ROMANSHORN/KESSWIL: Frauenfeld gibt alten Projekten eine neue Chance

Der Kanton hat den Richtplan überarbeitet. Vorgesehen sind unter anderem eine Bahnhaltestelle in der Hafenstadt und ein grösserer Hafen in Kesswil.

Markus Schoch
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In diesem Bereich soll die neue Bahnhaltestelle in Romanshorn gebaut werden. (Bild: Nina Stieger/Stadt Romanshorn)

In diesem Bereich soll die neue Bahnhaltestelle in Romanshorn gebaut werden. (Bild: Nina Stieger/Stadt Romanshorn)

ROMANSHORN/KESSWIL. Das Urteil war vernichtend: Aufwand und Ertrag würden in keinem Verhältnis stehen. Zu diesem Schluss kam vor fünf Jahren eine Studie zu einer SBB-Haltestelle im Hofquartier, die von Romanshorn und Salmsach in Auftrag gegeben worden war. Der zusätzliche Stop würde mindestens 10 bis 15 Millionen Franken kosten, aber maximal 50 Personen auf den Zug bringen, ergab die Analyse. Kommt hinzu: Der Fahrplan würde aus den Fugen geraten.

Gebiet Hof ist neuer Entwicklungsschwerpunkt

Und trotzdem ist die Idee nicht vom Tisch, sondern taucht jetzt erneut im überarbeiteten kantonalen Richtplan auf, der kürzlich öffentlich auflag. Die zuständigen Stellen in Frauenfeld folgen damit einem Wunsch der Stadt Romanshorn, die sich in ihrem eigenen und im letzten August verabschiedeten Richtplan zum Ziel setzt, eine Bahnstation auf der Brücke über der Arbonerstrasse mittelfristig in Betrieb zu nehmen. Der Grund: Das Gebiet Hof hat der Stadtrat zum Entwicklungsschwerpunkt erklärt. Es soll zu einem trendigen und durchmischten Quartier werden. Die bessere Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz soll zum Treiber der Entwicklung werden.

Aus dem Richtplan gestrichen worden ist dagegen das Projekt einer Bahnhaltestelle in Holzenstein. Sie ist schon länger vom Tisch. Das Problem sind die Anschlüsse, die nicht mehr gewährleistet werden könnten.

Diskussion seit dreieinhalb Jahren

Weiterhin im kantonalen Richtplan vorgesehen ist der Neubau eines Hafens in Kesswil. Vor dreieinhalb Jahren machte die Gemeinde einen neuen Anlauf, nachdem ein erster mit einem sogenannten Inselhafen vor 13 Jahren am Widerstand der Umweltverbände und des Bundesgerichts gescheitert war. «Eine Arbeitsgruppe ist nach wie vor an der Arbeit», sagt Gemeindepräsident Kurt Henauer. Doch eine Lösung zu finden, sei nicht einfach. Sollte es dereinst ein Projekt geben, wäre eine Anlegestelle für das Kursschiff durchaus ein Thema, sagt Henauer. Im Moment laufe in dieser Hinsicht aber nichts. Kesswil wird im überarbeiteten kantonalen Richtplan als möglicher Standort ausdrücklich erwähnt.

Festgehalten ist dort auch, dass die Fähre zwischen Romanshorn und Friedrichshafen künftig im Halbstundentakt verkehren soll. Und weiter heisst es: «Die bestehenden und neuen Fähren sind – sofern wirtschaftlich zumutbar – mit ökologischem Antrieb zu versehen.» Entsprechende Bestrebungen sind im Gange.

Gleiche Ausgangslage für die geplante Deponie

Unverändert präsentiert sich die Ausgangslage für eine mögliche Inertstoffdeponie im Grenzgebiet zwischen Egnach und Roggwil. Die Firma Zürcher aus Zuzwil machte Anfang 2012 entsprechende Pläne publik, die auf grossen Widerstand stiessen. Die Gegner schlossen sich in einem Verein zusammen.

Der Kanton hat zwar neu eine Mindestgrösse von 100 000 Kubikmeter für Deponiestandorte dieser Art vorgesehen, was aber im konkreten Fall keine Bedeutung hat. Das Projekt im Gebiet Grosszälg ist viel grösser angedacht. Ob die Pläne der Firma Zürcher noch aktuell sind, lässt sich nicht sagen. Sie selber äussert sich nicht dazu. Auch Vereinspräsident Pascal Stacher hat schon lange nichts mehr gehört.