Schlechte Verlierer

Gemeindeammann David H. Bon hat das erste politische Kräftemessen im Amt gewonnen. Die Stimmbürger sind ihm und dem Gemeinderat an der Budgetversammlung in allen Punkten mit grossem Mehr gefolgt.

Merken
Drucken
Teilen

Gemeindeammann David H. Bon hat das erste politische Kräftemessen im Amt gewonnen. Die Stimmbürger sind ihm und dem Gemeinderat an der Budgetversammlung in allen Punkten mit grossem Mehr gefolgt. CVP, SP und am Rande Bons eigene Partei, die FDP, scheiterten kläglich mit dem Ruf nach tieferen Steuern beziehungsweise dem Verzicht auf einen Stadtentwickler. Zu durchschaubar war ihr Spiel.

Vor allem die CVP muss sich den Vorwurf gefallen lassen, eine schlechte Verliererin zu sein. Die Partei nutzte nach der Abwahl von Gemeindeammann Norbert Senn die erstbeste Gelegenheit, Bon das Leben schwerzumachen. Doch auch bei der SP drängt sich der Verdacht auf, dass sie noch eine Rechnung mit Bon offen hatte, der nicht der Mann ihrer Wahl war. Es mutet jedenfalls fast schon komisch an, wenn ausgerechnet die Sozialdemokraten die Aufblähung der Verwaltung kritisieren. Und umgekehrt die SVP dem Gemeinderat den Rücken stärkt, obwohl die Partei dort weiter nicht vertreten ist und darum allen Grund hätte, die Behörde schlechtzumachen, um sich zu profilieren. Selbst Urs Martin gab am Montagabend dem Gemeinderat seinen Segen, obwohl er seinerzeit auf der Seite von Senn stand. Der SVP-Kantonsrat ist nicht bekannt dafür, Geschenke zu machen. Der Thurgauer Regierungsrat weiss davon ein Lied zu singen.

Zu hoffen ist, dass CVP und SP die Lektion gelernt haben und sie es bei dem einen Störmanöver belassen. Romanshorn kann sich parteipolitische Scharmützel nicht leisten angesichts der vielen Baustellen im Dorf. Es wird auch so schwierig genug sein, Mehrheiten zu finden für Projekte, die das Dorf weiterbringen sollen.

Es ist auch durchaus im eigenen Interesse der beiden Parteien, die Sachpolitik künftig wieder in den Vordergrund zu stellen. Denn sonst bekommen sie früher oder später ein Problem mit ihren Gemeinderäten, die sich vorgestern bei den Abstimmungen auf die Seite von Bon stellten. Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Der Austritt von Gemeinderat Peter Eberle aus dem Grünen Forum nach anhaltenden Differenzen sollte ihnen eine Warnung sein.

Markus Schoch

m.schoch@thurgauerzeitung.ch