Romeo erhält den letzten Schliff

HAGENWIL. In wenigen Tagen nimmt die tragischste Liebesgeschichte der Literaturgeschichte ihren Anfang im Schlosshof. Bis Ende August lieben und sterben Julia und Romeo auf der Bühne der Schlossfestspiele. Noch wird geprobt.

Rita Kohn
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Regisseur Florian Rexer bespricht mit dem Ensemble den Ablauf des Probeabends. (Bild: Rita Kohn)

Regisseur Florian Rexer bespricht mit dem Ensemble den Ablauf des Probeabends. (Bild: Rita Kohn)

Die Welt hört auf, sich zu drehen, es gibt in diesem Moment nur noch sie: Julia aus dem Hause der Capulet und Romeo aus dem Hause der Montagues. In diesem Moment stockt der Atem auch beim wenigen Probenpublikum, im Schlosshof wird es ganz ruhig. Ramona Fattini und Rafael Luca Oliveira alias Julia und Romeo sehen sich tief in die Augen und belegen ihre ganze Umgebung mit einem besonderen Zauber.

Gebannt verfolgt Regisseur Florian Rexer das Geschehen. Er ist von der Szene genau so angetan wie die anderen Leute, die sich an diesem Abend im Schlosshof eingefunden haben, um einen Blick auf den Verlauf der Proben zu werfen. Noch sitzt da und dort eine Szene nicht ganz perfekt, muss an einer Stelle gefeilt werden. Aber Rexer weiss, dass am Donnerstagabend alles so sein wird, wie es soll. Denn dann findet die Premiere zu den diesjährigen Schlossfestspielen statt.

Wie gemacht füreinander

Obwohl das Liebesdrama aus der Feder von William Shakespeare im italienischen Verona spielt, scheint es auf die Schlosshofbühne regelrecht zugeschnitten zu sein. Schon nach wenigen Momenten versinkt der Zuschauer ganz in der Geschichte, was nicht zuletzt der starken Bühnenpräsenz der einzelnen Darstellerinnen und Darsteller zu verdanken ist.

«Ich wollte das Stück unbedingt in Hagenwil aufführen», sagt Florian Rexer mit einem zufriedenen Ausdruck. Und beginnt dann unvermittelt zu schmunzeln: «Es freut sich natürlich noch jemand, dass wir ausgerechnet dieses Stück spielen.» Schlossherrin Julia Angehrn besuche die Proben regelmässig. «Sie findet es besonders schön, dass wir das Stück über ihre Namensvetterin ins Programm aufgenommen haben.»

Allerdings habe die Kulisse für das Stück sie auch vor einige Herausforderungen gestellt. Besonders der Balkon musste wohldurchdacht sein, ist er doch sonst bei den Fecht-Szenen im Weg.

Ideale Besetzung

Obwohl Florian Rexer für seine jüngste Produktion zu einem grossen Teil auf einen neuen Cast bauen musste, scheint es, als wäre jeder einzelne auf der Bühne in Hagenwil gross geworden. «Hier zu spielen ist für alle eine grosse Herausforderung, weil das Publikum ums Eck sitzt und die Bühne im Verhältnis zu den normalen Bühnen winzig klein ausfällt», erklärt Rexer.

Die Darsteller zeigen sich von den eingeschränkten Platzverhältnissen unbeeindruckt und üben gerade die Kampfszene, scharf beobachtet von den Lehrmeistern, den beiden Fecht-Profis Jean-Loupe Fourure und Jochen Schmidtke aus Berlin, die den letzten Schliff anbringen.

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