Schwarzer Tag für Gemeinderat

SALMSACH. Der Salmsacher Gemeinderat musste an der Budgetversammlung am Montagabend viel Kritik einstecken. Beim Kredit für den Bau eines neuen Betriebsgebäudes am See hatte die Behörde sogar alle anwesenden Stimmbürger gegen sich.

Markus Schoch
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Wird nicht gebaut: Neues Betriebsgebäude in der Salmsacher Bucht. (Bild: pd)

Wird nicht gebaut: Neues Betriebsgebäude in der Salmsacher Bucht. (Bild: pd)

Es war ein schwarzer Abend für den Gemeinderat. Drei Stunden dauerte die Versammlung. Und die 125 anwesenden Stimmbürger deckten die Behörde mit Vorwürfen ein.

Ganz schlecht an kam die Idee, in der Salmsacher Bucht ein neues Betriebsgebäude zu bauen. Es sollte dem Werkhof Platz bieten. Geplant waren ausserdem Garderoben für die Badegäste, Duschen und Toiletten sowie ein Kiosk und eine kleine Wirtschaft. «Es gäbe etwas Attraktives, um das uns die Nachbargemeinden beneiden würden», sagte Helg.

Zu teuer, falsches Vorgehen

Mit dieser Meinung waren er und der Gemeinderat allerdings allein auf weiter Flur. Die Versammlung verweigerte geschlossen die Zustimmung zum Bruttokredit von 850 000 Franken.

Die Kritik am Projekt war massiv. Die Kosten seien viel zu hoch, meinte einer. «Das ist Abzockerei. Am Gebäude ist gar nichts dran.» Zudem seien im Kredit die Ausgaben für den Abbruch der bestehenden Halle nicht einmal berücksichtigt. Und von den wahrscheinlich beträchtlichen Betriebskosten sei ebenfalls keine Rede.

Auch mit dem Vorgehen waren verschiedene Stimmbürger nicht einverstanden. «Das Projekt ist ein Musterbeispiel, wie man es nicht machen sollte», meinte einer. Der Gemeinderat zäume das Pferd von hinten auf, kritisierte ein anderer. Statt zuerst über eine Gesamtplanung Bedürfnisse und Möglichkeiten abzuklären, wolle die Behörde Geld ausgeben für etwas, das unter Umständen gar nicht gebraucht werde. So könne heute in der Salmsacher Bucht wegen der schlechten Wasserqualität und des starken Pflanzenwachstums oft gar nicht gebadet werden. Bevor für diese Probleme keine Lösungen auf dem Tisch liegen, mache es wenig Sinn, in die Infrastruktur zu investieren. Einigen Salmsachern wäre es sowieso am liebsten, man würde alles so belassen, wie es heute ist. «Die Bucht ist ein Platz, wo wir Ruhe haben. Und das ist ein riesiger Wert», sagte einer.

Helg versuchte zwar, die Einwände zu entkräften, indem er etwa darauf verwies, dass die Behörde mit dem Projekt nur das umsetze, was der Richtplan vorsehe. Und dank des grösseren Publikumsverkehrs die Probleme mit Vandalen vermutlich kleiner würden. Er stand aber auf verlorenem Posten.

In den sauren Apfel beissen

Schlechte Karten hatten Helg und der Gemeinderat vor allem wegen des Nachtragskredites von fast 400 000 Franken für die Sanierung und Erweiterung der Mehrzweckhalle Bergli, den die Stimmbürger vorgängig genehmigen mussten. Eine Wahl hatten sie faktisch nicht. Die Rechnungen sind bereits bezahlt. Eine Mehrheit biss denn auch in den sauren Apfel: 79 stimmten dem Kredit zu, 25 dagegen. Der Betrag reduziert sich noch um 75 000 Franken, die der Kanton beisteuert.

So etwas hätte nicht passieren dürfen, meinten verschiedene Redner. «Ihr seid alles Amateure», warf einer den Verantwortlichen vor. Ein anderer bezeichnete die Vorlage als «absolute Frechheit» angesichts des ursprünglichen Baukredites in der Höhe von knapp 1,7 Millionen Franken.

Helg machte gar nicht erst den Versuch, die Situation schön zu reden. «Wenn wir ehrlich sind, sind wir etwas blauäugig an dieses komplexe Vorhaben herangegangen», räumte er ein. «Speziell die Minergie-Bedingungen zu erfüllen, war eine gewaltige Herausforderung.» Im Nachhinein müsse er sich selber Vorwürfe machen. Nachdem Baufehler bei der Bühne bemerkt worden seien, habe er alleine entschieden, mit Hochdruck weiter zu machen. Denn ein Baustop hätte unweigerlich zu einer Verzögerung von mehr als einem halben Jahr geführt. Dieses Risiko habe er nicht eingehen wollen. «Ich spürte zu viel Druck von den Vereinen und von Seiten der Schule», sagte Helg. Rückblickend wäre es vielleicht besser gewesen, sie hätten die Lage neu analysiert, als die Sache aus dem Ruder zu laufen drohte.

Überblick verloren

Dieser Meinung war auch Baukommissions-Präsident Stefan Tinz, der offen einräumte, dass sie am Schluss in Bezug auf die Finanzen den Überblick verloren hätten. Dazu gekommen sei es aus verschiedenen Gründen: «Wir hatten einerseits Theater mit dem Kanton trotz vorgängiger Abklärungen.» Andererseits hätten die Vereine Zusatzleistungen verlangt. Zudem seien unvorhergesehene Probleme am Bau aufgetaucht.

Kurt Helg Gemeindeammann von Salmsach (Bild: Reto Martin)

Kurt Helg Gemeindeammann von Salmsach (Bild: Reto Martin)

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