Schöpfer des Thurgauermarsches

ARBON. Ein Verein, der 125 Jahre überlebt, hat sicher einen Grund zum Feiern. Das sagt Heinz Herzog, der als Nichtmusiker die Stadtmusik Arbon präsidiert. Am Wochenende spielt sie zum Jubiläum. Eine prägende Figur war Heinrich Steinbeck.

Max Eichenberger
Drucken
Teilen
Die Stadtmusik Arbon mit Dirigent Thomas Gmünder bei der Neujahrsbegrüssung. In den Seeparksaal kehrt das Corps am Wochenende zurück. (Bild: Max Eichenberger)

Die Stadtmusik Arbon mit Dirigent Thomas Gmünder bei der Neujahrsbegrüssung. In den Seeparksaal kehrt das Corps am Wochenende zurück. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Der alt Stadtrat und langjährige Kantonsrat Heinz Herzog weiss seine Kontakte spielen zu lassen. Auch dafür, dass viele Freunde der Stadtmusik zu den Unterhaltungskonzerten pilgern. Nicht nur die lange Tradition ist mit dem Corps verbunden, das mit sechs Musikern samt Dirigent 1888 gegründet worden war: Es sind vor allem auch die klangvollen Namen.

Steinbeck als Glücksfall

Keiner hat den Ruf der Stadtmusik Arbon so geprägt wie Heinrich Steinbeck. Die Ära seiner Dirigentschaft (1912–1957) bestimmte mehr als ein Drittel der Vereinsgeschichte. Berufungen hätte er viele gehabt, doch blieb Steinbeck seinem Stammcorps treu, obwohl er zeitweilig noch sechs weitere Musikgesellschaften leitete, darunter Romanshorn, Steinach, Uttwil und Sulgen. Der aus Hannover stammende Steinbeck war nicht nur Dirigent, sondern auch ein weltweit bekannter Komponist, dessen Werke heute noch oft gespielt werden. Damit klingt der Name der Stadt Arbon mit. Der Musiker durch und durch dirigierte auch den Orchesterverein und den Arbeitermännerchor.

Ohne Kasernenstrenge

Im zarten Alter von 13 Jahren hatte sich Steinbeck bereits im Komponieren von Märschen versucht. Arbon und seine Lage, der Bodensee, inspirierten ihn. Die Liste seiner Werke für Blasorchester ist lang: Sein wohl bekanntestes ist der Thurgauermarsch. «Die Musik von Steinbeck ist unproblematisch, einfach in der Melodie und in der Harmonie; deutsch in ihrem Schneid und in ihrer Straffheit, aber ohne die Strenge der Kaserne», charakterisierte sie einst der Amriswiler Schriftsteller Dino Larese. Die ersten Nachfolger hatten es schwer, aus Steinbecks Schatten zu treten. Es kam auch zu Trennungen, die nicht ganz in Minne verliefen. Manche Gastspiele waren kurz, und die musikalische Ausrichtung wiederholt ein Diskussionsthema.

Mit 22 Jahren der Chef

Seit elf Jahren herrscht Konstanz: Gerade mal 22jährig hatte damals Thomas Gmünder die musikalische Leitung der Stadtmusik übernommen. Ihm gelang nicht nur die Verständigung der Generationen, er brachte mit neuen Ideen auch neuen Schwung – und den Erfolg zurück. So glänzte die Stadtmusik zuletzt am Eidgenössischen Musikfest in St. Gallen und zuvor am Kantonalmusikfest in Weinfelden. Gmünders Aufbauarbeit geht weiter. Den Bestand an Aktiven zu erhöhen, bleibt für Heinz Herzog noch ein Ziel. Dafür kümmert sich der Verein verstärkt um eigenen Nachwuchs.

Jubiläumsunterhaltungskonzerte im Seeparksaal Arbon: Samstag, 19. Oktober, 20.00 (Apéro ab 18.00); Sonntag, 20. Oktober, 14.00.

Heinrich Steinbeck Musikalischer Leiter 1922–1957 (Bild: pd)

Heinrich Steinbeck Musikalischer Leiter 1922–1957 (Bild: pd)

Aktuelle Nachrichten