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ROMANSHORNER ZURÜCK AUS DEN USA: Der geplatzte Traum von der Profikarriere

Etienne Ettlinger zog aus, um in den USA Profi-Basketballer zu werden. Mittlerweile hat er sein Vorhaben aufgegeben, der 22-Jährige ist wieder daheim. Missen möchte er sein Abenteuer aber nicht.
Daniel Walt
Etienne Ettlinger ist überzeugt, dass er gestärkt aus seinen Erfahrungen in den USA hervorgehen wird. (Bild: Reto Martin)

Etienne Ettlinger ist überzeugt, dass er gestärkt aus seinen Erfahrungen in den USA hervorgehen wird. (Bild: Reto Martin)

Er wollte eigentlich nicht aufgeben. Neu durchstarten. Stärke beweisen – so wie der Husky, den er sich vor Jahren auf den rechten Oberarm hatte tätowieren lassen. Doch schliesslich wurde ihm alles zu viel: Nach drei Jahren hat der junge Romanshorner Etienne Ettlinger seinen Traum begraben, in den USA Basketball-Profi zu werden. Anfang Jahr war es, als er beschloss, die Reissleine zu ziehen und im Sommer wieder in den Thurgau zurückzukehren. Intensive Momente seien dies gewesen – wohl die intensivsten in seiner Zeit in den USA, sagt er.

Niemand hatte auf ihn gewartet

«Ich habe in einer heilen Welt gelebt», blickt Etienne Ettlinger auf den Sommer 2014 zurück, als er Romanshorn in Richtung USA verliess. Er wollte in einem kalifornischen College-Team Basketball spielen und von dort aus den Sprung zum Profisportler schaffen. Die Realitäten waren aber anders, als Ettlinger sich dies ausgemalt hatte. Bei seinem ersten Gastvater musste er im Stehen essen, weil es im Haus keinen Tisch gab; er fühlte sich fernab von Familie und Freunden rasch einsam; sein Auto machte immer wieder schlapp; er wurde in einen Unfall verwickelt, hatte Verletzungsprobleme; vor allem aber hatte niemand auf das junge Basketball-Talent vom Bodensee gewartet.

Auf einem Aussenplatz in Palm Desert. (Bild: pd)
Auf dem Highway 1 von Kalifornien. (Bild: pd)
Vor dem ersten Spiel für College of the Desert. (Bild: pd)
Ein Dribbling vor der Golden Gate Bridge. (Bild: pd)
Etienne Ettlinger zeigt am Venice Beach Flagge. (Bild: pd)
Abschalten an einem öffentlichen Pool. (Bild: pd)
Relaxen am Strand von Santa Barbara. (Bild: pd)
Am Coachella-Festival in Kalifornien. (Bild: pd)
Etienne Ettlinger besuchte das Tennisturnier von Indian Wells und sah die Partie zwischen Roger Federer und Rafael Nadal. (Bild: pd)
Aussicht über Palm Springs. (Bild: pd)
Basketball bei Sonnenuntergang... (Bild: pd)
Freiwurf für College of the Desert. (Bild: pd)
Wanderung in Palm Springs. (Bild: pd)
Die Skyline von San Francisco am Abend. (Bild: pd)
Ein Jump bei der Golden Gate Bridge. (Bild: pd)
Am Lake Tahoe an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Kalifornien und Nevada. (Bild: pd)
Etienne Ettlingers Lieblingsplatz nach Vorlesungen oder am Wochenende. (Bild: pd)
Ein Open Gym für College- und Profispieler in Los Angeles. (Bild: pd)
Etienne Ettlinger auf Erkundungstour in Santa Barbara. (Bild: pd)
Am Venice Beach in Los Angeles. (Bild: pd)
Auf dem Sprung in San Francisco... (Bild: pd)
Ein lustiger Moment mit einem Teamkollegen. (Bild: pd)
Etienne Ettlinger in Aktion. (Bild: pd)
Am Strand von Santa Barbara. (Bild: pd)
Training am Las-Positas-College. (Bild: pd)
Training am College of the Desert. (Bild: pd)
26 Bilder

