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Schule warnt vor «Kinderschreck»

Geräte, die Katzen vertreiben sollen, können für Erwachsene und Kinder gefährlich sein. Die Primarschule Romanshorn warnt ihre Schüler vor diesen Apparaten, die Töne in einer bestimmten Frequenz aussenden. Ist diese zu tief eingestellt, kann sie Hörschäden verursachen.
Inge Staub
Manche Geräte verscheuchen nicht nur Katzen, sondern auch Kinder oder Hunde. (Bild: Illustration: sgt/Marion Oberhänsli)

Manche Geräte verscheuchen nicht nur Katzen, sondern auch Kinder oder Hunde. (Bild: Illustration: sgt/Marion Oberhänsli)

ROMANSHORN. «Sobald ich aus dem Haus gehe, halte ich mir die Ohren zu.» Dies erzählte ein Mädchen der Mittelstufe im Unterricht an der Primarschule Romanshorn. Das Mädchen nahm an einem Workshop zum Thema Akustik teil, an dem auch über Geräte wie den Katzenschreck gesprochen wurde. Eine Reihe von Kindern schloss sich der Aussage der Schülerin an. Sie sagten, dass sie die Töne dieser Apparate, die Katzen verscheuchen sollen, hören und sie diese Töne nicht mögen.

Knalltrauma möglich

In einem TZ-Artikel empfahl ein Katzenfreund aus Salmsach Menschen, die keine Katzen mögen, einen Katzenschreck im Garten aufzustellen. Diese Geräte senden auf einer bestimmten Frequenz Töne. Diese sind für die Tiere unangenehm, so dass sie einen grossen Bogen um das Areal machen, auf dem das Gerät steht. Hanspeter Heeb, Präsident der Primarschule Romanshorn, ist über diesen Ratschlag entsetzt: «Diese Geräte sind gefährlich. Sie können ein Knalltrauma oder chronischen Tinnitus verursachen.» Von einem Knalltrauma spricht man, wenn die Einwirkung eines sehr hohen Schalldrucks auf das Ohr zu einer Schädigung des Innenohres führt. Hanspeter Heeb ist besorgt. Er befürchtet, dass Kinder zu Schaden kommen könnten.

Mit Wucht aufs Ohr

Markus Scheuner ist Lehrer an der Primarschule Romanshorn. Er hat am eigenen Leib erfahren, wie gefährlich ein Katzenschreck für das menschliche Ohr sein kann. Ein Nachbar hatte circa 25 Meter von Scheuners Sitzplatz im Garten entfernt ein solches Gerät aufgestellt. Gestört durch einen aufdringlichen Ton verliess Scheuner seinen Sitzplatz. Ohne das Geräusch eindeutig lokalisieren zu können, begab er sich auf die Strasse. «Sofort wurde ich vom Erfassungsradar erkannt, und eine Schallkanone traf frontal mit voller Wucht auf mein linkes Ohr. Ein Stich, wie mit einer Nadel, schoss durch mein Ohr», erzählt Markus Scheuner. Der Ohrenarzt diagnostizierte ein Knalltrauma.

Das war im Juni 2007. Seither ist das Leben von Markus Scheuner nicht mehr dasselbe: Er leidet unter einem starken Dauerpfeifton und einer Geräuschüberempfindlichkeit. «Dieser Dauerton lässt eine Erholung kaum zu und beeinträchtigt mich in meiner Tätigkeit als Lehrer», klagt der 52-Jährige. «Für mich war das ein schlimmer Einschnitt.» Er suchte mehrere Therapeuten auf. Für die Kosten in Höhe von mehreren tausend Franken musste er selbst aufkommen. Weder die Suva noch eine andere Versicherung fühlte sich zuständig.

Seine Recherchen ergaben, dass das besagte Gerät Töne mit 120 Dezibel und acht Kilohertz sendet. Zum Vergleich: Laut der Suva liegt der Grenzwert für Lärm am Arbeitsplatz bei 85 Dezibel.

Kann das Ohr schädigen

Die Geräte zum Verscheuchen von Katzen und Mardern seien zum Teil sehr laut. «Ein sehr lauter Ton kann das Ohr bleibend schädigen», bestätigt Martin Kompis, Professor und Leitender Arzt am Inselspital in Bern. Andreas Schapowal, Präsident der Schweizerischen Tinnitus-Liga, sagt, dass die Geräte zu Hörschäden führen können, wenn sie falsch eingestellt seien. «Die Schalldruckwellen können die Haarzellen im Innenohr schädigen und zum Hörverlust führen.» Die Geräte, so Schapowal, sollten jenseits des durch den Menschen hörbaren Bereichs, also höher als 25 Kilohertz, eingestellt sein.

Die meisten Erwachsenen hören Töne über 20 Kilohertz nicht mehr. Doch gibt es Ausnahmen. So hören Kinder und Jugendliche hohe Frequenzen besser, teilweise hören sie auch Töne über 20 Kilohertz.

Sowohl Martin Kompis als auch Andreas Schapowal behandeln selten Patienten, die sie wegen Problemen nach Kontakt mit einem Katzenschreck aufsuchen. Schapowal berichtet von einem Mann, der einen Hörschaden erlitt, als er die Frequenz des Gerätes, mit welchem er sein Auto gegen einen Marder schützen wollte, zu tief eingestellt hatte. Auch sind dem Hals- Nasen-Ohrenarzt aus Landquart Fälle bekannt, in denen Personen die Frequenzen absichtlich zu tief einstellten, um Kinder und Jugendliche zu verjagen.

Bundesamt: Störung erheblich

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) stuft die Störung durch Katzen- oder Marderschrecks als «erheblich» ein. Auch deshalb, weil man damit rechnen müsse, dass Kleinkinder oder Schwangere diesen Tönen ausgesetzt sind. Das Bafu verweist auf eine Untersuchung der Suva, die zeigt, dass diese Geräte sehr laut sind und zum Teil klar in hörbaren Bereichen (8 kHz, 16 kHz) abstrahlen, was «für viele gut Hörende schnell schmerzhaft oder unangenehm wird».

Geräte abschalten

Das Bafu fordert die Besitzer dieser Geräte auf, die Frequenz über 20 Kilohertz einzustellen und sie so auszurichten, dass die Töne die Nachbarn nicht tangieren. Sollte dies nicht möglich sein, müsse der Katzenschreck abgeschaltet werden.

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