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«Schade um das Kaufhaus»

Zuerst Schmid-Fischer, dann Bodan, Vilan und zuletzt Manor boten an der Bahnhofstrasse 9 vieles auf kleinem Raum an. Mit der Schliessung des Manors geht diesen Samstag eine lange Kaufhaus-Tradition zu Ende. Die Kundschaft bedauert's.
Roger Häni
1974: Da hiess der Manor noch Bodan. (Bild: pd)

1974: Da hiess der Manor noch Bodan. (Bild: pd)

Amriswil. «Ich kam gerne in den Manor, um zu schmökern», sagt Hannelore Häberlin. Besonders das schöne Geschirr habe es ihr angetan, verrät die Amriswilerin bei ihrem wohl letzten Einkauf im Warenhaus. Migros-Artikel habe jedermann, das Manor-Sortiment sei speziell. Häberlin erinnert sich auch, wie sie für die Kinder Verkäuferli-Sachen, Schmusetiere oder Barbies gekauft hat. Künftig sei die Amriswiler Bahnhofstrasse leider kaum mehr einen Einkauf wert. «Für ältere Leute, die wie ich zu Fuss unterwegs sind, ist die Schliessung schlimm.»

Immer ein Geschenk gefunden

Ebenfalls zu Fuss im Manor eingekauft hat Erika Hofstetter – «nicht jeden Tag, aber wenn ich etwas Spezielles suchte». Sie habe hier immer das passende Geschenk gefunden und der Preis habe gestimmt. Hofstetter wohnt seit 42 Jahren in Amriswil. Sie erinnert sich, wie der Manor noch Vilan und zuvor Bodan hiess. «Es ist schade, dass er jetzt schliesst.» Das findet auch Claiza Baumann aus Oberaach.

Seit sie vor 17 Jahren in die Schweiz gekommen sei, habe sie doch ab und zu hier eingekauft: Unterwäsche, Kinderkleider oder Spielsachen. Sie werde Manor treu bleiben und künftig halt nach Kreuzlingen fahren.

Entlassung aus Schutzstatus

Am Samstag, 29. Januar, hat die Amriswiler Filiale letztmals geöffnet. Was danach mit dem renovationsbedürftigen Gebäude geschieht, ist gemäss Manor-Mediensprecherin Elle Steinbrecher noch nicht spruchreif. Verhandlungen seien im Gang.

Entgegen anderslautender Gerüchte ist die Liegenschaft immer noch im Besitz von Manor respektive der Nordmann-Holding, wie Stadtammann Martin Salvisberg bestätigt. Um neuen Projekten an der Bahnhofstrasse 9 nicht im Weg zu stehen, hat der Stadtrat beschlossen, das Gebäude aus dem Schutzstatus «erhaltenswert» zu entlassen. Der Zustand des Gebäudes sei zu schlecht, um etwas Vernünftiges daraus zu machen, sagt Salvisberg. Ein Abriss scheint also wahrscheinlich.

Keine kleinen Manors mehr

Erika Grosser, welche die Amriswiler Filiale während mehrerer Jahre leitete, wechselt in die Nähe ihres Wohnorts, in den Manor Schaffhausen. Auch die weiteren Mitarbeiterinnen hätten ihren neuen Arbeitsort wünschen können, so Grosser. Sie nehme schöne Erinnerungen mit. «Wir hatten eine gute Zeit und konnten auf eine sehr gute Stammkundschaft zählen.

Sie schätzte, dass wir auf ihre Wünsche eingingen und Artikel bestellten, die in den Regalen keinen Platz hatten.» Die Schliessung kleinerer Filialen sei ein strategischer Entscheid. Manor-Chef Bertrand Jungo sagte kürzlich in einem Interview. «Es wird mittelfristig keine Standorte unter 2000 Quadratmetern mehr geben.»

Dass die Kundenfrequenz in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, verneint Erika Grosser nicht.

Einerseits sei das auf die Eröffnung des Amriville zurückzuführen, andererseits auch auf die Entstehung moderner Manors in anderen Städten der Region. Die Liquidation lockt diese Tage aber noch einmal reichlich Volk an die Amriswiler Bahnhofstrasse– «so wie sonst jeweils vor Weihnachten», stellt Grosser fest. Die Regale leeren sich kontinuierlich.

Neubau 1958 eröffnet

Mehr noch als Erika Grosser war Alice Hungerbühler der Kundschaft bekannt. Fast 40 Jahre arbeitete die freundliche Frau im Manor Amriswil. Letzten Herbst ging sie in Pension. Damals schon wusste sie, dass die Filiale schliessen wird. Obwohl sie einen grossen Teil ihres Lebens im Manor (bis in die Siebzigerjahre hiess er Bodan und bis Mitte der Neunzigerjahre Vilan) verbracht hat, trägt sie die Schliessung mit Fassung. «Man muss flexibel sein und sich immer wieder neuen Situationen anpassen.

Das ist im Privaten so und auch im Geschäftsleben.» Wichtig sei, die schönen Zeiten zu geniessen.

Knapp mag sich Alice Hungerbühler an das Vorgänger-Kaufhaus Schmid-Fischer mit dem besonderen Eingang (von hinten) erinnern. Es stand deutlich näher an der Strasse als der 1958 eröffnete Neubau. Mehr darüber weiss Elisabeth Meyer-Bär. Sie, die heute in der Westschweiz wohnt, ist das Grosskind eines der beiden Namengeber und Inhaber.

Ihre Mutter Elsi Bär-Schmid habe schon sehr jung das Amriswiler Geschäft von Schmid-Fischer – es gab auch noch eines in Uzwil – geführt. «Als mein Grossvater starb, wurde die Liegenschaft an die Manor-Gruppe verkauft.» Von der Schliessung hat Elisabeth Meyer-Bär noch nicht gewusst. Auch sie äussert ihr Bedauern.

Noch früher: Das Kaufhaus Schmid-Fischer. (Bild: pd)

Noch früher: Das Kaufhaus Schmid-Fischer. (Bild: pd)

Letzter Einkauf: Hannelore Häberlin. (Bild: Roger Häni)

Letzter Einkauf: Hannelore Häberlin. (Bild: Roger Häni)

Das Personal nimmt Abschied. (Bild: Roger Häni)

Das Personal nimmt Abschied. (Bild: Roger Häni)

Der Manor war ein wichtiger Bestandteil der Amriswiler Bahnhofstrasse. Nach der Schliessung dürfte das Gebäude abgerissen werden. (Bild: Roger Häni)

Der Manor war ein wichtiger Bestandteil der Amriswiler Bahnhofstrasse. Nach der Schliessung dürfte das Gebäude abgerissen werden. (Bild: Roger Häni)

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