ROMANSHORN: Von der Rennstrecke ins Reich der edlen Karossen

Fredy Alexander Lienhard hat seine Firma Rent4Ring am Nürburgring abgegeben und ist nun Geschäftsführer der Autobau AG in Romanshorn. Der Sohn des Autobau-Gründers strotzt vor Ideen für die Zukunft.

Ralf Rüthemann
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Romanshorn TG - Fredy Lienhard junior ist Geschäfstführer des Autobau in Romanshorn. (Bild: Reto Martin)

Romanshorn TG - Fredy Lienhard junior ist Geschäfstführer des Autobau in Romanshorn. (Bild: Reto Martin)

Elf Jahre lang lebte Fredy Alexander Lienhard in Deutschland. Der 38-Jährige hatte dort die Firma Rent4Ring aufgebaut und vermietete direkt neben dem Nürburgring Autos für die Rennstrecke. Seine Familie hat ihn jetzt zurück in die Heimat gezogen, Lienhard kümmert sich nun als Geschäftsführer um den Autobau Romanshorn – das «Baby seines Vaters».

Fredy Alexander Lienhard, drei Monate sind seit Ihrem Stellenantritt im Autobau Romanshorn vergangen. Sind Sie in Ihrer Funktion als Geschäftsführer angekommen?
Lienhard: Mittlerweile schon, es hat gerade etwa drei Monate dafür gebraucht. Ich durfte viel Neues kennen lernen und herausfinden, wie der ganze Laden läuft. Wir haben wirklich ein super Team hier.

War Ihnen als Sohn des Autobau-Gründers nicht schon das Meiste bekannt?
Nein, ich habe nun elf Jahre in Deutschland gelebt und habe mich dort, unabhängig vom Geschehen in Romanshorn, selbständig gemacht. Ich war deshalb auch nicht so nahe am Geschehen dran. Vom ganzen Gründungsprozess der Autobau AG bekam ich damals auch nicht allzu viel mit. Ab 2011 war ich im Verwaltungsrat und hatte dann etwa zwei-drei Sitzungen im Jahr.

Was haben Sie in Ihren ersten drei Monaten hier gemacht?
Ich habe vor allem viel beobachtet und auch bereits einige Details geändert. Zum Beispiel heissen die «OpenDays» jetzt «Pitwalk». Auch den Ausstellungshallen haben wir neue Namen gegeben. Zudem haben wir mit einer Agentur bereits eine neue Marketingstrategie aufgebaut. Mann soll möglichst schnell eine Übersicht über den gesamten Autobau bekommen. Neu sind wir auch im Social-Media-Bereich tätig.

In Deutschland lebten Sie sozusagen direkt neben der Rennstrecke, haben Autos vermietet und sind selber Rennen gefahren. Ist Ihnen der neue Alltag in Romanshorn nicht zu wenig turbulent?
Das habe ich zuerst auch befürchtet, doch es ist überhaupt nicht so. Mein Terminkalender war schnell ausgefüllt. Und ich habe festgestellt, dass man hier noch enorm viel machen und ausbauen kann. Es ist eigentlich ähnlich hier, ich kann mich um meine grosse Leidenschaft kümmern.

Und das Kapitel «Rent4Ring» ist für Sie nun vorbei?
Nein, denn ich arbeite hier zu einem 70-Prozent-Pensum. Das ermöglicht es mir, einmal im Monat nach Deutschland zu fahren. Ich bin weiterhin Inhaber der Firma Rent4Ring, aber einfach nicht mehr operativ tätig. So etwas wirft man nicht einfach so weg. Das ist mein Baby, wie auch der Autobau das Baby meines Vaters ist. Mein Cousin Ralph Beck und ich haben die Firma über Jahre aufgebaut und sie zum Erfolg geführt. Wir haben mit Rent4Ring damals genau eine Marktlücke getroffen.

Warum haben Sie sich entschieden, zurück in die Schweiz zu kommen?
Es hat schon seit etwa zwei Jahren eine Neuorientierung stattgefunden und ich habe so oder so von Anfang an gewusst, dass ich eines Tages in die Heimat zurückkommen werde. Auch aus familiären Gründen: Meine Schwester hat Nachwuchs bekommen und ich wollte diese Zeit auf keinen Fall verpassen. Mit der Kündigung von Raffael Soppelsa, der sich selbständig machte, hat sich mir im Autobau gerade eine Tür geöffnet.

Sie haben bereits das Potenzial des Autobaus angesprochen. Was haben Sie noch alles vor?
Das nächste Projekt, das ansteht, heisst «Roll-out». Wir wollen jeden Mittwoch ein Auto aus der Garage holen und genauer vorstellen. So etwas schwebte mir schon lange vor. Dann wird es in der Löschstation, einem weiteren Gebäude, eine VIP-Lounge geben. Dort sollen zum Beispiel Gruppen von 20 bis 30 Personen Formel-1-Rennen oder dergleichen schauen können. Im Untergeschoss ist eine weitere Ausstellung geplant, doch das bleibt eine Überraschung. Es wird etwas ganz Anderes sein. Weiter haben wir innerhalb des Rundkurses Bauland. Vielleicht gibt es dort einen weiteren Factory-Betrieb oder so, aber da geht es jetzt schon um die langfristige Planung. Allgemein soll auch einfach der Bekanntheitsgrad unserer Auto-Erlebniswelt ausgebaut werden. Es sind regelmässige Treffen aller Autoliebhaber geplant. Wir sind nicht nur ein Museum.

Haben Sie eine Lieblingsecke und ein Lieblingsauto im Autobau?
Eine Lieblingsecke gibt es nicht. Lieblingsautos sehr wohl: Im Bereich der Strassenautos gefällt mir der Ferrari F40 am besten. Bei den Rennautos ist es der Porsche RS Spyder. Mein Vater fuhr diesen an seinem letzten Rennen im Jahr 2009.

Ihr Vater ist weiterhin Verwaltungsratspräsident der Autobau AG und Sie nun Geschäftsführer. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater?
Ich hatte schon immer eine gute Beziehung zu meinem Vater und meiner Familie. Die Distanz war nicht nur ein Problem, es hat uns auch etwas gebracht. Ursprünglich war mein Vater nicht so begeistert, dass ich nach Deutschland gegangen bin, doch etwas später freute er sich natürlich über den Erfolg unseres Unternehmens und dass ich mich selbst verwirklichen konnte. Jetzt geniesse ich es natürlich auch, mit meinem Vater zusammen zu arbeiten und unsere Leidenschaft zu teilen. Er steht voll hinter mir.

Wie hat Ihr Vater Sie früher für Autos begeistern können?
Er hat mich als kleiner Bub einfach in einen Gokart gedrückt. Zuerst habe ich «täubelet», aber es ging nicht lange, bis ich von dieser Leidenschaft infiziert wurde. Mein Vater sagte immer, Rennsport sei eine Charakterschule. Das finde ich heute auch.