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SCHOCHERSWIL: Alle schöpfen aus einer Schüssel

Im Gasthof zum Hecht wird jeden Donnerstagabend italienische Tischkultur gepflegt. Die Tavolata bringt Menschen zusammen und ist ein Treffpunkt für Jung und Alt.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Die Gäste geniessen die fröhliche Tafelrunde, während Regina Stäheli eine Suppenschüssel abräumt. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Die Gäste geniessen die fröhliche Tafelrunde, während Regina Stäheli eine Suppenschüssel abräumt. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

amriswil@thurgauerzeitung.ch

Wer es gemütlich und unkompliziert mag, ist hier am richtigen Ort: Man trifft sich, tauscht sich aus, isst und geniesst gemeinsam. Bei schummrigem Kerzenlicht am langen Holztisch sind angeregte Gespräche im Gange. Es wird diskutiert und gelacht und mit dem Tischnachbarn gerätselt, was es wohl zu essen gibt. Denn keiner weiss, was aufgetischt wird. Ist es vielleicht eine Tomatensuppe oder doch eher eine Kraftbrühe? Kurze Zeit später wird in Grossmutters Porzellantopf eine dampfende Lauchcrèmesuppe aufgetragen – es darf geschöpft werden.

Im Gasthof zum Hecht kommen an diesem Donnerstagabend 23 Gäste zu einer Tischgemeinschaft zusammen – zur Tavolata. «Mit der Tavolata wollen wir verschiedene Leute zusammenbringen und zum geselligen Miteinander einladen», sagt Sandro Alder, Küchenchef und Pächter des «Hecht». Früher gab es den Stammtisch – hier wurde diskutiert und philosophiert, getrunken und gegessen. Heute sind sie schwer zu finden, die Stammtische samt ihren Originalen. Das Treffen zum Feierabendbier im Wirtshaus habe in den letzten Jahren massiv an Bedeutung verloren, bedauert Sandro Alder. Die Tavolata-Tischrunde sei deshalb der ideale Treffpunkt für jedermann – für Jung und Alt.

Als zweiter Gang wird ein gemischter Salat serviert – natürlich in einer Schüssel zum Selberschöpfen. Zur Freude der Gäste stellt Regina Stäheli, Restaurationsfachfrau und Pächterin vom Gasthof zum Hecht, später auch noch ein Holzbrett mit Salami und einen Korb ofenfrischer Baguettes auf den Tisch.

Aus alten Schranktüren wurde ein langer Tisch

Giovanni Pano aus Bernhardzell ist zum ersten Mal im Restaurant an einer Tavolata in bunt zusammengewürfelter Gesellschaft. Der gebürtige Italiener kennt aber die grosse Tischrunde von seiner Heimat. Er nimmt sein Handy aus der Jackentasche und zeigt seine Verwandtschaft beim Essen am grossen Tisch. «Alte Schranktüren haben wir zu einem langen Tisch zusammengeschraubt. Bis zu 30 Personen können daran sitzen», erklärt er.

Tamara Eberle aus Steinebrunn besuchte schon im vergangenen Jahr eine Tavolata im Gasthof zum Hecht. «Ich lerne hier Leute kennen und kann neue Kontakte knüpfen. Das Essen schmeckt mir ausgezeichnet. Bestimmt werde ich hier wieder einmal eine Tavolata besuchen», sagt sie. Während Regina Stäheli einen grossen Topf Pasta mit Rindfleischwürfeln und Broccoli an einer Tomatensauce auftischt, meint ein Gast: «Mer gfallts do.»

Die Tavolata hat ihren Ursprung in Italien. Die grosse Tischrunde – nach dem Vorbild italienischer Lebensart und Gastfreundschaft – erlebt auch in unserer Gesellschaft einen Aufschwung. Dabei spielen der Genuss und die ungezwungene Tischgemeinschaft eine zentrale Rolle. «Sämtliche Speisen kommen in Schüsseln und auf Platten auf den Tisch, ausser das Dessert», erzählt Sandro Alder. «Und jeder Gast bedient sich selber nach Lust und Laune.» Der Küchenchef betont, dass nur saisonale und frische Produkte aufgetischt werden, wenn immer möglich auch heimische. Gekocht wird, was den meisten Leuten schmeckt und einfach zuzubereiten ist – jedoch immer ein Fünf-Gang-Menü. Mit Hunger muss niemand vom Tisch. Man kann so viel essen, wie man möchte.

Nach drei Jahren wird Bilanz gezogen

Regina Stäheli und Sandro Alder schieben jeden Donnerstagabend, jeweils im Januar und Februar, die Tische zusammen und zelebrieren den italienischen Lebensstil. Die Tavolata im Gasthof zum Hecht findet heuer bereits zum zweiten Mal statt. Auch im nächsten Jahr steht der italienische Lifestyle bei den beiden Schocherswiler Gastronomen im Terminkalender. «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, nach drei Jahren Bilanz zu ziehen», sagt der Küchenchef und verrät, dass er von seinen Tavolata-Gästen bis jetzt nur positive Rückmeldungen erhalten habe. «Wer einmal eine Tavolata besucht hat, kommt wieder.» Sandro Alder meint, dass die Südländer sich gewohnt seien, in grosser Runde zusammen an einem Tisch zu essen. Die Schweizer seien diesbezüglich eher etwas gehemmt. Wer sich nicht zur grossen Tischgemeinschaft treffen will, aber trotzdem das Tavolata-Menü geniessen möchte, kann sich an einem Tisch nebenan bedienen lassen. «Doch die interessantesten Gespräche entstehen immer am grossen Tisch, an dem es Platz für 24 Personen hat», sind sich die beiden einig. Zudem herrsche immer gute Laune.

Eine süsse Überraschung rundet an diesem Abend das Essen ab – Schokoladenkuchen mit Vanilleeis und Sahnehäubchen.

Hinweis

Die Tavolata ist auch für Kurzentschlossene: Eine vorgängige Anmeldung (071 411 11 84) ist wünschenswert, aber nicht zwingend.

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