Schluchzer, Tränen und viel Stille

Zehn Tage lang war die Fotoausstellung LebenskunSterben im Kulturforum in Amriswil zu sehen. Sie hinterliess gemäss Brighit Stahel tief berührte Menschen.

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Brighit Stahel Vorbereitungsteam Ausstellung (Bild: Quelle)

Brighit Stahel Vorbereitungsteam Ausstellung (Bild: Quelle)

Wie ist die Ausstellung angekommen, Frau Stahel?

Brighit Stahel: Sie war ein unglaublicher Erfolg. Rund 1600 Menschen haben sie gesehen. Auch das Rahmenprogramm mit 15 Veranstaltungen war bis auf eine Ausnahme sehr gut besucht.

Was für Menschen waren da?

Stahel: Ältere Menschen kamen nur ganz wenige. Ihnen ging das Thema wohl zu nah. Es kamen vor allem Menschen mittleren Alters, aber auch junge Familien mit Kinderwagen.

Wie reagierten sie auf das Thema?

Stahel: Es gab Schluchzer, Tränen und ganz viel Stille. Die meisten waren sehr betroffen. Was mich besonders berührt hat, waren Paare, die sich beim Betrachten der Bilder innig umarmt oder geküsst haben. Das war sehr bewegend.

In welcher Gefühlslage haben die Leute die Ausstellung verlassen?

Stahel: Die Bilder waren alle wunderschön, sie haben den Leuten deshalb keine Angst gemacht. Die meisten Besucher sagten nach der Ausstellung, sie hätten auch Trost verspürt. Das sollte die Botschaft der Ausstellung sein: Wenn man medizinisch und sozial gut begleitet wird, kann man auch mit Leid und Schmerz relativ gut leben.

Haben sie auch nach den Menschen hinter den Bildern gefragt?

Stahel: Viele wollten wissen, ob sie noch leben. 12 der 16 Fotografierten sind schon vor der ersten Ausstellung vor drei Jahren in Deutschland gestorben. Sie haben ihre Bilder nie gesehen. Nur zwei junge Leute leben heute noch.

Welches war Ihr Lieblingsbild?

Stahel: Ich hatte meine Favoriten, das hab ich der Projektleiterin auch gesagt. Sie meinte: «Sie werden sehen, es ändert sich.» So war es auch. Plötzlich bekam ich mehr Beziehung zu einem anderen Bild.

Welche Geschichte bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

Stahel: Die eines Paares um die vierzig. Die beiden sehen auf dem Foto aus wie Tänzer. Sie wollten immer heiraten, doch das war nicht möglich, weil es ihr immer wieder schlecht ging. Sie wollte unbedingt im Brautkleid fotografiert werden. Ein wunderschönes Bild. Sieben Tage später starb sie. Sie hat ihre Hochzeit nicht mehr erlebt – ausser beim Fotoshooting.

Interview: Brenda Zuckschwerdt

Die Wanderausstellung LebenskunSterben zeigte die Bilder von 16 Menschen, die auf einer Palliativstation in Heidelberg lebten. 2008 wurde die Ausstellung in Heidelberg erstmals gezeigt. Nach Amriswil geholt hat sie der Verein Hospizdienst Thurgau. Leiterin des Vorbereitungsteams war Brighit Stahel.