SALENSTEIN: «Ich lebe mein Leben unterwegs»

Der Gründer der Kameah Hotels, Carsten K. Rath, lebt seitkurzem am Untersee. Nebenbei ist er Autor, Redner und Unternehmensberater. Bald hat er eine erste Lesung in seiner neuen Heimat.

Martina Eggenberger Lenz
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Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@

thurgauerzeitung.ch

Herr Rath, Sie haben in zwölf Ländern auf vier Kontinenten gelebt. Wieso haben Sie sich jetzt gerade in Salenstein niedergelassen?

In der Tat wohne ich seit diesem Jahr wieder in Salenstein. Ich habe schon einmal zwei Jahre in Gottlieben gewohnt und habe die Umgebung schätzen gelernt. Anschliessend bin ich nach Baar gezogen. Dort hat mir der Bodensee so sehr gefehlt, dass ich wieder zurückgekehrt bin und eine schöne Wohnung in Salenstein gekauft habe, von der ich beim Aufstehen morgens schon den Blick auf den See geniessen kann.

Sie sind Gründer des durchdesignten Lifestylehotels Kameah Grand in Zürich. Wie leben Sie privat?

Ich lebe mein Leben meistens unterwegs, denn eine meiner Hauptaufgaben, neben dem, dass ich das Kameha Grand Zürich, das Kameha Grand in Bonn, die Kameha Residenzen in Düsseldorf und die Kameha Suite in Frankfurt ins Leben gerufen habe, besteht darin, dass ich Vorträge halte und Bücher zu den Themen Führung und Service schreibe. Von daher verbringe ich etwa 200 Nächte im Jahr in anderen Hotels rund um den Globus.Wenn ich nicht aus der Koffer lebe, schätze ich meine Zeit ruhig und zurückgezogen in Salenstein.

Wie oft sind Sie vor Ort im Hotel in Zürich?

Ich bin Gründer und Erfinder der Marke Kameah. Im Betrieb bin ich nicht mehr operativ tätig, sondern nur noch Verwaltungsrat. In dieser Rolle versuche ich, zwei- bis dreimal im Monat vor Ort zu sein.

Das Hotel, das sich im Luxus-Segment positioniert, aber auf Sterne verzichtet, wurde vor zweieinhalb Jahren eröffnet. Sind Sie zufrieden mit der Auslastung?

Die Auslastung ist ausgezeichnet. Wir sind bei 80 Prozent angekommen. Was allerdings noch Raum für Verbesserung lässt, ist unsere Zimmerdurchschnittsrate. Daran arbeiten wir. Was uns besonders freut ist, dass 68 Prozent unserer Gäste aus der Schweiz kommen.

Der Ermatinger Architekt Heiko Ostmann war für die Architektur des Grandhotels verantwortlich. Haben Sie sich schon vorher gekannt?

Ja, Heiko und ich kennen uns seit vielen Jahren und wir wohnen zufällig beide am Untersee. Ich kann von meiner Wohnung aus auf sein Haus schauen. Wir haben verschiedene Projekte zusammen verwirklicht und sind beruflich befreundet. Von daher ist die Beziehung zu Heiko Ostmann nicht durch das Kameha Grand Zürich entstanden, sondern durch ein Projekt, das wir gemeinsam auf Mallorca realisieren wollten. Er hatte es geplant, von mir kam die Idee, umgesetzt wurde es aber letztlich von jemand anderem.

Sie haben eine lange Grandhotelkarriere hinter sich. Schwebt Ihnen noch ein weiteres Hotelprojekt vor oder setzen Sie beruflich in Zukunft eher auf andere Pferde?

Ich habe viele Häuser eröffnet, vor allem für die Unternehmen Ritz-Carlton und Kempinski. Aber jetzt gebe ich der Hotellerie eine kleine Pause. Mein grösstes Projekt ist RichtigRichtig.com, ein Unternehmen, das ich zusammen mit meiner Geschäftspartnerin Sabine Hübner aufgebaut habe. Das Unternehmen konzentriert sich auf das, worüber ich auch spreche und schreibe, nämlich Service und Kundenbegeisterung. Dort liegt neben meiner Tätigkeit als Vortragsredner mein aktueller Fokus.

Sie haben mehrere Bücher geschrieben. Das aktuelle, das Sie in der Seeburg vorstellen, heisst «Ohne Freiheit ist Führung nur ein F-Wort». Worum geht es?

Zunächst einmal heisst Freiheit in diesem Zusammenhang zwei­erlei: Es geht mir sowohl um mehr Freiheit im Kopf, also im Denken über Führung und Kundenorientierung, als auch um ganz konkrete, operative Freiheiten im System eines Unternehmens. Das eine bedingt das andere. Der Grund, warum Führung dadurch besser wird, ist so einfach wie anspruchsvoll: Freiheit entfernt die Barrieren, an denen Führung und eben auch exzellenter Service in den meisten Fällen scheitern. Die meisten Blockaden sind Symptome eines veralteten Verständnisses von Führung als System von Abhängigkeiten wie Weisung und Kontrolle.

Wie setzen Sie das in den Hotels konkret um?

In meinen Hotels durchdringt Freiheit als Führungsprinzip jeden Winkel. Die Mitarbeiter geniessen grosse Freiheiten im Umgang mit dem Gast. Sie können innerhalb eines grosszügigen Rahmens frei entscheiden, was dieser Gast in diesem Moment gerade braucht – und sie dürfen es dann auch umsetzen, ohne sich rückversichern zu müssen.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher?

Vor allem aus meinen Erfahrungen in der Vergangenheit und aus aktuellen Erlebnissen. Beispielsweise war ich gerade auf Mallorca und durfte dort ein wunderbares Hotel kennen lernen. Nun habe ich mich entschlossen, einen Travelblog zu starten. Die erst Ausgabe wird im September erscheinen und einmal im Monat stelle ich dann ganz spannende Hotels auf der ganzen Welt vor.

Sie waren als junger Erwachsener ein Tennistalent und sagen, Sie haben für das Leben viel vom Sport gelernt. Spielen Sie noch?

Im Sport lernt mal viel für das Leben: Wenn man verliert, wieder aufzustehen und wenn man gewinnt, sich zu freuen. Im Englischen sagt man «smelling the roses», wenn man gewinnt. Ich finde es ganz wichtig, dass man Erfolge feiert. Ich spiele noch Tennis, allerdings mässig und viel zu wenig. Leider. Fit halte ich mich mit anderen Dingen, allen voran Yoga und Laufen.

Was bedeutet es für Sie, mit der Buchlesung in der neuen Heimat öffentlich aufzutreten?

Ich bin sehr froh, die Gelegenheit zu haben, in meiner neuen alten Heimat wieder neue Menschen kennen lernen zu dürfen. Die Buchlesung heisst für mich auch, ein Stück weit mein Herz den Menschen zu öffnen. Und ich hoffe, dass sie sich auch mir gegenüber öffnen und viele Menschen zur Lesung kommen.

Anlass in der Seeburg

Am Donnerstag, 7. September, um 18.30 Uhr, findet im Schloss Seeburg in Kreuzlingen eine Lesung von Carsten K. Rath statt. Moderiert wird der Anlass von Nathalie Quiquerez. Anmeldungen unter:

natkreuzlingen@hotmail.com

Das Interview wurde schriftlich geführt.