SALENSTEIN: Weit weg vom Wunschziel

Leo Villiger bereist mit dem Velo alle Kontinente. Auf seiner 14. Tour zog es ihn nach Afrika. Eigentlich wollte der Fruthwiler 11'000 Kilometer absolvieren, doch bereits nach 2'700 kam das Aus.

Margrith Pfister-Kübler
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Leo Villiger zeigt auf der Karte den Ort Garies, wo er im Spital Hilfe bekam. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Leo Villiger zeigt auf der Karte den Ort Garies, wo er im Spital Hilfe bekam. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Margrith Pfister-Kübler

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch

Der Rückflug von Daressalam in Tansania nach Zürich war für den 4. April terminiert. Doch Leo Villiger sitzt bereits wieder in seiner 1-Zimmer-Oase beim Schloss Hueb in Fruthwilen. Der Junggeselle lebt seit dem Tod seiner Mutter im Jahr 2002 alleine. «Für mich stehen meine Reisen und die Religiosität im Zentrum», sagt der 60-Jährige. Während acht Monaten im Jahr ist er Beeren- und Obstbauer, Waldarbeiter und Erntehelfer, vier Monate verbringt er auf dem Velo. «Meine Reisen sind für mich fast härter als das Arbeiten. Das Schwierigste sei, jeweils alle Sicherheiten aufzugeben.

Mit Velo, Zelt, Notapotheke und Natel im Gepäck flog er im Herbst nach Libréville, der Hauptstadt Gabuns. 11'000 Kilometer hat er auf seiner Karte eingezeichnet. Er wollte ans Kap der guten Hoffnung und dann nach Daressalam in Tansania. 2700 Kilometer hat er in sechs Wochen geschafft. Plötzlich hatte er ­Probleme mit den Hoden, die anschwollen. «Mit Schmerztabletten und Salbe bin ich weitergefahren. Aber nur noch 50 Kilo­meter, bis es nicht mehr ging», erzählt er.

Erholung in einem Mutter-Teresa-Heim

Am 21. November kam er ins Spital Garies im Nordwesten von Südafrika. «Das war meine Rettung.» Als er wieder reisefähig war, fuhr er mit dem Bus nach Kapstadt, wo er im Spital betreut wurde: «Danach erhielt ich Unterkunft in einem Mutter-Teresa-Heim. Das waren sieben Wochen mit besonderen Begegnungen.» Als es ihm besser ging, er aber noch nicht Velo fahren durfte, war er vier Wochen Helfer im Heim. Dann ist er wieder losgefahren, doch es gab Visumprobleme. «Aus Swasiland bin ich nicht mehr rausgekommen.» Villiger erzählt von den Turbulenzen in aller Gemütsruhe. Er spricht von Gottvertrauen.

Weil sein Velo gestohlen wurde, hat ihm ein Farmer ein neues geschenkt. Mit dem fährt er jetzt in Fruthwilen umher. Er blickt auf die bisherigen Reisen zurück: Viermal war er in Afrika, viermal in Amerika, einmal in Australien und dreimal in Asien. Er plant bereits neue Touren: Korea, Japan und Taiwan. «In Taiwan gibt es viele Katholiken.» Pfarrhäuser seien gute Stationen für ihn.