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ROMANSHORN: Wirbel um Romanshorner Hafenhotel: Stimmbürger fühlen sich verschaukelt

Wirbel um Hafenhotel: Stimmbürger reklamieren im Nachgang an die Abstimmung über den Landverkauf, sie seien nicht vollständig oder gar falsch informiert worden.
Tanja von Arx
Blauer Kubus in der Mitte: Das Hotel von Hess soll neben den Gleisen stehen und abseits des Hafenbeckens. (Bild: KCAP Architects&Planners)

Blauer Kubus in der Mitte: Das Hotel von Hess soll neben den Gleisen stehen und abseits des Hafenbeckens. (Bild: KCAP Architects&Planners)

Tanja von Arx

tanja.vonarx@thurgauerzeitung.ch

Es kam überraschend und sorgte für Kritik: Gemäss der städtebaulichen Konzeption des Zürcher Büros KCAP soll das geplante Hotel nicht dort zu stehen kommen, wo die Studie des Amriswiler Unternehmers Hermann Hess es sah und am liebsten gehabt hätte – nämlich mit einem Bein im Hafenbecken. Das wurde am vergangenen Dienstag bekannt. KCAP-Städtebauer und ETH-Professor Kees Christiaanse und seine Mitarbeiterin Yoo Na Ho platzieren es im hinteren Bereich der Parzelle zu den Gleisen hin und stellen es parallel zum alten Zollhaus, angedacht in der Höhe abgestuft und im Erdgeschoss möglichst transparent. Es soll Platz bieten für den öffentlichen Raum am Wasser.

«Viele hätten dem Verkauf nicht zugestimmt»

Viele Stimmbürger sind im Rahmen der Abstimmung über den Landverkauf für das Hotel aber davon ausgegangen, dass dieses einmal so aussieht, wie die vorgängig entworfenen und teils öffentlichen Pläne es vermuten liessen. Die Hess Investment AG, deren Inhaber Hess ist und die das Bauvorhaben realisieren soll, modellierte vor Jahren einen blauen Kubus, der ins Wasser ragt. Und die Susanne Fritz Architekten präsentieren entsprechende Skizzen auf ihrer Webseite (www.susannefritz.ch, siehe erstes Bild links).

Gemäss den Plänen der Susanne Fritz Architekten soll das Hotel ins Wasser ragen. (Bild: Susanne Fritz Architekten)

Gemäss den Plänen der Susanne Fritz Architekten soll das Hotel ins Wasser ragen. (Bild: Susanne Fritz Architekten)

Der Romanshorner Hansruedi Bachmann fühlt sich deshalb verschaukelt. «Unter den jetzt bekannten Bedingungen hätten vielleicht viele dem Verkauf nicht zugestimmt.» Denn das Hotel sei an diesem Ort bloss eine grössere Kopie des Gemeindesaales, den die Bevölkerung 2011 versenkt hätte (siehe zweites Bild links).

Grundriss des vormals geplanten Gemeindesaals: Die Romanshorner verwarfen diese Idee 2011. (Bild: Botschaft Urnenabstimmung 15. Mai 2011)

Grundriss des vormals geplanten Gemeindesaals: Die Romanshorner verwarfen diese Idee 2011. (Bild: Botschaft Urnenabstimmung 15. Mai 2011)

Augenscheinig: Der Stadtrat hat der städtebaulichen Konzeption am 6. Dezember zugestimmt, also nicht einmal drei Monate nach dem Urnengang betreffend den Landverkauf. Und die Abstimmung zum Hafenhotel wurde ohnehin wiederholt aufgeschoben.

So oder so stellt sich die Frage: Weshalb hat die Stadt nicht das Resultat der städtebaulichen Konzeption abgewartet, ehe sie den Landverkauf zur Abstimmung brachte? Als Auftraggeber sollte der Abschluss des Projekts erfahrbar gewesen sein. Stadtpräsident David H. Bon sagt auf Nachfrage: «Die Abstimmung über den Verkauf der Parzelle an der Hafenpromenade stand nie in einem direkten Zusammenhang mit der konkreten Gestaltung des Hotels beziehungsweise es war keine Option für die Stadt, sich für den Urnengang zeitlich von Fahrplänen Dritter wie beispielsweise KCAP abhängig zu machen.» Bezüglich der im Vorfeld des Urnengangs verwendeten Illustration der Susanne Fritz Architekten weist Bon darauf hin, dass «diese nicht von der Stadt stammt und von ihr auch nie verwendet wurde». Des Weiteren werde im öffentlich bekannt gemachten Kaufvertrag unter Punkt sieben jegliche präjudizierende Wirkung hinsichtlich aktueller oder zukünftiger Ideen von Hess Investment ausgeschlossen, sagt Bon.

Überraschend unüberrascht

Bereits an der Veranstaltung von Dienstag gab der Stadtpräsident bekannt, dass Hess vom neuen Vorhaben angetan sei. Auf Nachfrage erklärt der Investor: «Sehr früh gab es unsererseits diesen Baukörper aus Schaumstoff, der ins Hafenbecken ragt.» Das sei allerdings nur eine Idee gewesen, genauso wie die elektronischen Bilder von Susanne Fritz. «Kein Bauprojekt.» Er selber und Hess-Investment-CEO Klaus Morlock verfügen dank einem Immobilien-Studium in Deutschland auch über eine städtebauliche Ausbildung. Während in Deutschland der Städtebau besondere Relevanz infolge Wiederaufbau nach dem Krieg habe, sei Romanshorn leider vor 150 Jahren beim Bau von Bahn und Hafen einfach überrollt worden, denn dieser sei allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgt. «Davon hat sich Romanshorn nicht mehr erholt.» Aus Perspektive der Hess Investment AG werde jetzt aber seitens der KCAP «unter schwierigen Voraussetzungen das Bestmögliche angestrebt.» Zusammen mit der eigenen Erfahrung bezüglich Denkmalpflege, über die man durch Projekte in verschiedenen Städten, darunter Zürich, Basel und Stuttgart, verfüge, habe man die Basis für ein erfreuliches Gespräch mit dem Stadtrat und Vertretern der KCAP gefunden. Hess betont: «Das ist unser tägliches Brot.»

Ein Punkt, den Hess des Weiteren positiv erwähnt, ist die Sicht Richtung Süden auf den Hafen. «Anwohnern im Bereich hinter der Parzelle wird der Blick gemäss den Plänen der KCAP nicht versperrt.» Insgesamt werde das Hotel qualitativ aufgewertet, wenn der städtebauliche Kontext passe, und man erlange als Investor eine gewisse Sicherheit im Hinblick auf künftige Bauten von Dritten. Grundsätzlich sind für Hess in Bezug auf das Hotel drei Punkte wichtig: nahe bei Bahnhof und Hafen, genügend Zimmer (100 bis 120) und ein grosser Saal. Die künftige Klientel bestehe wohl vorwiegend aus Geschäftskunden, zu denen der neue Bauansatz passe. Hess summiert: «Ich habe mich gefreut, dass der Stadtrat diese Planung an die Hand genommen hat. Das ist ein bedeutender Schritt für die Stadt.»

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