SCHÖNENBERG: Unterschiedliche Standpunkte

Im Februar entscheiden die Stimmbürger der Primarschulgemeinden Schönenberg-Kradolf, Götighofen und Sulgen über die Bildung einer Volksschulgemeinde. Eine einheitliche Meinung gibt es nicht.

Hannelore Bruderer
Drucken
Teilen
Am gleichen Tisch, aber nicht gleicher Ansicht: Ernst Baumann, Schulpräsident Schönenberg-Kradolf, Ernst Ritzi, Schulpräsident Sulgen, Sandra Husistein, Mitglied der Sekundarschulbehörde Sulgen, und Thomas Müller, Schulpräsident Götighofen. (Bild: Hannelore Bruderer)

Am gleichen Tisch, aber nicht gleicher Ansicht: Ernst Baumann, Schulpräsident Schönenberg-Kradolf, Ernst Ritzi, Schulpräsident Sulgen, Sandra Husistein, Mitglied der Sekundarschulbehörde Sulgen, und Thomas Müller, Schulpräsident Götighofen. (Bild: Hannelore Bruderer)

Hannelore Bruderer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Diese Woche haben die Verantwortlichen der Primarschulgemeinden Schönenberg-Kradolf, Götighofen und Sulgen sowie der Sekundarschulgemeinde Sulgen zur Medienkonferenz ins Schulhaus von Schönenberg eingeladen. Grund dafür war die Bekanntgabe der Empfehlungen für die Abstimmung vom 7. Februar über einen Zusammenschluss zur Volksschulgemeinde (VSG).

Auch nach Ausarbeitung des Projekts, das der Bevölkerung am 22. November anlässlich eines Informationsabends im Auholzsaal in Sulgen präsentiert worden ist, zeichnet sich das gleiche Bild ab wie bereits im März dieses Jahres. Während die Behörden der Primarschulgemeinden Schönenberg-Kradolf und der Sekundarschule Sulgen für eine gemeinsame Zukunft sind, wollen die Behörden der Primarschulen Götighofen und Sulgen lieber selbständig weiterfahren.

Besteht überhaupt ein Handlungsbedarf ?

Ernst Ritzi, Präsident der Primarschulgemeinde Sulgen, argumentiert, dass die PG Sulgen bereits professionell und effizient ar­beite. Mit Basisstufe und Kleinklassen werde eine pädagogische Vielfalt gelebt, die beibehalten werden solle. «Bei keiner der vier Schulgemeinden ist ein dringender Handlungsbedarf vorhanden. Alle arbeiten gut», sagt Ritzi. «Es braucht also auch keine Zu­stimmung zu einem Zusammenschluss aus Solidaritätsgründen.»

«Wir denken, dass eine Volksschulgemeinde in unserer Region Sinn macht», sagt hingegen Ernst Baumann von der PG Schönenberg-Kradolf. Genauso wie die Behörde der PG Sulgen, hätten auch sie die wichtigsten Punkte aus der Botschaft für eine VSG analysiert und mit ihrer ­Situation verglichen. «Es ist eine Interpretationssache. Wir sehen die Möglichkeiten, die eine Volksschulgemeinde bietet, positiv, und nicht negativ.» Baumann gibt zu bedenken, dass die Führung der Schule durch die wachsenden Vorgaben des Kantons komplexer wird und deshalb auch die Anforderungen an Behörde und Personal steigen. «Wo wir heute für vier Gemeinden vier geschulte Fachkräfte brauchen, würde bei einer Volksschulgemeinde eine Fachkraft genügen.»

Götighofen, der kleinsten der vier Schulgemeinden, würden nur Nachteile durch einen Zusammenschluss erwachsen, begründet Schulpräsident Thomas Müller den Entscheid seiner Behörde. Der tiefe Steuerfuss, den sich die Schulgemeinde Götighofen durch Sondereinnahmen von Vermietungen im alten Schulhaus und aus Baulandverkauf leisten könne, wäre nicht mehr zu halten. Nebst den finanziellen Aspekten wertet die Schulbehörde auch ihre pädagogische Vielfalt hoch und sieht diese durch eine VSG in Gefahr.

«Götighofen hat mit seinem Schulmodell andere Bedürfnisse bezüglich Lehrmitteln und Weiterbildung seiner Lehrkräfte», betont Müller. Synergien könnten da keine genutzt werden. «Wir haben auch bereits genügend Kandidaten, so dass die Schulbehörde die nächste Legislatur wieder vollständig antreten kann», erklärt Müller, der sein Amt im nächsten Jahr niederlegen wird. «Für uns ist eine eigene Verwaltung und Behörde keine Belastung, sondern ein Privileg.»

Behörden laden im Januar zu Infoanlässen ein

In der Sekundarschule Befang in Sulgen werden Kinder aus allen drei Primarschulen unterrichtet. Die Sekundarschulbehörde sieht in der Gründung einer Volksschulgemeinde mehr Vor- als Nachteile. «Uns erscheint es sinnvoll, dass ein Kind elf Jahre lang das gleiche Schulsystem durchläuft», führt Behördenmitglied Sandra Husistein aus. Mit einer einheitlichen Schule könnten zudem die Ressourcen und Kompetenzen im administrativen sowie im pädagogischen ­Bereich besser genutzt werden. «Mit einer Volksschulgemeinde haben wir auch in schulpolitischen Diskussionen gegen aussen mehr Gewicht», ist Husi­stein überzeugt. Auch wenn keine der Schulgemeinden einen akuten Bedarf für einen Zusammenschluss habe, so sei jetzt der richtige Zeitpunkt, die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Die Behörden haben ihren Standpunkt zum Thema dargelegt. In ihren Gemeinden werden sie im Januar noch zusätzliche Informationsanlässe durchführen. Das letzte Wort in dieser Sache haben aber die Stimmbürger. Sie werden am Dienstag, 7. Februar 2017, in ihrer Schulgemeinde über diese Frage abstimmen.