Schatz aus Bronzezeit im Altmetall

In einem Altmetallcontainer in Hefenhausen gab es einen aussergewöhnlichen archäologischen Fund. Ein Passant stiess beim Entsorgen auf ein über 3000 Jahre altes Beil. Das Amt für Archäologie will nun die Herkunft des weggeworfenen Schatzes herausfinden.

Leandra Reiser
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Das Lappenbeil mit Öse, das aus der Bronzezeit stammt. (Bild: pd/Amt für Archäologie D. Steiner)

Das Lappenbeil mit Öse, das aus der Bronzezeit stammt. (Bild: pd/Amt für Archäologie D. Steiner)

WÄLDI. Ein ungewöhnlicher Fund mit noch ungewöhnlicherem Fundort: Im Altmetallcontainer beim Werkhof in Hefenhausen hat ein aufmerksamer Beobachter ein über 3000 Jahre altes Lappenbeil aus der Bronzezeit gefunden und zum Amt für Archäologie des Kantons Thurgau gebracht. Der Container war fast leer, deshalb sei das Beil sofort aufgefallen. Wer es dorthin entsorgte, ist noch unklar. Das Amt für Archäologie startete deshalb einen Aufruf im Mitteilungsblatt der Politischen Gemeinde Wäldi, um denjenigen, der das prähistorische Werkzeug entsorgt hatte, ausfindig zu machen.

«Hoffentlich aus dem Thurgau»

«So ein Fundstück wird für mich erst wissenschaftlich wertvoll, wenn ich weiss, woher es stammt», erklärt Irene Ebneter, Leiterin Sammlung und Archive des Amts für Archäologie Thurgau. «Ich hoffe natürlich, dass es aus dem Thurgau ist.» Durch die bisherige Analyse des Fundstücks liess sich das Alter des Beils bestimmen: «Ein Archäologe sieht auf den ersten Blick, dass dieses Beil aus der Bronzezeit stammt.» Durch Analysen und Vergleiche wurde diese Prognose nun bestätigt. Die Bestimmung laufe vor allem über die Form des Gegenstandes. Durch Vergleiche mit bereits datierten und archivierten Fundstücken kann eine zeitliche Zuteilung vorgenommen werden. Eine zusätzliche Metallanalyse bestimmt die Zusammensetzung des Materials und bestätigt somit die Datierung. Gefunden wurde das Beil bereits vor über einem Jahr. Doch die genaue Bestimmung und Metallanalyse wurden erst diesen Herbst vorgenommen.

Wahrscheinlich lag es im Wasser

«Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein original bronzezeitliches Beil handelt, ist sehr gross», sagt Ebneter. Der Fundort des Objektes ist jedoch bedeutend für eine historische Einordnung. Die Patina und die Kruste auf der Oberfläche des Beils deuten darauf hin, dass es ursprünglich in feuchtem Boden oder im Wasser lag. Ausserdem stamme das Fundstück von der Form her mit Sicherheit aus Europa.

Funde sind meldepflichtig

Ob vergessen auf einem alten Estrich, herausgeackert auf dem Feld, in einem Wald, Bachbett oder Maulwurfshügel: Archäologische Funde ereignen sich meistens völlig zufällig an den unterschiedlichsten Orten. Laut Irene Ebneter werden beim Amt für Archäologie häufig und gerne Fundstücke abgegeben. «Die Leute haben den Plausch, herauszufinden, welches die Hintergründe ihrer Funde sind und ob sie einen Wert haben.» Ebneter begrüsst es, wenn man sich bei einem derartigen Fund sofort beim Amt für Archäologie meldet. «Es ist Pflicht, archäologische Fundstücke zu melden.» Ebneter fügt an, dass dies jedoch viele nicht wissen oder ihre gefundenen Schätze nicht als solche erkennen. Die gefundenen Objekte sind eigentlich Eigentum des Kantons. Ausserdem sei es verboten, mit Detektoren nach Bodenschätzen zu suchen. Eine aktive Suche ist nur mit einer Bewilligung vom Amt für Archäologie Thurgau erlaubt.

Wissen über Urgeschichte

Wie es um die Zukunft des Beils steht, hängt von seiner Herkunft ab: «Stellt sich heraus, dass das Bronzebeil wirklich aus dem Thurgau stammt, könnte es im Museum für Archäologie in Frauenfeld ausgestellt werden», erklärt Irene Ebneter. Ansonsten bleibe das Fundstück noch eine Weile beim Amt für Archäologie aufbewahrt, bis sich ein Finder meldet. Bis jetzt seien noch keine Meldungen zur Herkunft des Beils eingegangen, sagt Ebneter. Sie hofft jedoch, dass sich der ursprüngliche Besitzer oder Finder des bronzenen Werkzeuges beim Amt für Archäologie noch melden wird. Ihr Ziel ist es, mehr über die Herkunft des archäologischen Fundes zu erfahren, um daraus Schlüsse ziehen zu können über die Geschichte des Kantons Thurgau. «Durch Informationen über die Herkunft des Bronzebeils würde sich unser Wissen über die Ur- und Frühgeschichte des Kantons vermehren. Uns interessiert alles, was wir über die historische Vergangenheit des Thurgaus herausfinden können.»

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