SCHÖNENBERG: Von drei Bächen droht Gefahr

Der Gemeinderat stellte Hochwasserschutzprojekte vor. Die Informationsveranstaltung stiess bei den Einwohnern auf grosses Interesse. Vielen steckt das Unwetter vom Juni 2015 noch in den Knochen.

Hannelore Bruderer
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Heinz Keller, Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg, holt Meinungen von Veranstaltungsbesuchern ein. (Bild: Georg Stelzner)

Heinz Keller, Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg, holt Meinungen von Veranstaltungsbesuchern ein. (Bild: Georg Stelzner)

Hannelore Bruderer
bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Rund 90 Personen nahmen am Dienstagabend am Infoanlass über die Hochwasserschutzmassnahmen in Kradolf-Schönenberg teil. Nach dem Unwetter vom 15. Juni 2015 sei man nun bereit, vier Projekte anzugehen, damit Kradolf künftig auch bei einem Unwetter in der Grössenordnung eines 100-jährlichen Ereignisses keine grösseren Schäden mehr davontragen sollte, sagte Gemeindepräsident Heinz Keller.

Begonnen wurde mit dem Tülebach. Während der Aufräumarbeiten im Tobel kam das Ausmass der Schäden an Betonschwellen und Hängen zum Vorschein. Nun sollen die Schwellen entlang des ganzen Baches saniert werden. Damit wird erreicht, dass das Wasser langsamer fliesst und die Bachsohle weniger erodiert.

Da der Wasserdurchlass bei der Firma Preisig genügend gross ist, bleibt er so bestehen. Damit der Einlass nicht mehr verstopft, wird ein optimierter Rechen angebracht. Ferner wird der vorgelagerte Kiesfang neu ausgebildet. Da eine flächendeckende Abdeckung der Böschungen unverhältnismässig wäre, haben sich die Projektverantwortlichen entschieden, einen Geschieberückhalt mit Ringnetzbarriere einzubauen. Das Ringnetz wird in rund drei Metern Höhe über dem Bachbett angebracht, so dass das Wasser ungehindert unten durchfliessen kann.

Gemeinderat arbeitet mit Feuerwehr zusammen
Als problematisch hat sich die Zufahrt zum Tülebach durch die Fahrzeughalle der Preisig AG erwiesen. Pläne für eine separate Zufahrt seien geprüft, aber für den Moment aus Kostengründen wieder verworfen worden, erklärte der Gemeindepräsident. Auf dem Land hinter dem Gebäude ist vorsorglich ein Bauverbot erlassen worden, so dass eine Zufahrtsstrasse zu einem späteren Zeitpunkt gebaut werden könnte. Ein Einwohner wollte wissen, ob bei einer bedrohlichen Wetterlage auch ein Plan zur Überwachung des Geländes bestünde. «Der Gemeinderat wird mit der Feuerwehr ein Konzept zur Überwachung erarbeiten», sagte Keller. «Bereits jetzt wird der Kiesfang von den Werkhofmitarbeitern regelmässig kontrolliert.»

Mit der Sanierung des unteren Teils des Bitzibachs hatte die Gemeinde bereits vor dem Unwetter begonnen. Nun wird der Hochwasserschutz nochmals verbessert. Der Bitzibach führt weniger Wasser als der Tülebach, er fliesst aber auf einer Länge von 300 m über 22 Betonschwellen rund 50 m in die Tiefe. «Wir wollen das Geschiebe oberhalb des bebauten Gebietes auffangen», sagte Ingenieur René Ruchti. Erreicht werden soll dies mit einem Kiesfang auf der Höhe Brücke Hoferweg. Um die Erosion der Ufer zu verhindern, werden sie mit Betonsteinen gesichert.

Ein besonderes Augenmerk gilt den Dämmen
Namenlos, da fast ein Rinnsal, ist der Bach bei der Reithalle in Kradolf. Durch sein grosses Einzugsgebiet kann er bei Starkregen kräftig ansteigen. Um die Gebäude besser zu schützen, werden im Bach Forstschwellen eingebaut. Der Damm im oberen Bereich wird verlängert, jener bei der Eindolung, der von Anstössern erbaut wurde, wird noch optimiert. Zudem wird das Gerinne im unteren Bachlauf wiederhergestellt. Zudem werden neue Fein- und Grobrechen eingesetzt.

Das vierte Projekt betrifft das Gebiet Quellenstrasse und Bellevue. Dort verursachen grössere Mengen von Oberflächenwasser Überschwemmungen. Durch das Umleiten von Drainagen soll das Wasser eine andere Richtung einschlagen und über Landwirtschaftsland abgeleitet werden. Bei der Quellenstrasse soll der heutige Damm erweitert werden. Droht Hochwasser, werden die Liegenschaften zusätzlich durch mobile Schutzmassnahmen wie Sandsäcke gesichert.

Der Gemeinderat rechnet damit, dass die öffentliche Auflage und die anschliessende Ausschreibung der Arbeiten im kommenden Sommer erfolgen können. Baubeginn wäre dann noch im Verlaufe dieses Jahres im Herbst oder Winter.