«Ruhiger Geist lässt sich nicht belästigen»

AMRISWIL. Anlässlich eines zweitägigen Seminars ist der indische Professor Ravi Ravindra zu Gast in Amriswil. Für ihn spielt es keine Rolle, ob er in einer grossen Stadt vor vielen Menschen oder aber vor kleinem Publikum spricht. Wichtig ist ihm das Interesse der Zuhörer.

Maya Mussilier
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Ravi Ravindra kommt bereits zum dritten Mal nach Amriswil. (Bild: pd)

Ravi Ravindra kommt bereits zum dritten Mal nach Amriswil. (Bild: pd)

Ravi Ravindra, Sie sind ein Mann von Welt. Sie halten Vorträge vor vielen hundert Menschen in grossen Städten. Jetzt kommen Sie bereits zum dritten Mal für ein Seminar in die Kleinstadt Amriswil. Für Sie wohl eher wie ein Dorf. Was ist für Sie das Spezielle dabei?

Ravi Ravindra: Für mich spielt weder die Grösse der Stadt noch die Anzahl der Zuhörer im Saal eine wesentliche Rolle. Als viel wichtiger erscheint mir die Tatsache, dass Leute Interesse an grundlegenden Fragen bezüglich eines inneren Wandels und somit ihrer spirituellen Entwicklung zeigen. Ich fühle mich vor allem motiviert, mit solchen Leuten in Verbindung zu treten, wo immer das auch sein mag. Oft sind es ja zufällige, glückliche Umstände im Leben, die solche Ereignisse an einem beliebigen Ort ermöglichen.

Wie kommen Sie gerade nach Amriswil?

Ravindra: Mein Freund Roland Haag, den ich an der Yoga Universität in Villeret kennengelernt habe, lebt zufälligerweise in Amriswil. Ich war begeistert, als er mich dort zu einem eintägigen Seminar einlud. Wir waren beide über die grosse Anzahl von interessierten Teilnehmern überrascht. Die Gastfreundschaft und das Wohlwollen von Roland und seiner Ehefrau wirken wie ein starker Magnet, das mich erneut nach Amriswil zieht.

Fürs Yoga braucht es Ruhe. Wie finden Sie diese in einer Grossstadt?

Ravindra: Auch in Grossstädten gibt es ab und zu ruhige Orte, wie Oasen in der Wüste. Allerdings ist es wichtiger, die innere Ruhe zu finden. Wenn Ihr Geist friedlich und gelassen ist, vermag auch der lebhafte Lärm eines Cafés nicht, Sie zu belästigen.

Fällt es Ihnen in Amriswil leichter, zur Ruhe zu kommen?

Ravindra: Die zwei Orte, die Roland Haag für meine Workshops gefunden hatte, waren beide durchaus lärmfrei.

Was – ausser dem Yogacenter – haben Sie in Amriswil schon kennengelernt?

Ravindra: Ich befürchte, dass ich, abgesehen von den zwei Seminaren, nicht sehr viel Zeit in Amriswil verbracht habe. Immerhin genossen wir einen sehr angenehmen Spaziergang dem See entlang und erfreuten uns der äußerst schmackhaften Mahlzeiten. Aufgrund der wenigen Dinge, die ich während meiner Aufenthalte gesehen habe, würde ich sagen, Amriswil sei ein durchaus angenehmer Wohnort.

Wie erleben Sie Ihre Schweizer Seminarbesucher?

Ravindra: Alle Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die ich auf den zwei Seminaren kennenlernte, machten einen intelligenten und wissbegierigen Eindruck auf mich. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Leute eine Art von natürlicher Selektion durchmachten und dass sich somit nur wirklich Interessierte die Mühe genommen haben, sich einzuschreiben.

Wenn Sie einen Wunsch für die Welt und die Menschheit frei hätten, wie würde dieser lauten?

Ravindra: Mein Wunsch für uns alle, und somit natürlich auch für die Schweizer, wäre, dass wir unser irdisches Dasein als Mensch ernst nehmen mögen. Das bedeutet unter anderem ein spezifisch menschliches Begehren und Bedürfnis von Selbsterforschung und Innenschau, die uns unwillkürlich zu den ewig geltenden Fragen bringen: «Wer bin ich?» sowie «Wieso bin ich auf diesem Planeten geboren worden, zu diesem Zeitpunkt und in diesem Körper?». Wenn wir uns nicht ernsthaft hinterfragen, welches der Sinn und Zweck unseres Lebens sei, dann vergeuden wir all unsere Energie, Zeit und Mittel mit vergänglichen und häufig oberflächlichen Angelegenheiten.

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