ROMANSHORN: Weniger WC-Papier in den Bächen

Der regionale Abwasserverband will auf dem Gelände der Kläranlage zwei neue Regenbecken für über 3 Millionen Franken bauen. Davon profitieren die Fliessgewässer im Einzugsgebiet.

Markus Schoch
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Es ist kein schöner Anblick: Nach heftigen Regenfällen hängen oft Fetzen von WC-Papier im Geäst von Sträuchern und Bäumen entlang von Flüssen und Bächen. Und zwar in solchen, in die Abwasserreinigungsanlagen (ARA) das Wasser ableiten, wenn sie an die Belastungsgrenze stossen und auch die so genannten Regenbecken gefüllt sind, die den ersten Schmutzstoss auffangen.

Im Einzugsgebiet der ARA in Romanshorn passiert das zu oft. Es gibt zwar in den angeschlossenen Gemeinden Romanshorn und Egnach Regenbecken, doch ihr Volumen ist zu klein, wie Abklärungen im Zusammenhang mit dem generellen Entwässerungsplan gezeigt haben. Der regionale Abwasserverband will jetzt Abhilfe schaffen. Die Delegierten haben im September den Bau von zwei zusätzlichen Becken mit einem Volumen von 1000 Kubikmetern beschlossen. Zu stehen kommen sollen sie auf dem Gelände der ARA in ­Romanshorn gleich neben dem bestehenden Regenbecken mit einem Fassungsvermögen von 920 Kubikmetern.

Kleinere Gewässer werden entlastet

Zur Debatte stand auch, dezentral neue Kapazitäten zu schaffen. Die Variante schnitt im Vergleich aber deutlich schlechter ab. Vorteile der jetzt weiter verfolgten Lösung: «Einerseits ergaben die Resultate der Langzeitsimulation bessere Kennwerte beim Entlastungsverhalten, und es wird weniger Wasser in die kleineren Gewässer der Gemeinden entlastet. Andererseits ist auf der ARA genügend Platz für weitere Regenbecken vorhanden, so dass ein Landerwerb nicht notwendig wird», heisst es in den Unterlagen des beauftragen Ingenieurbüros Hunziker Betatech. Wegen des schlechten Baugrundes und des hohen Grundwasserspiegels sind aber umfangreiche Baugrubensicherungen und eine Pfählung vor Ort nötig.

Ueli Oswald, der stellvertretende Geschäftsführer von Hunziker Betatech, stellte das Projekt am Montagabend an einer Informationsveranstaltung im Autobau vor. Illusionen dürfe man sich keine machen, stellte er klar. Auch künftig werde bei Regenfällen nicht immer alles Wasser durch die Kläranlage laufen. Ein Teil werde weiter direkt via Aach beziehungsweise eine 800 Meter lange Leitung in den Bodensee geleitet – im Unterschied zu heute aber mechanisch gereinigt. Dafür sorgen so genannte Siebrechen, die eingebaut werden und beispielsweise das WC-Papier zurückhalten, aber auch anderes, das in der Kloschüssel landet.

Die Kosten des Ausbaus sind erheblich. Veranschlagt sind 3,24 Millionen Franken. Dieser Betrag übersteigt die Finanzkompetenz der Delegiertenversammlung, die nur einmalige Ausgaben von maximal 2 Millionen Franken einfach so beschliessen kann. Die Investition unterliegt dem fakultativen Referendum. Das heisst: Wer dagegen ist, kann Unterschriften sammeln, um eine Volksabstimmung herbeizuführen. Die dreimonatige Frist läuft am kommenden Freitag an, sagte Stadtrat und ARA-Verbandspräsident Patrik Fink.

Kommt nichts dazwischen, soll im September des nächsten Jahres mit den Bauarbeiten begonnen werden. Ziel ist, die neuen Regenbecken im Herbst 2019 in Betrieb zu nehmen.

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Hinweis

Die Unterlagen sind einsehbar unter www.ara-romanshorn.ch/index.php?id=28