Rütimann schafft Resonanzraum

WARTH. Die Kulturstiftung der UBS schenkte bei einem offiziellen Akt am Mittwochabend vor rund fünfzig Gästen dem Kunstmuseum Thurgau eine Installation von Christoph Rütimann.

Dorothée Kaufmann
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Der Künstler Christoph Rütimann lauscht an seiner Blechwand.

Der Künstler Christoph Rütimann lauscht an seiner Blechwand.

WARTH. Die Kulturstiftung der UBS schenkte bei einem offiziellen Akt am Mittwochabend vor rund fünfzig Gästen dem Kunstmuseum Thurgau eine Installation von Christoph Rütimann: Der Klangkörper «Blechwand für Ittingen» bildet den ersten Schritt zur Neupräsentation der Sammlung installativer Arbeiten des Museums.

«Resonanzräume schaffen für Kultur und den Austausch zwischen Kunst und Gesellschaft fördern», so umriss Miriam Wehrli als Vertreterin der UBS-Kulturstiftung das Engagement des Finanzinstituts in Sachen Kunst, als sie die Schenkung offiziell dem Kanton Thurgau und damit dem Kunstmuseum in der Kartause Ittingen überbrachte. Monika Knill dankte im Namen des Kantons für dieses grosszügige Beispiel einer «Private Public Partnership», deren konkrete Höhe im Lauf des Abends diskret verschwiegen wurde.

Installation reiht sich ein

Der Museumsleiter Markus Landert, der mit dem Künstler Christoph Rütimann die Idee einer solchen Arbeit für Ittingen in die Welt setzte, kann nun ein Schlüsselwerk zeitgenössischer Schweizer Kunst «sein eigen» nennen. Während der Sammlungsschwerpunkt des Museums auf «Aussenseiterkunst» liegt, fügt sich diese neue Arbeit von Rütimann in eine Reihe spannender «Interventionen der Gegenwartskunst» ein, wie etwa die Installation «Tropfen» von Singer, das «Paradies» von Muda Mathis oder der «Orte-Schrank» von H. R. Fricker, der derzeit nahe der «Blechwand» zu sehen ist.

Rütimanns Arbeit besteht aus vier einfarbig lackierten Blechen, die unspektakulär von der fünf Meter hohen Decke bis zum Boden zu hängen scheinen. Erst der vorüberschreitende Besucher bringt diese Installation in Schwingung, entlockt ihr donnernde Geräusche, die durch die Gänge des ehemaligen Klosters hallen. Diese Interaktion zwischen Besucher und Kunstwerk ist nur möglich, weil Rütimann listig Bewegungsmelder im Sockelbereich angebracht hat, die die Vibrator-Elemente in Aktion setzen. Diese übertragen ihre Schwingung auf die grossen Metallflächen, die zu donnern und zu dröhnen beginnen, je nach Bewegung des Betrachters.

Landert verstand es, Rütimanns «Blechwand für Ittingen» dem Publikum zu vermitteln. Drei Pisten habe er bereitet, um diese aufgehängten Bleche als Kunst zu begreifen. Ist es ein Instrument, ist es eine Skulptur oder ist es Malerei? Damit hat er den neuralgischen Punkt in Rütimanns Schaffen getroffen: die grundsätzliche Befragung der Kunst, ihre materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen. Dies ist die Frage, die in den 80er-Jahren viele Künstler umtrieb und zu einer Absage an traditionelle Medien und Techniken führte und in einer Hinwendung zur Performancekunst mündete.

Gegen die Eindeutigkeit

Rütimanns Arbeit ist ganz bewusst ein «Mischwesen», ein hybrides Kunstwerk. Die Eindeutigkeit der Erscheinungen und Begriffe wird hinterfragt, die Wechselwirkung von Objekt und Betrachter wird vorgeführt. In diesem Sinne gehört Rütimanns Arbeit zu hochinnovativer Kunst, die neue Bedeutungshorizonte zu öffnen vermag und nicht nur Resonanzräume schafft, sondern auch Räume zum «Räsonieren».

Während es dem Selbstverständnis der UBS-Kulturstiftung entspricht, gerade auch aktuelle Kunst mit internationaler Ausstrahlung zu fördern, ist es für Markus Landert folgerichtig, nach der Doppelausstellung der Kantone St. Gallen und Thurgau und dem bemerkenswerten Katalog zum Schaffen Rütimanns jetzt ein Schlüsselwerk dieses Künstlers zu erwerben, das in der neuen Sammlungspräsentation eine wichtige Kunstposition markieren wird. Bis April 2009 wird Rütimann ein weiteres Werk als «Kunst am Bau» in den neusanierten Räumen des Klosterareals realisieren.

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