«Schweine sind meine Leidenschaft»

BIESSENHOFEN. Vor 40 Jahren hat Werner Ehrbar seine neue Stelle als Schweinezüchter in Biessenhofen angetreten. Heute ist sein letzter Arbeitstag. Tiere werden aber auch künftig sein Leben bestimmen: Pferde und Bienen.

Rita Kohn
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Nach 40 Jahren Einsatz als Schweinezüchter tritt Werner Ehrbar (links) in den Ruhestand. Hansueli Bürgi übernimmt den Stall nun selber. (Bild: Rita Kohn)

Nach 40 Jahren Einsatz als Schweinezüchter tritt Werner Ehrbar (links) in den Ruhestand. Hansueli Bürgi übernimmt den Stall nun selber. (Bild: Rita Kohn)

«Ein Glücksfall!» Hansueli Bürgi aus Biessenhofen nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er über den Moment vor 40 Jahren spricht, in dem sich sein Vater Hugo Bürgi entschied, Werner Ehrbar als Schweinezüchter einzustellen. Ein Glücksfall war Werner Ehrbar nicht nur für seinen Arbeitgeber, der sich in den folgenden Jahrzehnten auf den zuverlässigen Mitarbeiter verlassen konnte, sondern auch für die Tiere, die von ihm betreut wurden. Denn der frischgebackene Pensionär sagt unumwunden: «Schweine sind meine Leidenschaft.

» Eigentlich habe er Käser gelernt. Doch das Käsen habe ihm nicht gefallen. «Ich habe nie in diesem Beruf gearbeitet», bekennt Werner Ehrbar und lächelt versonnen. Denn mit der Ausbildung zum Käser lernte er auch die Grundlagen der Schweinezucht kennen. «Das hat mich fasziniert.»

Nur mit diesem Mitarbeiter

Fünf Jahre arbeitete Werner Ehrbar schon bei einem Käser in Rothenhausen als Schweinezüchter, als er zum erstenmal den Schweinestall in Biessenhofen betrat.

Er war begeistert und hätte seine Stelle gerne gewechselt. «Doch meine Kündigungsfrist war zu lang, der Besitzer der Biessenhofer Schweinezucht wollte jemanden, der sofort kommen konnte.» Werner Ehrbar gab den Gedanken, nach Biessenhofen zu gehen, auf. Dann aber wurde Hugo Bürgi der Stall zum Kauf angeboten. Für ihn war klar: Er würde nur zugreifen, wenn er mit Werner Ehrbar handelseinig würde. Und so kam der begeisterte Schweinezüchter doch noch nach Biessenhofen. Seine Frau Doris freute es.

Denn sie fühlte sich mit der Familie Bürgi verbunden. Vor ihrer Heirat hatte sie im Haushalt der Familie in Biessenhofen das Haushaltlehrjahr absolviert und so war es für sie wie eine Heimkehr. Und doch: Dass sie den Ort erst nach gut 40 Jahren wieder verlassen würde, ahnte sie noch nicht.

Haus mit Pferdestall

Tatsächlich heisst es nun für das Paar bald einmal: Koffer packen. Wir bauen ein Haus in Oberaach, verrät Werner Ehrbar nicht ohne Stolz. Eigentlich sind es zwei Häuser und ein Pferdestall, die gerade im Entstehen begriffen sind.

«Unsere Tochter baut ihr Haus direkt neben unseres. Und einen Pferdestall dazu.» Für Doris und Werner Ehrbar eine glückliche Fügung. Denn so kann der Pensionär seinem Hobby «Tier» weiter nachleben. Dies wird er in mehrerlei Hinsicht tun: einmal als Pferdehalter, dann aber auch als Imker mit Bienenvölkern unter anderem in Biessenhofen.

Bienenvölker gekauft

Mit der Imkerei hat Werner Ehrbar erst vor ein paar Jahren begonnen. Damals mähte er regelmässig eine Wiese in Erlen. «Dabei haben mich immer wieder Bienen aus einem benachbarten Bienenstock gestochen», erzählt der Biessenhofer. Schliesslich habe er gedacht, wenn sie ihn schon stechen, dann könnte er sich ja selber Bienen halten. Als er erfuhr, dass die Besitzerin der Bienenstöcke einen Käufer suchte, zögerte er nicht lange. Nach einem Gespräch mit dem Schwager, der selber Imker ist, griff er zu.

«Unser Lehrer hatte Bienen», erinnert sich Werner Ehrbar. «Schon als Kind hätte ich wahnsinnig gerne gewusst, was er eigentlich im Bienenhaus treibt.» Das Bienenhaus sei aber verbotene Zone gewesen. Inzwischen weiss Werner Ehrbar längst, was im Bienenhaus passiert. Den Bienen bleibt er auch jetzt treu, da er dem Schweinestall den Rücken kehren muss.

Vieles verändert

Seit er vor 40 Jahren seine Stelle angetreten hat, hat Werner Ehrbar viele Veränderungen erlebt. Die markanteste Änderung war die Einführung der automatischen Fütterung. Er habe sich nicht vorstellen können, dass das wirklich funktioniert, blickt der Schweinezüchter zurück. Doch es hat funktioniert und der Züchter konnte beruhigt aufatmen. «Die Modernisierung hat mit sich gebracht, dass man viel näher beim Tier ist», sagt er in seiner ruhigen Art.

Die zeitaufwendigen Arbeiten wurden weniger, es blieb mehr Raum, um die Tiere zu beobachten und zu betreuen. «Wenn man den Kontakt über das Füttern nicht mehr hat, muss man auf andere Weise bei den Tieren sein», sagt Werner Ehrbar und erklärt: «Nur wenn man den Schweinen die nötige Aufmerksamkeit schenkt, merkt man, wenn etwas nicht stimmt und kann auch sofort reagieren.»

Der Chef übernimmt

Als Werner Ehrbar vor ein paar Monaten wegen gesundheitlicher Probleme kurzfristig ausfiel, hat Hansueli Bürgi, der längst das Erbe seines Vaters angetreten hat, die Betreuung der Schweine übernommen. Er habe einen sehr gut geführten Stall vorgefunden, freut sich Bürgi. «Werner Ehrbar ist ein Perfektionist. Bei ihm war immer alles tiptop in Ordnung.» Als Ablösung und als Hilfe, wenn besonders viel Arbeit anfällt, sucht Hansueli Bürgi noch einen Teilzeitmitarbeiter.