Etienne Ettlinger - ein Romanshorner in den USA

Etienne Ettlinger unternahm zwar diverse Anläufe, um sich in den USA durchzubeissen. Er wechselte das Team, trainierte hart, suchte das Gespräch mit seinen Trainern. Und konnte bei seinen Einsätzen auch immer wieder mal für ein Glanzlicht sorgen. Doch so richtig in Fahrt kam er nie. «Ich hatte teils Mühe, mit dem grossen Konkurrenzkampf umzugehen. In den Trainings ging es auch unter Teamkollegen sehr aggressiv zu und her», hält er fest. Vor allem aber war er zu wenig geduldig, wenn ihm die Trainer wenig oder keine Einsatzzeit gaben. «Einmal explodierte ich deswegen richtiggehend», blickt Ettlinger zurück. Der Coach gab ihm später zwar grundsätzlich Recht – trotzdem wurde die Kommunikation zwischen Coach und Spieler immer schwieriger. Ausbleibender sportlicher Erfolg und die daraus resultierende schlechte Stimmung im Team brachten Ettlinger dann endgültig dazu, schweren Herzens einen Schlussstrich unter sein US-Abenteuer zu ziehen.

Rückkehr unter schwierigen Vorzeichen

Mittlerweile lebt Etienne Ettlinger seit einigen Monaten wieder in Romanshorn. Er versucht hier zu verarbeiten, was er in den vergangenen Jahren in den USA erlebt hat. Und sich wieder in seiner alten Heimat zurechtzufinden. So einfach, wie man vermuten könnte, ist das nämlich nicht für ihn. Klar, er schätzt das Zusammensein mit Familienangehörigen und Freunden, den Lebensstandard und den Organisationsgrad in der Schweiz. Die Jahreszeiten und den See sowieso. Aber kaum daheim, musste Ettlinger den Ausbruch einer Familienkrise in seinem engsten Umfeld miterleben - «nichts ist mehr, wie es war», hält er fest. Auch diesbezüglich spricht Ettlinger von einer heilen Welt, in der er früher gelebt habe und die es so nicht mehr gebe.

Gestärkt aus dem Ganzen hervorgehen

Natürlich: Er sei in sportlicher Hinsicht gescheitert, sagt Etienne Ettlinger im Rückblick auf seine Zeit in den USA. Sein Selbstvertrauen kam ihm zwischenzeitlich völlig abhanden, er war demotiviert, weil nichts so gekommen war, wie er es sich gewünscht hatte. Er spielte nach seiner Rückkehr in die Schweiz sogar mit dem Gedanken ans Aufhören. Er entschied sich schliesslich dagegen – «weil ich schon so viel in diesen Sport investiert hatte und nicht einfach alles hinwerfen wollte», sagt er. So schloss er sich ein paar Monate nach seiner Rückkehr den Basketballern von Konstanz an. «Ich fühle mich dem Trainer verpflichtet, der sich sehr um mich bemüht hat. Und ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass die Konstanzer ihr Ziel der Rückkehr in die zweite Bundesliga erreichen.» Junge Basketballbegeisterte sollten Sport auf hohem Niveau in der näheren Region erleben können, findet Ettlinger. Gleichzeitig studiert er an der Uni Zürich Publizistik und Kommunikationswissenschaften.

«Ich habe in den USA sehr viel erlebt. Und gelernt, dass ich mehr Geduld sowie Selbstvertrauen haben muss und nicht so schnell gekränkt sein darf», sagt Etienne Ettlinger. Genau deshalb will er diese Phase seines Lebens auch nicht unter der Kategorie Reinfall abbuchen. «Man scheitert dann, wenn man nichts aus seinen Erfahrungen lernt», hält Ettlinger fest. Und rät jedem, zu versuchen, seine Träume zu leben, selbst wenn immer auch die Gefahr des Scheiterns besteht. Ettlinger selbst kann es sich aufgrund seiner Erfahrungen vorstellen, andere zu beraten, die ähnliches wie er vor drei Jahren im Schilde führen. Zusammenfassend sagt er: «Ich gehe gestärkt aus dieser Zeit heraus und habe das Gefühl, dass mich nicht mehr viel aus der Bahn werfen kann.»

Ergänzt: "Trump empfinde ich als eine Katastrophe"

An Romanshorn schätze ich im Vergleich zu den USA…
…, dass es so klein und kompakt ist. Auch die Jahreszeiten und der See mit der Sicht auf die Berge haben mir in den USA gefehlt.

Hier vermisse ich dafür…
… die warmen Temperaturen, die Trainingsmöglichkeiten und die Kollegen, die ich in den USA kennenlernen durfte.

US-Präsident Donald Trump…
… empfinde ich als eine Katastrophe. Seine Wahl zeigt zu einem gewissen Grad den Wertezerfall der Menschheit. (dwa)


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