Schulbehörde und Lehrer begingen den Schulschluss

KREUZLINGEN. Von einem interessanten Job mit viel Frei- und Gestaltungsraum sprach Schulpräsident Jürg Schenkel am Examenessen. Damit brach er mehr als nur eine Lanze für den Lehrerberuf.

Kurt Peter
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Sechs Lehrkräfte wurden pensioniert: (o. v. l.) Elisabeth Lippuner, Martin Richard, Hannes Eiden, (u. v. l.) Ursula Lüdi, Susi Bollinger, Carola Schaad. (Bild: Kurt Peter)

Sechs Lehrkräfte wurden pensioniert: (o. v. l.) Elisabeth Lippuner, Martin Richard, Hannes Eiden, (u. v. l.) Ursula Lüdi, Susi Bollinger, Carola Schaad. (Bild: Kurt Peter)

KREUZLINGEN. Im Kultur- und Sportzentrum feierte die Schulgemeinde Kreuzlingen am Freitag ihren Jahresschluss mit dem Examenessen. Präsident Jürg Schenkel blickte dabei mit den Lehrpersonen und den Behörden auf «40 Schulwochen zurück, mit Ereignissen, die erfreuten, und solchen, die hin und wieder auch erzürnten». Ihm ging es in seiner Ansprache um das derzeit vieldiskutierte Image der Lehrkräfte, und er fragte sich, ob es denn wirklich so viel schlechter sei als früher. Die Anforderungen seien gestiegen, und das neuzeitliche, gesellschaftliche Umfeld unmittelbar in der Schule spürbar. Für Schenkel eine Herausforderung, die auch seine Reize haben kann, wenn man sich ihr stellt. Trotz Widrigkeiten, die der Beruf mit sich bringe, sei es falsch, in Selbstmitleid zu verfallen und sich einzureden, dass man viel mehr arbeiten müsse als in anderen Berufen und zudem bei geringerem Lohn.

Schule hat hohen Stellenwert

Der Schulpräsident vertrat die Meinung, dass «der Lehrerberuf nach wie vor ein interessanter Job ist, mit viel Frei- und Gestaltungsspielraum». Wer den Job möge und sich dazu berufen fühle, werde auch heute noch mehr Vor- als Nachteile entdecken, auch wenn im Kanton Zürich die Löhne brutto etwas höher seien. «Dafür stehen Sie bei uns nicht im Stau.»

Wer sich nicht berufen fühle, müsse sich in der Tat anders orientieren. Beispielsweise in der freien Wirtschaft, wo mit höheren Einsätzen gespielt werde und der menschliche Faktor eine etwas untergeordnete Rolle spiele. Wo man echte Karriere machen könne, die finanziell nach oben fast unbeschränkt sei. Eine Karriere, in der Titel mit Statussymbolen verbunden seien. Für Jürg Schenkel muss jeder für sich selbst entscheiden, ob diese Ziele wirklich so erstrebenswert sind.

Werbung für den Lehrerberuf

Dies im Wissen, dass nur wenige die Spitze erreichten und der Preis dafür auch sein könne, dass ein Leben lang um einen Fensterplatz gekämpft wurde, um festzustellen, «dass, wenn man diesen Platz erreicht hat, die Sonne untergeht». Sollte er den Eindruck erweckt haben, dass er für den Lehrerberuf werbe, stimme er widerspruchslos zu, so der Schulpräsident. Lehrer und Behörden tragen seiner Meinung nach dazu bei, dass der hohe Stellenwert der Schule erhalten bleibe. Wahrgenommen werde die Schule als Organisation, welche die Weiterentwicklung der Bildung befürworte, sich aber dagegen wehre, wenn Vorstösse aus Politik und Wirtschaft oder den Erziehungswissenschaften mehr der eigenen Positionierung dienten als dem Wohl der Schule. «Alles hat seinen Preis», so Jürg Schenkel abschliessend, «nur eines kann man sich nicht leisten: auf die Bildung verzichten.»

Am Freitagabend wurde Susanna Sauter, die vor zehn Jahren in die Schulbehörde gewählt wurde, verabschiedet. Ausserdem wurden sechs verdiente Lehrkräfte pensioniert und mit viel Applaus aus dem Dienst entlassen.