Schulgemeinde hat ein Problem

SCHÖNENBERG. Jacqueline Gasser tritt Ende Juli aus der Behörde der Primarschulgemeinde Schönenberg-Kradolf zurück, um neue Schulleiterin zu werden. Die Ersatzwahl findet in vier Wochen statt, Kandidaten gibt es bisher aber keine.

Georg Stelzner
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Präsidentin Jacqueline Humbel vor dem Aktenschrank im Schönenberger Schulbüro. (Bild: Georg Stelzner)

Präsidentin Jacqueline Humbel vor dem Aktenschrank im Schönenberger Schulbüro. (Bild: Georg Stelzner)

Die Lösung eines Problems hat der Primarschulgemeinde Schönenberg-Kradolf umgehend ein neues beschert. Als Nachfolgerin von Schulleiterin Ursula Brunner, die im Sommer 2015 zurücktreten wird, wählte die Schulbehörde Jacqueline Gasser und damit jemanden aus den eigenen Reihen. Das ist zulässig, sofern die betreffende Person die Behörde verlässt. So unkompliziert es war, die Schulleitung neu zu besetzen, so beschwerlich gestaltet sich nun aber die Vergabe des freiwerdenden Sitzes in der Schulbehörde.

Exponierte Funktion

«Es gab nur zwei unverbindliche Anfragen, und dies erst Mitte Januar, als die Frist für offizielle Bewerbungen bereits abgelaufen war», stellt Jacqueline Humbel, Präsidentin der Schulbehörde Schönenberg-Kradolf, ernüchtert fest. Sie habe die beiden Personen für weitere Informationen auf die Homepage des Verbandes Thurgauer Schulgemeinden (VTGS) verwiesen. Seither habe sie von diesen Leuten aber nichts mehr gehört.

Humbel geht nicht davon aus, dass es ortsspezifische Gründe für das fehlende Interesse an der Mitarbeit in der Schulbehörde gibt. Vielmehr vermutet sie, dass die Bereitschaft, sich in der Öffentlichkeit zu exponieren, im allgemeinen stark nachgelassen hat. Lorbeeren seien kaum zu ernten, hingegen werde man als Behördenmitglied mit Kritik wesentlich öfter und in schärferer Form konfrontiert als früher. Die Präsidentin glaubt noch einen weiteren Grund zu kennen: «Für ein solches Amt stellen sich die meisten lieber nicht selber auf; sie wollen angefragt werden.»

Hier kommt die Findungskommission ins Spiel, die in Kradolf-Schönenberg de facto die Funktion der Interpartei übernommen hat und bei der Suche nach Kandidaten auch schon erfolgreich war. So kam etwa die einstige Kandidatur Jacqueline Humbels für das Schulpräsidium erst dank der Bemühungen der Findungskommission zustande.

Erich Stübi, Präsident dieses Gremiums, bestätigt den Kontakt mit der Schulbehörde Schönenberg-Kradolf. Den Umstand, dass die Findungskommission diesmal nicht aktiv geworden ist, begründet Stübi so: «Ich vertrete die Ansicht, dass die Mitglieder der Schulbehörde aufgrund ihrer persönlichen Kontakte zu Eltern ungleich grössere Chancen haben sollten, geeignete Kandidaten zu finden, und habe deshalb der Präsidentin empfohlen, diesen Weg zu beschreiten.»

Die Zeit wird knapp

Den Ratschlag Stübis wollte Jacqueline Humbel jedoch nicht befolgen. Sie hält ihn für problematisch. «Ich bin ganz klar der Meinung, dass es nicht die Aufgabe einer Behörde sein kann, ihre eigenen Mitglieder zu rekrutieren», führt die Präsidentin aus. Eine Behörde solle ein Abbild der Bevölkerung sein.

Nichtsdestotrotz hofft Humbel, dass sich doch noch ein qualifizierter Kandidat für den freien Sitz in der Schulbehörde meldet. Als Anforderungen nennt sie buchhalterisches Verständnis, Flexibilität, Verschwiegenheit und gute Umgangsformen. Im Durchschnitt treffe sich die Behörde zu einer Sitzung pro Monat. Interessierten Personen rät Humbel, die Öffentlichkeit möglichst bald und umfassend über eine allfällige Kandidatur zu informieren. Der erste Wahlgang findet am 8. März statt.

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