Ronaldo muss sich anders kleiden

Das Startkapital war da. Doch dem Roggwiler Jungunternehmer Mathias Müller geht nun finanziell der Schnauf aus. Ende Jahr zieht er sich vom Modemarkt zurück und liquidiert seine Firma Royal Sunday.

Max Eichenberger
Merken
Drucken
Teilen
Mathias Müller (links) löst seine Firma bis Ende Jahr auf. (Bild: pd)

Mathias Müller (links) löst seine Firma bis Ende Jahr auf. (Bild: pd)

ROGGWIL. Real-Star Cristiano Ronaldo gehörte zu Müllers illustrer Kundschaft. Das Model Xenia Tchoumitcheva trug Mode des Roggwiler Labels, das es mit dem Geschäftsmodell «Be your own Designer» seiner Klientel ermöglichte, per Mausklick modische Unikate zu kreieren. Bevor das Geschäft in die Erfolgsspur kommen konnte, sind die Reserven nun aber aufgebraucht.

Früher Einstieg

Angefangen hat es mit einem einfachen T-Shirt und seitlichen roten Streifen. 17jährig war Mathias Müller, Sohn von MBT- und Kybun-Gründer Karl Müller, als er sein eigenes Label My Mui gründete. Zuvor hatte der Spross, der mit 14 die Schule verliess, einen Handel mit Imitationen betrieben. Bis die Marken gegen den jungen Händler vorgingen und der Zoll die Ware beschlagnahmte.

Es blieb nicht bei der einzigen Bruchlandung des Jungunternehmers. Müllers Marke My Mui, die sich gefällig in Clubs etabliert hatte, erregte Anstoss beim italienischen Modegiganten Prada. Die Italiener reklamierten die frappierende Namensähnlichkeit zur eigenen Tochterfirma «miu miu». Die Wettbewerbshüter beim Institut für geistiges Eigentum wiesen Müller daraufhin in die Schranken. Das Roggwiler Label wurde im Markenregister gelöscht.

Mit Vaters Zustupf

Das war 2006. Da war Mathias Müller gerade mal 18. Der Verkauf des MBT-Schuhgeschäfts durch den Gründer und Vater Karl Müller senior an österreichische Investoren spülte viel Geld in die Familie. Davon profitierten auch die Kinder. Karl Müller junior lancierte die Schuhmarke Joya, nachdem der Vater mit Kybun ein neues Geschäftsfeld aufgezogen hatte. Mathias Müller vollzog später nach turbulenten Zwischenjahren sein Comeback im Modebusiness. Er gründete das Label Royal Sunday und brachte mit Mitstreitern Kollektionen auf den Markt: designed in Roggwil, produziert in Südkorea, der Heimat der Mutter.

Der vermeintliche Durchbruch gelang vor drei Jahren mit dem Geschäftsmodell «Be your own Designer». Mit einer Designer-Software war es den Kunden möglich, ab den Basic-Modellen Unikate zu kreieren, die dann entsprechend in Südkorea gefertigt wurden. Jet-Setter und Sportgrössen wie Cristiano Ronaldo oder Sergio Ramos zählten zum glamourösen Kundenstamm von Royal Sunday.

Ressourcen aufgebraucht

Doch die finanziellen Ressourcen, die zum weiteren Aufbau und zur Konsolidierung des Unternehmens nötig gewesen wären, seien seit Anfang Jahr geschwunden, räumt Mathias Müller ein. Dies trotz positiver Resonanz im Markt und grundsätzlich guter Entwicklung im Direktverkauf und mit den ersten Shop-Partnern. Zwar konnte die Schnittstelle zwischen Verkauf und Produktion nach anfänglichen Problemen optimiert werden. «Wir haben Monat für Monat gekämpft». Für die speziellen Teile wie Lederjacken und aufwendige Sakkos von Royal Sunday sei der Sommer eine eher schlechte Saison. Die Bestellungen blieben insgesamt unter den Erwartungen, und obwohl der Herbst wieder angezogen habe, habe er die Reissleine ziehen müssen, sagt Label-Gründer Mathias Müller.

19 Mitarbeiter betroffen

«Mit Unterstützung der Familie bauen wir die Firma jetzt geordnet ab und beenden die Geschäftstätigkeit Ende Jahr», bestätigt Mathias Müller. Er bedauert, dass der verheissungsvolle Pionierweg letztlich nicht zum Erfolgsziel geführt hat. Betroffen von der Schliessung sind 14 Mitarbeiter in der Produktion in Südkorea und fünf Personen am Hauptsitz in Roggwil. Rückblickend meint Müller, würde er wohl «kleinere Brötchen backen und erst eine eigene Produktion aufbauen, wenn eine selbsttragende Basis erreicht worden ist».