Schule wie vor 175 Jahren

ERMATINGEN. Disziplin, Zucht und Ordnung hiessen gestern die Zauberworte in der Primarschule Ermatingen. Die Kinder und ihre Lehrer tauchten für einen Tag ins Jahr 1833 ab. Das Jubiläumsjahr wird zum Jahresthema gemacht.

Maya Mussilier
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Primarschule anno dazumal – gestern in Ermatingen. (Bilder: Donato Caspari)

Primarschule anno dazumal – gestern in Ermatingen. (Bilder: Donato Caspari)

Nichts war gestern alltäglich in der Primarschule Ermatingen. Fast schon Seltenheits- charakter hatte allein der verschneite Pausenhof. Und auch die Kinder sowie die Lehrkräfte, die sich um 8.15 Uhr vor dem Schulhaus trafen, boten ein ungewohntes Bild: Mädchen und Frauen in Röcken und Strumpfhosen, Buben und Männer mit Hüten und Gilets.

Mit der Zeitmaschine um 175 Jahre zurückgedreht wurde dann die Zeit, bevor Schulleiterin Sonja Boppart zur Begrüssung ans Rednerpult trat.

Ein Recht auf Schulbildung

«Wir schreiben das Jahr 1833», liess die «Direktorin» verlauten. «Ein Gott gesegnetes Grüezi an die Herren Lehrer und die Fräulein Lehrerinnen sowie an alle unsere Zöglinge.» Jetzt sei es so weit; der Grosse Rat habe beschlossen, dass die Jugend ein Recht darauf habe, die Schule zu besuchen. Klar sei der Auftrag für die Schule, die Kinder zu «sittlichen, guten und religiösen Menschen zu bilden».

Nach dem Loblied an die Regierung – dem Thurgauerlied – wurden die Kinder in ihre Klassen entlassen. Schön geordnet in Zweierreihen und ohne zu plaudern, trippelte jede Klasse hinter ihrer Lehrperson in die «hoffentlich gut aufgeheizten Schulstuben». Nicht ohne Zucht und Ordnung zu vergessen, wie Sonja Boppart noch einmal ermahnte.

Schiefertafeln und Stock

Interessiert begutachtete Klassenlehrer Röbi Kreis die goldene Taschenuhr, die einer seiner Schüler aus dem Gilet gezogen hat. «Habt ihr eure Schiefertafeln dabei?» Grosse Augen bekamen die Erst- und Zweitklässler, als Röbi Kreis vormachte, wie früher ein Lehrer mit seinem Stock auf die Tische schlug, um die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich zu ziehen. Die Schulhausregeln standen am Anfang dieses Tages bei der 5./6. Klasse von Lukas Jäger im Mittelpunkt.

Für Frechheit aufs Holzscheit

Danach ging es für die Mädchen ins Textile Werken, während sich die Buben beim Sport austobten. Harte Sitten herrschten im Mittelstufen-Klassenzimmer von Cornel Bingesser. Jedes Kind lernte die Schandecke kennen und wer zu frech wurde, musste für einen Moment aufs Holzscheit knien.

Ein Jahresthema

Die Grundidee sei bereits bei der Jahresplanung entstanden, erklärt Schulleiterin Sonja Boppart. Weil die Volksschule in diesem Jahr ihr 175-Jahr-Jubiläum feiert, hätten sie sich entschlossen, ein Jahresthema daraus zu machen. Nach den Herbstferien ist die Primarschule ins «Gestern-Quartal» gestartet. Dieser Montag wurde als Projekttag auserkoren.

Bereits in der letzten Woche wurden die Kinder auf die bevorstehenden Ereignisse vorbereitet. So haben sich die Lehrkräfte jeden Tag mehr verkleidet. Was die Schulleiterin freut: Die meisten Kleider stammen aus Ermatingen und wurden zur Verfügung gestellt. «Am Donnerstag gab es bereits erste Schüler, die mit Kleidern anno dazumal auftauchten», erzählt sie. «Bis am Freitag hatten nahezu alle Mädchen ihre Haare zu Zöpfen geflochten.»

Alte Schrift geübt

Mit dem Projekttag ist das «Gestern-Quartal» noch nicht abgeschlossen. Es wird immer wieder verschiedene Sequenzen geben. So wird beispielsweise die alte Schrift weiter geübt. Nach den Sportferien werden Schüler in das «Heute-Quartal» wechseln. Nach den Frühlingsferien startet das «Morgen-Quartal», in welchem es dann futuristisch zugehen wird.

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