Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ROMANSHORN: Von wegen Auslaufmodell

Die Sprachheilschule Thurgau feiert das 50-Jahr-Jubiläum. Sie bringt mit einem neuen Auftritt bewusst alle ins Stolpern und lässt die Schüler an den drei Standorten jubeln.
Markus Schoch
Schulleiter Rainer Nobs und Trägervereinspräsident Franz-Xaver Isenring vor der neuen Stele im Eingangsbereich. (Bild: Reto Martin)

Schulleiter Rainer Nobs und Trägervereinspräsident Franz-Xaver Isenring vor der neuen Stele im Eingangsbereich. (Bild: Reto Martin)

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Die Volksschule will zwar möglichst alle Kinder integrieren. Doch bei einigen kommt sie an ihre Grenzen. Und darum gibt es unter anderem seit 50 Jahren die Sprachheilschule Thurgau (SHS) – die grösste Sonderschule im Kanton mit rund 125 Plätzen an den drei Standorten Romanshorn, Frauenfeld und Märstetten. In der Hafenstadt gibt es ausserdem ein Internat für acht bis zehn Kinder.

Dass die SHS nach wie vor existiert, war nicht unbedingt zu erwarten. «Vor 15 Jahren hiess es, wir seien ein Auslaufmodell», erinnert sich Trägervereinspräsident Franz-Xaver Isenring. Tatsächlich hat die Sprachheilschule ihre starke Stellung im kantonalen Bildungsangebot behalten. «Die Plätze sind knapp», sagt Schulleiter Rainer Nobs. Was auch mit dem Finanzierungsmodell zu tun hat: Die zuweisenden Schulgemeinden müssen gar nichts zahlen und die Eltern einzig 10 Franken pro Tag für das Essen. Den Rest übernimmt der Kanton über eine Leistungsvereinbarung mit dem Trägerverein.

Umfassende Hilfe unter einem Dach

Die Lehrer und Therapeuten nehmen sich Mädchen und Buben mit komplexen Spracherwerbsstörungen an. Gemeint sind auch Stotterer, doch sie sind nur eine kleine Minderheit. Die meisten haben grundlegende Probleme mit dem Sprachverständnis oder dem Satzbau, sind aber durchschnittlich intelligent.

Ihnen allen wird vor Ort geholfen. «Wir bieten unter einem Dach gezielte, qualitativ hochstehende Förderung und Prävention in kleinen Klassen mit acht bis zehn Kindern an», sagt Nobs. Das Angebot ist umfassend und richtet sich an Kinder bis zum Ende der Mittelstufe. Um sie kümmern sich in enger Zusammenarbeit Logopäden und Ergotherapeuten. Alles in allem arbeiten rund 90 Personen an der Sprachheilschule – Verwaltungsangestellte, Mitarbeiter im Hausdienst und Chauffeure mitgezählt. Der Transport der Kinder ist eine logistische Herausforderung: Täglich sind 18 Busse im ganzen Kanton unterwegs, um sie von zu Hause abzuholen und in die Schule zu bringen.

Nach zwei bis vier Jahren in die Regelklasse

Das Ziel der Bemühungen aller Beteiligten ist es, die Kinder für den Übertritt in eine Regelklasse vorzubereiten, weshalb ihr Unterricht an der Sprachheilschule inhaltlich fast genau gleich ist wie der ihrer gleichaltrigen Kollegen an der Volksschule. Der Wechsel gelingt nach zwei bis vier Jahren immer mehr oder weniger besser, sagt Nobs. Die allermeisten Abgänger schaffen dann auch später den Sprung in die Arbeitswelt. «Sie fallen nicht durch die Maschen, sondern werden zu soliden Berufsleuten», sagt Nobs nicht ohne Stolz. Fünf von ihnen porträtiert er in der Jubiläumsbroschüre.

Je früher die Sprachschwierigkeiten angegangen werden, desto besser sind die Resultate. Folge: «Wir haben im letzten Jahr eine Kindergartenklasse eröffnet und eine Mittelstufenklasse geschlossen», sagt Nobs. Wichtig sei es, den Kindern Erfolgserlebnisse zu vermitteln, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ihnen den Umgang mit ihrer Schwäche zu lernen. Denn geheilt werden sie nie ganz, stellt Nobs klar.

Zirkus, Musik und ein grosser Ausflug

Die SHS feiert das Jubiläum offiziell am 29. Juni mit geladenen Gästen in der Alten Kirche von Romanshorn. Vom Geburtstag haben aber auch alle Kinder etwas, die in die Sprachheilschule gehen. In Romanshorn ist eine Projektwoche zum Thema «Zirkus» geplant. In Frauenfeld steht ein Musikprojekt auf dem Programm, das die Schüler über Monate beschäftigen wird. Und in Märstetten kommen sie in den Genuss eines grossen Ausfluges.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.