrat gewöhnen. Die Stimmbürger kommen in Scharen, um ihm den Rücken zu stärken, und spenden am Schluss sogar Applaus für die Entscheide, die sie selber gefällt haben. So passiert an der Rechnungsgemeinde im Mai des letzten Jahres, als es um einen Baukostenbeitrag an die Hafenplattform in der Höhe von maximal 600 000 Franken ging. Und so passiert am Montagabend bei der Budgetgemeinde, als 237 Stimmbürger die Kanti-Aula füllten.

Traglufthalle im Winter

Zur Debatte stand erneut ein wegweisendes Projekt. Eine Gruppe um Schwimmclub-Ehrenpräsident Hanspeter Gross will das 25-Meter-Becken im Romanshorner Seebad jeweils im Winter mit einer Traglufthalle überdecken, damit sein Verein und andere wie der Kanuclub sowie Schulen und Familien nicht im Trockenen stehen, wenn das Hallenbad in Münsterlingen im April des nächsten Jahres schliesst. Als Standort für das Provisorium mit einer Lebensdauer von zehn bis 15 Jahren kommt im Oberthurgau einzig Romanshorn in Frage. Die Heizung muss mit erneuerbarer Energie betrieben werden, und diese Voraussetzung ist nur im Seebad gegeben, wo eine Holzschnitzelheizung das Wasser auf Temperatur bringt.

Betrieb kostet 210 000 Franken

Das Finanzierungskonzept geht von Investitionskosten in der Höhe von 600 000 Franken und jährlichen Betriebskosten von 210 000 Franken aus. Die Idee ist, dass sich die Gemeinden und Städte im Oberthurgau beteiligen gemäss einem Schlüssel, den die Regionalplanungsgruppe ausgearbeitet hat.

Romanshorn soll als Standortgemeinde einen (rückzahlbaren) Investitionsbeitrag von 200 000 Franken übernehmen und jährlich 31 800 Franken an die Betriebskosten zahlen (drei Franken pro Einwohner). Entsprechende Anträge der Interessengemeinschaft um Gross befürworteten die Stimmbürger am Montagabend mit grossem Mehr. Es sei «ein ideales Projekt» und trage zur Stadtentwicklung bei, sagte beispielsweise Hans Sidler.

Stadt stellt Bedingungen

Auch der Stadtrat befürwortete die Pläne. Sie würden einem grossen Wunsch der Bevölkerung entsprechen, sagte die zuständige Stadträtin Aliye Gül. Die Ausgaben seien auch tragbar. Zumal sich die Stadt schon heute mit 20 000 Franken am Betrieb des Hallenbades in Münsterlingen beteilige, so dass es um Mehrkosten von knapp 12 000 Franken gehe. Der Stadtrat stelle aber Bedingungen. So müssten sich auch Arbon und Amriswil an den Betriebskosten beteiligen. Die offenen Punkte müssten im Vorprojekt gelöst werden. Und das temporäre Hallenbad müsse für die Öffentlichkeit zu gewissen Zeiten zugänglich sein, was gemäss Gross der Fall sein soll.

Es gab auch Kritik: Die FDP sah sich gemäss Jürg Felix ausserstande, die Vorlage «seriös zu prüfen», da Entscheidungsgrundlagen wie die Machbarkeitsstudie fehlen würden. Er empfahl, die Anträge zurückzuweisen.