SALENSTEIN: Sie wollen es ausbügeln

Kampfwahl in der Einheitsgemeinde: Zwei gebürtige Mannenbacher und ein zugezogener Salensteiner kandidieren für den Gemeinderat. Claudio Keller, Bruno Lorenzato und Silvano Castioni haben alle dasselbe Ziel. Sie wollen den Zwist im Dorf endlich begraben.

Annina Flaig
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Silvano Castioni (53) kommt aus Salenstein und gehört der SP an. (Bild: Archiv/Nana do Carmo)

Silvano Castioni (53) kommt aus Salenstein und gehört der SP an. (Bild: Archiv/Nana do Carmo)

SALENSTEIN. In Salenstein sind die Gräben immer noch tief. Dies wird seit der Abwahl des ehemaligen Gemeindepräsidenten Roland Streit an jeder Gemeindeversammlung offensichtlich. An jener im vergangenen Mai hat Hanspeter Müller seinen Rücktritt aus dem Gemeinderat bekannt gegeben. Er könne die Mehrheitsentscheide im jetzigen Gemeinderat nicht mehr mittragen, begründete er seinen Entschluss.

Komfortable Situation

Für die Ersatzwahl am 25. September gingen drei Bewerbungen ein: Claudio Keller, Silvano Castioni und Bruno Lorenzato wollen die bürgerlich dominierte, siebenköpfige Behörde komplettieren. Damit hatte Gemeindepräsident Roland Nothhelfer nicht gerechnet: «Ich bin überrascht und freue mich, dass wir in der komfortablen Situation sind, dass sich gleich drei Personen im Gemeinderat engagieren wollen. Davon können andere Gemeinden nur träumen», sagt er auf Anfrage.

Den augenfälligsten Wahlkampf betreibt Silvano Castioni. Der 53-Jährige hat in der ganzen Gemeinde Wahlplakate aufgestellt. Ist er doch von den drei Kandidaten der am wenigsten verwurzelte. Gut bekannt ist er dafür in Kreuzlingen, wo er bis 2012 lebte, während zehn Jahren als Stadtschreiber amtete und letztes Jahr auch als Kandidat für das Schulpräsidium in der Öffentlichkeit stand. «Als Stadtschreiber habe ich das Führen einer Gemeinde von der Pike auf gelernt», sagt er. Diese Erfahrung wolle er in Salenstein gerne einbringen. Seit August befindet sich der studierte Betriebswirtschafter in einer beruflichen Neuorientierung. Dazu gehöre auch seine Kandidatur als Gemeinderat. Castioni ist geschieden und wohnt mit seiner Partnerin seit vier Jahren im Dorf.

Zwei neutrale Kandidaten

Das politische Hickhack in der Gemeinde hat Castioni mitverfolgt. «Ich würde gerne einen Beitrag dazu leisten, dass Salenstein zur Ruhe kommt und sich auf die zukünftigen Herausforderungen konzentrieren kann.» Er zählt sich selbst zu keinem Lager, auch wenn er sagt, dass manche ihn gerne in der Nähe von Roland Streit sähen. Als Sozialdemokrat habe er in Salenstein wohl einen etwas schwereren Stand, das sei ihm klar. Er sehe das Mandat nicht partei- sondern sachpolitisch und verzichte in seiner Wahlkampagne bewusst auf das Logo der SP.

Von Bruno Lorenzato sieht man keine Plakate. «Ich finde es wichtiger, dass man auf die Schulkinder aufpasst», sagt der gebürtige Mannenbacher und ehemalige Feuerwehrkommandant von Salenstein. Er sei immer wieder für den Gemeinderat angefragt worden. «Ich habe gewartet, bis ich die notwendige Zeit aufbringen kann. Jetzt bin ich bereit», sagt der 51-Jährige. «Ich gehöre zu keinem Lager», antwortet er, angesprochen auf den Zwist der Anhängerschaften von Nothhelfer und Streit. «Eine gesunde Opposition ist legitim. Ich möchte mich aber dafür einsetzen, dass der Gemeinderat das Vertrauen der Bevölkerung weiter zurückgewinnt.» Darüber hinaus findet er es wichtig, dass Mieten für junge Familien bezahlbar sind und dass Einkaufsmöglichkeiten wie der Dorfladen in Mannenbach erhalten bleiben. Der gelernte Metallbauer arbeitet als Betriebsleiter einer Metallbauabteilung der Ammann AG in Tägerwilen. Er ist parteilos, verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder.

Keller Teil des Nothhelfer-Lagers

Auch der dritte Kandidat, Claudio Keller, wohnt seit Geburt in Mannenbach. Der ledige 41-Jährige bezeichnet sich scherzhaft als «Ureinwohner». Er positioniert sich eindeutig beim Nothhelfer-Lager und spricht in seinem Wahlkampf Klartext: «Ich will, dass hier wieder anständige Dialoge möglich sind, ohne dass man gleich einen Rechtsanwalt einschaltet.» Auch er hat keine Plakate aufgestellt. «Man kennt mich im Dorf. Die Leute wissen, wie ich ticke», sagt er, der sich seit über 20 Jahren im Militärschützenverein und als Gruppenführer bei der Feuerwehr Salenstein engagiert. Konkrete Vorstellungen davon, was er als Gemeinderat anstreben will, hat er nicht. «Ich will das als Aussenstehender nicht beurteilen. Wenn ich gewählt werde, werde ich die Dossiers studieren und mich hineinknien», verspricht er. Keller ist gelernter Maurer und arbeitet im elterlichen Baugeschäft Keller in Mannenbach.

Am Samstag, 10. September, um 10.30 Uhr, findet im Restaurant Sternen in Salenstein ein Podium mit allen drei Kandidaten statt.

Bruno Lorenzato (51) kommt aus Mannenbach und ist parteilos. (Bild: pd)

Bruno Lorenzato (51) kommt aus Mannenbach und ist parteilos. (Bild: pd)

Claudio Keller (41) kommt aus Mannenbach und ist parteilos. (Bild: pd)

Claudio Keller (41) kommt aus Mannenbach und ist parteilos. (Bild: pd)

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