Sanierung verzögert sich

Die Denkmalpflege hat Einwände zu den geplanten Umbauarbeiten im Altbau des Alterszentrums Kreuzlingen. Insbesondere dürfe das Treppenhaus nicht abgerissen werden. Der Baubeginn könnte sich bis zu zwei Jahre verzögern.

Martina Eggenberger Lenz
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Diese Treppe im Altbau des Alterszentrums muss laut Denkmalpflege erhalten bleiben. (Bild: Donato Caspari)

Diese Treppe im Altbau des Alterszentrums muss laut Denkmalpflege erhalten bleiben. (Bild: Donato Caspari)

KREUZLINGEN. Die Vertreter des Alterszentrums wähnten sich schon auf der Zielgeraden, als die Post der kantonalen Denkmalpflege ins Haus flatterte. Dicke Post. Denn wegen des Inhalts des Briefes können die dringend nötigen Sanierungsmassnahmen im Haus A West nicht umgesetzt werden. Genossenschaft, Stadtrat, Gemeinderat und am 29. November auch das Kreuzlinger Stimmvolk haben dem Projekt ihren Segen erteilt. Die Bewohner sind bereits gezügelt, das Gebäude steht leer. Doch der versprochene rasche Baubeginn muss jetzt warten.

Gebäude nicht unter Schutz

Carl Ruch, der Präsident der Genossenschaft, betont: «Mit der Denkmalpflege haben wir nicht gerechnet.» Das Alterszentrum stehe unter keinem Schutz. Das im Juli bei der Stadt eingereichte Baugesuch habe aber bei verschiedenen Stellen des Kantons die Runde gemacht, wegen des Brandschutzes etwa oder Vorgaben im gesundheitlichen Bereich. So seien die Pläne wohl auch auf dem Tisch der Denkmalpflege gelandet.

Und diese ist eben gar nicht einverstanden mit den Sanierungsmassnahmen. Das Alterszentrum gehöre zu den wichtigsten Bauten der Nachkriegsmoderne im Thurgau, schreibt die Vertreterin. Eine Bewahrung des Baus sei unerlässlich, er sei nur aus dem Grund noch nicht unter Schutz gestellt, weil das Hinweisinventar der Stadt Kreuzlingen noch nicht überarbeitet sei.

Treppe ist der Knackpunkt

Insbesondere das äussere Erscheinungsbild und das Treppenhaus haben es der Denkmalpflegerin angetan. Eine Entfernung des Letzteren wäre eine zu grosse Beeinträchtigung des «bemerkenswerten Baus», es sei in seinem Ausdruck prägend. Daher empfehle sie eine Kontaktaufnahme mit dem damaligen Architekten Kurt Huber vom Frauenfelder Büro Antoniol+Huber. Das Treppenhaus ist also der Knackpunkt der 16 Millionen Franken teuren Sanierung. Die Vertreter des Alterszentrums gehen davon aus, man müsse es entfernen, um Platz für den zeitgemässen Umbau der 61 Bewohnerzimmer plus Allgemeinräume zu gewinnen. Die Treppe werde sowieso kaum genutzt, da die meisten Bewohner auf Gehhilfen angewiesen seien. Carl Ruch sagt, man habe als Reaktion auf die Stellungnahme der Denkmalpflege Kurt Huber beauftragt, einen Vorschlag einzureichen, wie mit dem gegebenen Kostendach die Sanierung umgesetzt und gleichzeitig die Treppe erhalten werden könne. Bis Januar hat der Architekt Zeit. Es habe zuvor auch eine gemeinsame Begehung vor Ort gegeben, die allerdings keine Einigung brachte. «Die Denkmalpflege stellt auf stur», betont Ruch.

Vor der Abstimmung gewusst

Im schlimmsten Fall, wenn durch die Überarbeitung des Projekts ein neues Bewilligungsverfahren eingeleitet werden müsse, könnte die zeitliche Verzögerung des Baubeginns zwei Jahre betragen, sagt Ruch. «Wir wollen jetzt aber erst einmal abwarten, was uns Kurt Huber vorschlägt.»

Beim Alterszentrum und bei der Stadt weiss man seit spätestens Anfang November von der Intervention der Denkmalpflege. Trotzdem wurde die Volksabstimmung am 29. November durchgeführt. Carl Ruch begründet, man brauche den Baubeitrag in der Höhe von 3 Millionen Franken der Stadt Kreuzlingen sowieso, egal, ob es noch Änderungen gebe oder nicht.

Ausserdem habe man nicht vorher kommuniziert, weil man als erstes den Kreuzlinger Gemeinderat habe informieren wollen. Dieser tagte gestern abend.

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