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ROMANSHORN: «Wir mussten die Preise anpassen»

Stagnierendes Bevölkerungswachstum: Die Stadtverwaltung äussert sich unbesorgt zur Situation. Gleichzeitig schlagen sich Immobilienfirmen mit leeren Wohnungen herum.
Maria Keller
Die Bautätigkeit in Romanshorn bleibt hoch. Aktuell wird die Wohnüberbauung Romishof in die Tat umgesetzt.

Die Bautätigkeit in Romanshorn bleibt hoch. Aktuell wird die Wohnüberbauung Romishof in die Tat umgesetzt.

Maria Keller

maria.keller@thurgauerzeitung.ch

Romanshorn hat die Nase vorn. Auch wenn die Stadt in diesem Fall wahrscheinlich lieber den Kürzeren ziehen würde. Denn mit einer Leerwohnungsziffer von 3,9 Prozent per 1. Juni liegt sie aktuell an der Spitze der grossen Thurgauer Gemeinden. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der Leerstandsziffer im Kanton liegt bei 2 Prozent. Direkt davon betroffen sehen sich die Immobilienfirmen.

«Ein Wachstumsstopp ist nicht absehbar»

Für die Stadtverwaltung aber kein Grund zur Sorge. In den letzten 14 Jahren habe sich der Wohnungsbestand in Romanshorn um 23 Prozent erhöht, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Gleichzeitig habe die Bevölkerung von 9047 auf 10'770 Einwohner um 16 Prozent zugenommen, was als gesundes Wachstum bezeichnet werden könne. Denn die Bevölkerungsentwicklung müsse über eine lange Zeitperiode hinweg beobachtet werden. Die Wohnbevölkerung steige seit der Jahrtausendwende kontinuierlich. Deshalb müssten auch die notwendigen Infrastrukturen wie Verkehrseinrichtungen, Schulen und Freizeitanlagen kontinuierlich ausgebaut werden. «Ein Wachstumsstopp ist nicht absehbar. Im Gegenteil.»

Besonders seit 2011 würde ein regelrechter Bauboom durch das hohe Bevölkerungswachstum herrschen. Stadtpräsident David H. Bon sprach sich 2013 für ein Wachstum aus. «Ich sehe keine Risiken.» Vermutlich hatte niemand erwartet, dass das Wachstum plötzlich stagnieren würde. Denn 2011 explodierte die Stadt schier vor Zuwanderern. Von 2015 bis 2016 ist die Bevölkerungszahl lediglich um 62 Personen angestiegen.

Die Bautätigkeit sei immer noch hoch, denn Romanshorn bleibe ein attraktiver Wohnort am Bodensee mit idealen Anschlüssen an den öffentlichen Verkehr. «Bezüglich verbesserter Erreichbarkeit bestehen mit der geplanten Hochleistungsstrasse gute Perspektiven für den motorisierten Individualverkehr.» Ausserdem sei man bemüht, den privaten Wohnungsbau positiv zu beeinflussen. «Die qualitative Entwicklung hat für die Stadt Priorität.»

Steuerfusserhöhung geplant

Laut Stadtverwaltung hat das stagnierende Bevölkerungswachstum keinen Einfluss auf den Steuerfuss. «Bezüglich neu gebauter Immobilien tragen die Bauunternehmer und Investoren das finanzielle Risiko.» Bekanntlich muss die Stadt jedoch den Gürtel enger schnallen, um den Finanzhaushalt in den Griff zu bekommen. Durch das stagnierende Bevölkerungswachstum fehlen Steuererträge. Vor einem Jahr lehnte das Stimmvolk indes eine Steuererhöhung um zwei Prozentpunkte ab. Nun wagt der Stadtrat einen neuen Versuch mit gar vier Prozentpunkten.

Umso besorgter sind dafür die Immobilienfirmen, die in Romanshorn investieren. Sie sind laut eigener Aussage stark betroffen von der stockenden Zuwanderung. Die stagnierende Nachfrage an Mietwohnungen würde sich nicht mit dem grossen Bestand an Neubauten decken. Es bestehe ein Überangebot an Mietwohnungen in Romanshorn. Die Goldinger Immobilien Treuhand AG mit Standorten in der ganzen Ostschweiz spricht von «zunehmenden Schwierigkeiten bei der Vermietung». Laut Daniel Lehmann, Leiter der Bewirtschaftung am Standort Kreuzlingen, beschäftigt das Thema die Firma aktuell stark. An den Mietpreisen liege die geringe Nachfrage kaum. «Wir haben noch keinerlei Rückmeldungen diesbezüglich bekommen, weshalb eine Anpassung der Angebotspreise zur Zeit nicht im Vordergrund steht.» Vorerst seien Werbeaktionen von grosser Wichtigkeit für die Vermarktung von Wohnungen. Im Vergleich zur Region Kreuzlingen scheine auch die geografische Lage von Romanshorn ein Grund für die mangelnde Nachfrage zu sein, sagt Lehmann.

«Die guten Lagen sind zu teuer oder weg»

Ein weiteres Problem sei die Bautätigkeit an falscher Lage. Laut Peter Koch, Geschäftsführer der RB Immobilien Treuhand AG, sind die guten Lagen zu teuer oder schlichtweg nicht mehr vorhanden. «Zum jetzigen Zeitpunkt baut man deshalb hauptsächlich an sogenannten ‹C-Lagen›.» Und die dortige Infrastruktur lasse zu wünschen übrig, sagt Koch. Die stagnierende Zuwanderung sei für die Immobilienfirmen überraschend gekommen. Es sei unmöglich, so etwas früh genug vorherzusehen. «Denn bis ein Projekt steht, kann sich viel verändern. Positiv oder eben negativ», sagt Koch. Besonders die Zuzüger aus Deutschland seien weniger geworden. Auch die RB Immobilien AG habe bei gewissen Objekten die Preise anpassen müssen, um gegen den Leerwohnungsbestand anzukämpfen.

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