Roms Haltung zur Feuerbestattung verändert sich

Der Brauch, Leichen zu verbrennen, ist alt und in vielen Kulturen verbreitet. Die Katholische Kirche hat sich damit lange schwer getan. Dahinter stand auch die Angst, die Förderung der Feuerbestattung sei eine bewusste Strategie der Atheisten oder gar Freimaurer, den christlichen Glauben zu untergraben.

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Der Brauch, Leichen zu verbrennen, ist alt und in vielen Kulturen verbreitet. Die Katholische Kirche hat sich damit lange schwer getan. Dahinter stand auch die Angst, die Förderung der Feuerbestattung sei eine bewusste Strategie der Atheisten oder gar Freimaurer, den christlichen Glauben zu untergraben.

Am 19. Mai 1886 erlässt das Heilige Offizium in Rom, die heutige Glaubenskongregation, ein Dekret, das die Feuerbestattung verbietet. Dabei geht es vor allem um die Abgrenzung zu den Freimaurern. Durch sie sah man die christliche Auferstehungslehre gefährdet.

Ein klares Verbot

Schon ein paar Monate später, im Dezember, schickt Rom eine Begründung nach. Darin heisst es: Wer «aus eigenem Willen die Verbrennung wählt und in diesem Willen mit Sicherheit und bekanntermassen bis zum Tod verharrte», dem sei das kirchliche Begräbnis zu verweigern.

Doch das Thema ist damit für die Katholische Kirche nicht abgehandelt. Fünf Jahre später wendet sich der Erzbischof aus dem deutschen Freiburg an das Heilige Offizium mit folgender Frage: Darf man jemandem die Sterbesakramente verabreichen, der eine Feuerbestattung veranlasst habt, aber nicht den Freimaurern angehört? Die Antwort: Wenn sich jemand auf Ermahnung hin weigern würde, von der Feuerbestattung abzusehen, dann solle er keine Sterbesakramente bekommen.

Der Erzbischof will auch wissen, ob es erlaubt sei, bei einer Leichenverbrennung mitzuwirken. Antwort: Die formale Mitwirkung sei niemals erlaubt. Gleich darauf heisst es: «Geduldet werden kann bisweilen die materiale Mitwirkung.» Mit der Einschränkung: «Sofern die Verbrennung nicht für ein Bekundungszeichen der Freimaurersekte gehalten wird» oder die katholische Lehre schmähe.

1926 zeigt sich zum ersten Mal eine Tendenz, die Feuerbestattung zu erlauben. Da schreibt das Heilige Offizium. Die Leichenverbrennung – «da nicht unbedingt schlecht» – könne aus einem schwerwiegenden Grunde des öffentlichen Wohls erlaubt sein. Damit waren wohl hygienische Gründe gemeint.

Kirche erlaubt Einäscherung

Eine Neubeurteilung seiner Haltung gegenüber der Verbrennung nahm das Heilige Offizium 1963 vor: Die Einäscherung des Leibes würde weder die Seele berühren noch bedeuten, dass die christlichen Dogmen von der Auferstehung des Leibes geleugnet würden. «Es handelt sich also nicht um eine Sache, die in sich böse oder der christlichen Religion an sich feind wäre».

Die katholische Kirche gibt zwar nach wie vor der Erdbestattung den Vorzug. Diese Gewohnheit solle heilig gehalten werden. Doch: Jemandem, der sich für die Feuerbestattung entschieden hat, dürften deswegen nicht die Sakramente verweigert werden. Ausser, er habe sich dazu aus Ablehnung der christlichen Dogmen oder aus Hass gegen die katholische Religion und Kirche entschlossen. (red.)