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SCHÖNENBERG: Der Holzversteher

Markus Bernhardsgrütter pflegt sein Hobby, das Drechseln, seit jeher mit grosser Leidenschaft. Und neuerdings auch mit Erfolg: Im deutschen Oberwolfach hat der 61-Jährige einen Wettbewerb gewonnen.
Georg Stelzner
Markus Bernhardsgrütter präsentiert in der Werkstatt seine preisgekrönte Arbeit. (Bild: Reto Martin)

Markus Bernhardsgrütter präsentiert in der Werkstatt seine preisgekrönte Arbeit. (Bild: Reto Martin)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

«Einem Stück Holz eine bestimmte Form zu geben und ihm gewissermassen neues Leben einzuhauchen, stellt für mich einen überaus befriedigenden Ausgleich zum Arbeitsalltag dar», sagt Markus Bernhardsgrütter über sein Steckenpferd, das Drechseln. Mit dem Werkstoff Holz machte er schon in jungen Jahren Bekanntschaft, als er den Schreinerberuf ausübte.

Aus gesundheitlichen Gründen musste sich Bernhardsgrütter vor 13 Jahren nach einem anderen Broterwerb umsehen. Er wollte der Hektik, die er in seiner leitenden Funktion im Betrieb tagtäglich erlebte, entfliehen und mehr Zeit für sich haben. «Obwohl Holz und Bauen meine Welt waren; eine Welt, die mir viel Freude bereitete und für mich Herausforderung pur war», wie Bernhardsgrütter freimütig, aber ohne Wehmut einräumt.

Viel hängt von der Wahl des Holzes ab

Das Drechseln hat sich Bernhardsgrütter seit 2006 Schritt für Schritt selber beigebracht und es bei der Ausübung dieses uralten Handwerks zu einer bemerkenswerten Meisterschaft gebracht. Im Erdgeschoss seines Wohnhauses hat er sich eine professionelle Werkstatt eingerichtet – mit allem, was dazugehört: Drechselbank, Schrupp- und Schalen- röhre, Meissel sowie diverse Spannvorrichtungen. «Feuchtes Holz eignet sich am besten. Da es aber die Form verändert, ist eine Überarbeitung notwendig, wenn man ein perfektes Resultat erzielen möchte», erklärt Bernhardsgrütter, der sich als «Fan heimischer Hölzer» bezeichnet. Seine Favoriten sind Nussbaum, Kirschbaum und Obstbäume. «Wegen ihrer Farbe und Musterung», lautet die Begründung.

Bernhardsgrütters handwerk- liches und künstlerisches Talent ist Anfang März auch an einem internationalen Wettbewerb im Schwarzwald, veranstaltet von der Drechslerinnung Baden-Württemberg, zutage getreten. Der Schönenberger trug in der Kategorie «Amateurdrechsler» mit seiner Arbeit, einer Kaffeetasse mit Unterteller, den Sieg davon. Die Idee sei bei einem Frühstück geboren worden und habe zum diesjährigen Wettbewerbsthema «Deux Pièces» gepasst, erzählt Bernhardsgrütter. Für die aus zwei Schalen bestehende Tasse hat er verschiedene Holzarten gewählt: gestockte Buche für die Aussen- und Nussbaum für die Innenseite. Zur Verstärkung des Kontrasts ist das Nussbaumholz dunkel gebeizt worden. Die Oberflächen haben eine Lackierung erhalten. Die Wahl der Hölzer war ein entscheidender Faktor, wie Bernhardsgrütter erklärt: «Die Tasse will aussen gefühlt werden. Die weicheren Stellen der Buche sind dezent, reliefartig ausgeschliffen und tragen zur Zeichnung des Gesamtbildes bei.» Seinem Werk gab der Hobbydrechsler den Titel «Deux Pièces – aber bitte mit Sahne!»

Wer um den Sieg mitreden wollte, musste die Jury in allen Bewertungskriterien (Motto, Ausführung, Gesamteindruck) überzeugen. Bernhardsgrütter war sich dessen bewusst und legte ein Hauptaugenmerk darauf. «Erwarten durfte ich den Erfolg angesichts des hohen Niveaus der eingereichten Arbeiten nicht, aber ich habe schon mit dem Ehrgeiz teilgenommen, eine gute Platzierung zu erreichen», sagt Bernhardsgrütter. Ganz neu war diese Erfahrung aber nicht. 2015 nahm der Schönenberger an der «art-thur» in Frauenfeld teil und belegte mit einer grossen Schale an der wichtigsten Ausstellung für ambitionierte Kunstschaffende in der Ostschweiz Rang 3.

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