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Schönheitschirurg hilft in Afrika

Volker Wedler, Leitender Arzt am Kantonsspital Frauenfeld, reist regelmässig nach Burkina Faso, um dort Kinder und Erwachsene zu operieren, die nach einer Krankheit oder einem Unfall entstellt sind. Bei diesen Einsätzen gehen er und sein Team hohe Risiken ein.
Inge Staub
Der Chirurg Volker Wedler (Mitte) untersucht ein Kind in einem Spital in Burkina Faso. (Bild: pd)

Der Chirurg Volker Wedler (Mitte) untersucht ein Kind in einem Spital in Burkina Faso. (Bild: pd)

BOTTIGHOFEN. Normalerweise steht er in Frauenfeld, Münsterlingen oder der Klinik Bellevue im OP. In den Thurgauer Spitälern sorgt Volker Wedler dafür, dass Unfallopfer wieder gut aussehen, aber auch dass gesunde Körper mit strafferer Haut und weniger Falten schöner werden. Doch mehrmals im Jahr operiert der Schönheitschirurg in Afrika.

In wenigen Tagen ist es wieder soweit. Im Januar macht sich der Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie auf den Weg nach Burkina Faso. Der westafrikanische Staat gehört zu den sieben ärmsten Ländern der Welt.

Drei Patienten warten

Begleitet wird Volker Wedler auf dem fünftägigen Einsatz von einem weiteren Chirurgen, einer OP-Schwester, einer Medizinisch-technischen Assistentin und einem Anästhesisten. Das Team wird Medikamente und chirurgische Instrumente mitnehmen. «Es warten drei Patienten auf mich», erzählt der Chirurg. Er wird ein Mädchen operieren, dessen Bein seit einem Schlangenbiss verkrümmt ist. Ein anderer Patient hat einen Tumor im Kopf, und der dritte leidet an Noma. Bei dieser Krankheit handelt es sich um eine bösartige Entzündung des Zahnfleisches, die unbehandelt grosse Gesichtsdefekte nach sich ziehen kann. Es sind fast ausschliesslich Kinder zwischen zwei und sechs Jahren betroffen.

Ebola ganz in der Nähe

Weshalb operiert ein Chirurg, der sich vornehmlich um die Schönheit von gutsituierten Europäern kümmert, in Afrika die Ärmsten der Armen? Nur Schönheitsoperationen durchführen, das wolle er nicht. «Es ist unglaublich abwechslungsreich, beides zu machen», sagt Volker Wedler. Der Arzt betont: «Wir können in Afrika mit kleinen Operationen viel bewirken.» Es sei einfacher, in Burkina Faso anzukommen, als zurück in der Schweiz wieder im Alltag Fuss zu fassen. «Dort hat jeder seine Aufgabe. Man steht nicht so unter Druck wie zu Hause.»

Erhält Volker Wedler eine Anfrage einer Hilfsorganisation, versucht er, sich freizuschaufeln. Seine Partnerin und seine Kinder hätten Verständnis dafür, dass er immer wieder im Ausland arbeite. Wedler, der in Bottighofen wohnt, geht mit seinen Einsätzen ein hohes Risiko ein. In Burkina Faso arbeitet er in Quahigouya. Der Ort ist etwa 30 Kilometer von der Grenze zu Mali entfernt. Dort besteht die Gefahr, von Rebellengruppen oder islamischen Terroristen entführt zu werden. Auch ist Mali von der Ebola-Viruskrankheit betroffen. «Ich habe keine Angst», sagt Volker Wedler. Gegen Ebola könne man sich schützen.

Als der 48-Jährige Ende Oktober in Burkina Faso operierte, gab es im ganzen Land Unruhen, die dazu führten, dass der Präsident gestürzt wurde. Die Stimmung im Land sei seither gut. Die derzeitigen Veränderungen seien für die Bevölkerung ein Lichtblick nach 27 Jahren Hunger und Elend.

Rotary Club gab Geld

Die Schweizer Chirurgen arbeiten in Quahigouva in den Operationssälen eines Kinderspitals, welches mit Mitteln von Schweizer und französischen Hilfsorganisationen gebaut wurde. Der zehntägige Einsatz im Oktober begann mit Sprechstunden. Die Ärzte legten von jedem Patienten eine Dokumentation an und entschieden, welche Patienten sie sofort operieren und welche bis zum nächsten Einsatz warten müssen. Von den 89 Patienten, die auf Hilfe hofften, wurden 45 operiert.

Volker Wedler hilft in Burkina Faso im Auftrag von Interplast Switzerland. Ziel des Gemeinnützigen Vereins ist es, Menschen in Entwicklungsländern durch chirurgische Eingriffe zu einer besseren Lebensqualität zu verhelfen. Der Verein finanziert sich über Spenden. Der Einsatz des Schweizer Teams Ende Oktober wurde durch eine Spende des Rotary Clubs Appenzell möglich.

Ab kommendem Jahr hat Volker Wedler mehr Zeit für humanitäre Einsätze. Der Leitende Arzt verlässt die Thurgauer Kantonsspitäler und arbeitet künftig selbständig. Wedler eröffnet eine Praxis im Spital Bethanien in Zürich.

www.interplast-switzerland.ch

Volker Wedler operiert einen afrikanischen Patienten. (Bild: pd)

Volker Wedler operiert einen afrikanischen Patienten. (Bild: pd)

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