Schielende Ameisen verheissen Regen

Martin Horat ist ein Original. Der Siebzigjährige ist das bekannteste Mitglied der Innerschweizer Meteorologen – der Muotataler Wetterfrösche. Vor der Erfa-Gruppe Weinfelden liess er sich in die Karten blicken.

Monika Wick
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Erfa-Vorstandsmitglied Hans-Ulrich Wartenweiler mit Wetterschmöcker Martin Horat im «Trauben» in Weinfelden. (Bild: Monika Wick)

Erfa-Vorstandsmitglied Hans-Ulrich Wartenweiler mit Wetterschmöcker Martin Horat im «Trauben» in Weinfelden. (Bild: Monika Wick)

WEINFELDEN. Martin Horat aus Rothenthurm sitzt mitten in einem Ameisenhaufen und wirbt für die Vielfalt unseres Landes – mit diesem TV-Werbespot für Schweiz Tourismus wurde der Innerschweizer Wetterfrosch national bekannt. Am Dienstagabend war Horat zu Gast bei der Erfa-Gruppe Weinfelden.

Ein alter Traum

Das Wetter möglichst präzise im Voraus bestimmen zu können, das wollen die Menschen schon seit langem. «Jörlieni – Georg Leonhard – Schmidig aus dem Bisital tat das bereits im Jahr 1749», sagte Martin Horat in urtümlichstem Schwyzer Dialekt vor den Erfa-Mitgliedern. Knappe zweihundert Jahre später beschlossen sechs Wetterpropheten, einer davon ein Nachfahre von Jörlieni, einen Verein zu gründen. «Die Idee hatten sie nach einer Beerdigung. Bis morgens um fünf Uhr wurde Wein getrunken, 18 leere Flaschen mussten danach weggeräumt werden», schmunzelte der Rothenturmer. Einen Monat später wohnten 89 Personen der Gründungsversammlung bei. «Der Mitgliederbeitrag betrug für Männer 60 und für Frauen 30 Rappen.»

Heute 4000 Mitglieder

Heute zählt der Verein 4000 Mitglieder in der Schweiz, in Österreich, Deutschland und Kanada. «Nur wegen Mord oder Totschlag wird keiner aus dem Verein verwiesen», sagte Horat mit einem spitzbübischen Lachen. «Aber Jörg Kachelmann, den haben wir rausgeschmissen. Danach hat er sich so geschämt und ist nach Deutschland ausgewandert.» Mit seiner Prognose für den letzten Winter lag Horat falsch. «In der rechten Hand hatte ich männliche Ameisen mit einem dicken Bauch, in der linken weibliche Tiere mit krummen Beinen. Daraus habe ich einen harten Winter prophezeit. Eine Frau hat mir dann aber erklärt, dass die Weibchen krumme Beine hätten, weil die Männchen zu schwer waren.»

Ein normaler Sommer

Trotz Fehleinschätzung des Winters wagt sich Martin Horat an eine Prognose für die nächsten sechs Monate. «Nach meinen Berechnungen gibt es einen normalen Sommer. Auch am Herbst gibt es nicht viel auszusetzen, er wird für Mensch und Tier sehr angenehm.»

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